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Dominic Flandry: Im Dienst der Erde von Poul Anderson

Rezension von Christian Endres

 

Der Name Poul Anderson lässt den Freund phantastischer Unterhaltungsliteratur in der Regel aufmerken. Egal ob Historical oder Dark Fantasy, egal ob oder Social oder Military Science Fiction – der produktive Anderson war im Laufe seiner Karriere überall anzutreffen und trieb sich mit wenigen Ausnahmen an allen Ecken und Enden des Genres herum. So auch in den Anfängen der Military Science Fiction, wo er mit Dominic Flandry zumindest von Namen her einen der bekanntesten Weltraum-Agenten der frühen Action-SciFi schuf ...

 

Es ist ein alter Konflikt, der auf der Welt Starkad zwischen den exotischen Bewohnern von Land und Meer schwelt, ein Konflikt um Ressourcen und das überleben. Zur Eskalation dieser ewigen Fehde kommt es jedoch erst, als die Menschen und die Merseianer in den Krieg der so unterschiedlichen Völker eingreifen und aufgrund eigener Interessen an dem kleinen Planeten jeweils eine Seite mir Tat, aber eben auch (rüstungs-)technischem Fortschritt unterstützen. So versinkt Starkad bald schon in einem trüben Sumpf aus politischen Intrigen und Spannungen und harten, verbittert geführten Gefechten um die für beide Parteien lebenswichtige See. Auch der Terraner Dominic Flandry, jugendharter Soldat im Dienst von Mutter Erde, findet sich bald schon mitten in diesem sumpfigen, schwer durchschaubaren Kampf um Starkad – und muss bald schon feststellen, dass das Leben eines Weltraum-Agenten oder –Helden durchaus auch seine Schattenseiten hat ...

 

Früher war vielleicht nicht alles besser, vieles in mancher Weise aber mit Sicherheit doch einfacher: So konnte Poul Anderson es sich anno 1966 beispielsweise noch ohne Weiteres erlauben, mit Dominic Flandry einen (aus heutiger Sicht) »klassischen« Krachbumm-Actionhelden zu schaffen, den er mit wenig Charakterisierung, wenig Dialogszenen und überhaupt eher zurückhaltendem Verhalten in Sachen Story und Plot auf seine Leserschaft los ließ. Bei diesem »Hauptdarsteller« wundert es dann eigentlich auch nicht weiter, dass der wahre Reiz des Bandes in Andersons Nebenfiguren und –Schauplätzen liegt, die der Autor ersann, um seine Story auch ohne den frisch beförderten Flandry voranzutreiben. Besonders die Schilderung der Gesellschaft der »Meertrolle« sowie die politisch versierten Bewohner Merseias – also alles Außerirdische im Roman – gehören mit den zu besten Stellen der Geschichte, sodass man Flandry auf den Seiten, auf denen er sich zurückhält oder nur dezent oder eher passiv in Erscheinung tritt, nur bedingt vermisst ...

 

Sprachlich bleibt Andersons Geschichte dagegen in keinster Weise blass: Ebenso wie seine Werke über die Zeitpatrouille, die nordischen Helden- und Göttersagen oder künstliche Intelligenzen besticht die Story durch einen versierten Schreibstil. Kurze Sätze und komplexe Satzgefüge wechseln sich ab und geben der Geschichte Farbe, wenngleich manch ein Leser sich vielleicht auch erst daran gewöhnen muss, dass sehr viele Elemente und Einzelheiten der Story und deren Hintergründe über äußerst lebendige Dialoge (denen man ihr Alter an einigen Stellen allerdings doch deutlich anmerkt ...) aufbereitet bzw. aufgearbeitet wird. Das wiederum macht die Geschichte und ihre Figuren sehr plastisch und rückt den Leser selbst an noch so fremdartige Wesen nahe heran – eine Eigenart, die Andersons Werke aus Science Ficiton, aber auch Fantasy stets auszeichnete und schon im ersten Roman des Dominic Flandry-Zyklus nicht zu knapp zum Tragen kam.

 

Mit dem Cover zur Neuauflage und dem damit einhergehenden, fragwürdig- modernen Anstrich der Reihe hat man sich leider keinen Gefallen getan und auch keinen Hingucker oder Augenschmaus geliefert: Sicherlich gehört zu einem Science-Fiction-Roman aus Poul Andersons Feder, der im Original bereits 1966 erschienen ist und zweifellos auch entsprechende Klischees bedient, ein in gewissem Maße und Rahmen klischeehaftes Cover – aber muss es dann diese unsägliche, pseudomoderne und –trendige Computer-Grafik-Optik sein? Diese ist immerhin nicht nur schon eine ganze Zeit nicht mehr großartig gefragt und passt, wenn wir mal ehrlich (oder zynisch – je nachdem) sein wollen, vielleicht noch zu Perry Rhodan oder Sternenfaust, hat bei der Neuauflage zu einem Buch von Altmeister Poul Anderson im Grunde aber nichts verloren (erst Recht nicht, wenn sie sich auf diesem bestenfalls durchschnittlichem Niveau bewegt). Ansonsten weist das Taschenbuch aber die gewohnte Bastei-Qualität auf und ist dank seines angemessen günstigen Preises, aber auch seines handlichen Umfangs (300 Seiten sind heutzutage ja nun wirklich nicht die Welt) leichte Lektüre fürs Handgepäck, den Strand oder den Balkon.

 

Fazit: Der Auftaktband zum Zyklus um den Weltraumhelden Dominic Flandry hat eigentlich nur zwei Probleme: Zum einen ist er von Aufbau und Stil her eben doch schon ein wenig antiquiert (was für den einen aber auch eine gelungene Abwechslung zu John Ringo und Co. sein mag), und zum anderen ist sein Klappentext (vor allem der Passage »Mit seiner Saga um den Agenten Dominic Flandry hat Poul Anderson Maßstäbe für den rasanten, actionreichen SF-Roman gesetzt.«) einfach eine Spur zu vollmundig für diesen größtenteils dann doch eher simpel gestrickten, leicht angestaubten Science-Fiction-Roman.

 

Dennoch machen die Neuauflage und die damit einhergehende »Zeitreise« irgendwo auch Spaß – nicht zuletzt, da Anderson auf läppischen 300 Seiten neben Action auch ziemlich viel »Kultur«, Dialog und natürlich Politik und Weltraumatmosphäre untergebracht hat: Auf der einen Seite exotische Lebensformen und deren schillernde Gesellschaften, auf der anderen Seite dann aber auch recht komplexe, von Intrigengespinsten durchzogene politische Konflikte. Das größte Manko des Romans bleibt paradoxerweise daher dann auch der titelgebende Hauptcharakter, ohne den der Roman weitaus besser dran gewesen wäre. Hier zeigt sich leider nur zu deutlich, dass ein Autor früher manch eine platte Figur oder einen drögen Charakterzug durch freche Sprüche, kecke Gedanken, die Liebelei mit einer schönen, reichen Frau oder eben »echten Heldenmut« kompensieren konnte und durfte, ohne von seinen Fans gleich in der Luft zerrissen zu werden.

 

Dominic Flandry ist zunächst leider keine Alternative zu Asimovs Lucky Starr (der empfehlenswerte Sammelband dieses Helden ist vor einigen Jahren übrigens ebenfalls bei Bastei Luebbe erschienen), der nach wie vor Pflichtlektüre des Genres ist, aber dennoch ein vor allem sprachlich und stilistisch ordentlich geschriebenes Sci-Fi-Buch mit guten Ansätzen, Dialogen und einigen schönen Szenen, das lediglich unter seinem blassen, klischeebeladenen Helden-Jungstar zu leiden hat und deshalb wohl auch nicht für jeden Leser moderner SciFi (insbesondere moderner Military-SciFi) geeignet sein dürfte.

 

Unterm Strich bleibt damit ein kurzweiliger Nostalgie-Trip mit einigen Schwächen und Defiziten, der die Freude darüber, dass einer der großen Namen der Science-Fiction-Literatur früherer Tage eine Neuauflage erhält, jedoch nur bedingt trüben kann. Hier ist noch nichts entschieden, kein endgültiges Urteil gefällt – die nächsten Bände werden aber Klarheit schaffen müssen, ob Flandry nun Fleisch oder Fisch ist ...

 

Eure Meinung:


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Im Dienst der Erde

Reihe: Dominic Flandry

Autor: Poul Anderson

Taschenbuch - 300 Seiten

Bastei Luebbe

Erscheinungsdatum: August 2006

ISBN: 340424351X

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.08.2006, zuletzt aktualisiert: 07.06.2019 15:11