Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Drachenmeer von Nancy Farmer

Rezension von Christel Scheja

 

Manchmal muss man nicht einmal so weit reisen oder gar neue Länder erfinden, um eine spannende Fantasy-Geschichte zu erzählen. Oft reicht es schon aus, in die Mythen und Märchen der Völker zu blicken und zusammen mit historischen Ereignissen aus Sagen und Legenden neuen Abenteuer zu spinnen. Das dachte sich auch Nancy Farmer und wählte sich das achte nachchristliche Jahrhundert sowie die Küsten Englands und Skandinaviens als Schauplatz ihrer Geschichte.

 

Jack wächst in einem kleinen angelsächsischen Dorf auf und steht auf der Schwelle zum Erwachsen werden. Vor allem mit dem Barden des Dorfes verbindet ihn eine innige Freundschaft, auch wenn der kein Christ ist. Denn in seiner Familie hat er nur wenig Rückhalt, da Mutter und Vater seine kleine Schwester Lucy vergöttern.

So ist er mehr als zufrieden, schließlich als Lehrling zu seinem Freund zu ziehen und von ihm die Dicht- und Sangeskunst zu erlernen. Schon bald erfährt er auch von den magischen Kräften der Barden und übt sich darin, die Ströme der Erde anzuzapfen und deren arkane Kraft für sich zu verwenden.

Das alles hat ein Ende, als Seefahrer unvermittelt das Dorf überfallen. Jack und Lucy werden von den grimmigen Räubern in ihre nordische Heimat verschleppt. Am Hofe des tapferen Olaf Einbraue sollen sie als Hörige dienen, nachdem Jack seine Kunst als Sänger bewiesen hat.

Weil ihm nichts andere übrig bleibt, arrangiert er sich mit den Nordmännern und merkt bald, das sie auch gute Seiten haben. Vor allem Heide die Hauptfrau des Kriegers unterstützt ihn, während er mit Thorgil, der wilden Schildmaid immer wieder aneinander gerät.

Langsam aber sicher akzeptiert man ihn als Teil der Hausgemeinschaft. Doch dann wird alles anders, als Jack während eines Festes zu Ehren von König Ivar dem Knochenlosen dessen Gemahlin Frith verärgert, indem er ihr das Haar buchstäblich vom Kopf singt.

Zornbebend stellt ihm die Königin ein Ultimatium: Wenn es Jack nicht innerhalb weniger Monate gelingt, einen Gegenzauber zu finden, wird sie seine Schwester Lucy der Göttin Freyja opfern.

Und so macht sich der Junge gemeinsam mit einigen Gefährten auf die lange und gefahrvolle Reise um den Brunnen Mirmir zu finden. Nur dort kann er von dem Sangesmet kosten, der ihn den rechten Zauber lehren wird. Dabei bekommen sie es mit Drachen und Seeschlangen, Riesenebern und der Trollkönigin Glamdis zu tun. Und immer ist es an Jack, weise Entscheidungen zu treffen, um seinem Ziel näher zu kommen.

 

„Drachenmeer“ setzt nicht unbedingt auf historische Genauigkeit, denn die Autorin nimmt sich einiges Freiheiten heraus, um historische Begebenheiten und Figuren in ihre Geschichte einzuflechten, die nicht unbedingt zusammen passen und erlaubt sich in der Darstellung des alltäglichen Lebens anachronistische Details.

Im Vordergrund stehen bei ihr vor allem das pure Abenteuer und vor allem die phantastischen Wesen, denen sich Jack zu stellen hat, um mit ihrer Hilfe den Brunnen zu finden und vom Met zu kosten. Dabei muss er wie jeder andere junge Held vor alle kluge Entscheidungen treffen und vor allem auf sein Herz vertrauen, weniger auf kämpferischen Fähigkeiten. Mit List und Verstand sind viele Probleme meistens besser zu lösen - so gelingt ihm auch am Ende der Sieb über die böse Königin.

Es gelingt Nancy Farmer dabei die nordischen Sagen spielerisch und phantasievoll zu Leben zu erwecken, Drachen und Rieseneber, Trolle und Nornen werden zu Verbündeten im Kampf gegen das Böse und wie eine geheimnisvolle Krähe zu Wegbegleitern durch magische Welten, in denen man sehr achtsam sein muss.

Jack macht dabei weniger eine Veränderung durch - er ist ziemlich von Anfang an so wie auch am Ende des Buches, nur dass er einige Dinge dazu gelernt hat. Diejenige, die durch die Geschehnisse geläutert und verändert wird ist Thorkil das Wikingermädchen. Allerdings ollte man keine Liebesgeschichte erwarten, dazu sind Helden wie auch die angestrebte Zielgruppe zwischen elf und vierzehn Jahren noch ein wenig zu jung.

Die Abenteuer sind zwar kindgerecht aufbereitet, aber trotzdem längst nicht so harmlos wie man erwartet. Jack und Thorkil bekommen es mit lebensbedrohenden Gefahren und schließlich auch mit dem Tod zu tun. Aber das macht auch die nordischen Sagen aus, vor allem wenn sich die Autorin abseits der klassischen Epen bewegt und auch einmal Geschichten und Details in ihre Geschichte einfügt, die man sonst eher seltener zu lesen bekommt.

 

„Drachenmeer“ ist ein spannender und phantasievoller Jugendroman, der die Welt der nordischen Mythen auf lebendige und unterhaltsame Weise wieder zum Leben erweckt und dazu ein Abenteuer erzählt, dass auch für ältere Leser reich an kleinen Überraschungen ist.

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

botMessage_toctoc_comments_9210
Platzhalter

Buch:

Drachenmeer

Autorin: Nancy Farmer

Broschiert, 479 Seiten

Loewe, Januar 2008

Übersetzerin: Simone Wiemken

Titelbild: Björn Wirtz

 

ISBN-10: 3785563582

ISBN-13: 978-3785563588

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 11.02.2008, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49