Drachenkuss (Autor: Janet Lee Carey)
 
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Drachenkuss von Janet Lee Carey

Rezension von Linda Dannenberg

 

Rosalind ist die junge Prinzessin von Wilde Island. Laut einer Prophezeiung, die der berühmte Merlin sechshundert Jahre zuvor machte, ist es ihr Schicksal den Namen Pendragon reinzuwaschen, den Krieg mit einem Wink ihrer Hand zu beenden und den Ruhm von Wilde Island wieder herzustellen. Doch Rosalinde verbirgt ein großes Geheimnis: Sie wurde mit einer Drachenklaue geboren. Seit ihrer Geburt versteckt sie diese unter goldenen Handschuhen, niemand weiß von diesem Geheimnis, nur ihre Mutter. Die Königin und ihre Tochter versuchen alles, um den Fluch der Drachenklaue zu brechen, doch es gelingt ihnen nicht.

Dies ist allerdings nicht das einzige Problem, das Rosalind plagt. Wilde Island wird immer häufiger von einem Drachen angegriffen, dem niemand etwas entgegen setzen kann, bis der junge Kye auftaucht und den Drachen tötet. Doch während des Festtags, der zu seinen Ehren abgehalten wird, taucht ein weiterer Drache auf – der Gefährte des toten Drachenweibchens. Dieser holt sich zuerst die Eier aus dem Leib seiner Gefährtin und entführt dann auch noch Rosalind.

Während diese fürchtet, dass der Drache sie fressen will, hat er eigentlich ganz andere Pläne für die Prinzessin.

 

Nach einem kurzen Prolog wird der Leser mitten in die Geschichte geworfen. Diese beginnt tatsächlich sehr actiongeladen, was jedoch sofort auf Kosten der Atmosphäre und Einfühlung geht. Der Schauplatz des Geschehens, Wilde Island, wirkt lieblos und blass, die Protagonistin Rosalind scheint eindimensional. Trotz der Ich-Perspektive, in der dieses Jugendbuch verfasst wurde, bleiben Rosalinds Gefühle und Gedanken zunächst schemenhaft. Sie erfüllt zu viele Klischees einer verwöhnten Prinzessin, als dass sie tatsächlich als Identifikationsfigur dienen könnte, macht aber im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durch, die ihr einige neue Facetten verleiht und sie definitiv sympathischer macht.

Auch die Drachen, derer sich Carey in ihrer Geschichte bedient, geben lediglich ein stereotypes Bild ab: groß, schuppig, Feuer speiend und Menschen fressend.

 

Während der Auftakt des Romans noch temporeich ist, weist der Plot in späteren Kapiteln viele Längen auf und wird allzu oft vorhersehbar, weshalb sich selten ein wirklicher Spannungsbogen aufbaut.

Auch die Sprache überzeugt nicht – aneinander gereihte Hauptsätze dominieren die Erzählung. Dies könnte dem Stil eine durchaus frische und prägnante Note verleihen, wirkt aber eher simpel und einfallslos. Die selten verwendeten Metaphern stehen deshalb in einem krassen Gegensatz zu den klaren Formulierungen und wirken somit häufig aufgesetzt und prätentiös.

 

Sieht man jedoch von all den Kritikpunkten ab und betrachtet den Roman als ein kleines Märchen, so kommt der Leser dennoch auf seine Kosten. Es findet sich eine zarte Erzählung über das Erwachsen werden, die Liebe und Verantwortung. Janet Lee Carey versäumt es zudem nicht, in „Drachenkuss“ eine Prise Moral und Ethik neben der Unterhaltung unterzubringen. In der Schilderung der Mutter-Tochter-Beziehung beweist die Autorin außerdem ein feines Gespür für das menschliche Verhalten.

 

Fazit: Es gibt Kinder- und Jugendbücher, an denen haben auch Erwachsene ihre Freude haben, weil sie anspruchsvolle und intelligente Unterhaltung bieten. Dieses Werk gehört leider nicht dazu, dennoch wird es der jüngeren Zielgruppe, die weniger Wert auf Tiefgang und eine dichte Atmosphäre legt, sicher ein adäquates Lesevergnügen bieten.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240518055300637c5991
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Drachenkuss

Autor: Janet Lee Carey

Gebundene Ausgabe: 372 Seiten

Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos); Auflage: 1 (April 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3440114554

ISBN-13: 978-3440114551

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 14.05.2008, zuletzt aktualisiert: 11.03.2023 10:21, 6505