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Drag me to Hell

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Eigentlich führt die junge Bankangestellte Christine Brown ein gutes Leben. Sie hat einen netten, zuvorkommenden Freund, ein hübsches Häuschen am Stadtrand, einen festen Job … Okay, der letztgenannte Punkt ist so nicht richtig. Denn ausgerechnet der „Neue“, Shaun, versucht alles denkbar mögliche, Christines Aussicht auf den Posten des stellvertretenden Bankmanagers streitig zu machen. Dabei kriecht er nicht nur mit Elan in eine ganz bestimmte Körperöffnung von Chef Jacks, sondern legt zudem eine Kaltschnäuzigkeit gegenüber der Kundschaft zutage, die Christine einfach nicht besitzt – und ebendies von Mr. Jacks serviert bekommt. Was bleibt ihr also anderes übrig, als über ihren Schatten zu springen und ihren Boss vom Gegenteil zu überzeugen?

Da kommt ihr die nette alte Dame wie gelegen. Und Sylvia Ganush ist verzweifelt. Bekommt sie keine Fristverlängerung für ihren Kredit, hockt sie auf der Straße. Das perfekte Opfer also für Christine, welche die Chance beim Schopfe ergreift, Miss Ganush eiskalt abserviert – und dafür lobende Anerkennung von ihrem Vorgesetzten erhält. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Ms. Ganushs tränenersticktes Flehen und Betteln widerstandslos abgeschmettert wurden.

Doch die Sache hat ein Nachspiel. Auf ihrem Weg zum Auto wird Christine im Parkhaus überfallen. Der Angreifer ist niemand geringeres als die abgewiesene Ms. Ganush, die sich mit Christine ein reichlich hartes Handgemenge liefert – und die junge Angestellte schließlich mit einem Fluch belegt. Denn wie sich herausstellt, ist Sylvia Ganush eine Zigeunerin und ihr Fluch ein Versprechen an Christine, schon bald selbst bettelnd anzukriechen.

Natürlich nimmt Christine die Worte der alten Dame nicht ernst. Flüche? Im 21. Jahrhundert? Also bitte! Bis sich die ersten unerklärlichen Ereignisse in Christines Leben drängen und sie sogar dazu bringen, einen Hellseher aufzusuchen. Und was dieser ihr zu sagen hat, klingt wirklich nicht gut. Denn offenbar hat ein mächtiger Dämon namens Lamia die Jagd auf Christines Seele eröffnet und beabsichtigt, diese binnen drei Tagen mit sich in die Hölle zu nehmen. Und die Chancen, den Fluch zu brechen? Nahezu unmöglich …

 

Zwei Jahre nach seinem letzten Blockbuster, Spider-Man 3 (2007), kehrt Sam Raimi dorthin zurück, wo sein Aufstieg vor mehr als einem Vierteljahrhundert begann – ins Horror-Genre. Tanz der Teufel war 1982 jenes bemerkenswerte Debüt, welches bis heute Kult-Status genießt und obendrein – völlig zu Recht – längst zu einem modernen Klassiker avanciert ist. Wer sich nun auf Drag me to Hell einlässt, sollte sich also nicht wundern, wenn die eine oder andere Selbstreferenz deutlich auszumachen ist. Reißschwenke? Sind da. Kinetische Kamerabewegungen? Aber natürlich. Die patentierte „Evil Force–Cam“? Selbstverständlich. Wie auch das gelbe Oldsmobile und Raimis Faible fürs Absurd-Komische (der Mann ist ja nicht umsonst ein großer Fan der drei Stooges!).

All dies mag einfallslos, vorhersehbar; ja selbst langweilig klingen – ist es aber bei weitem nicht. Raimi weiß einfach, wie man einen guten, altmodischen – aber keinesfalls antiquiert erscheinenden – Horrorstreifen inszeniert; er weiß um die Wirkung von Klängen und Einstellungen, die Irreführung des Zuschauers und so vieles mehr. Wie kaum ein zweiter beherrscht er den Schwenk zwischen Komik und blankem Schrecken; eine Gratwanderung, die er auch gekonnt in „Drag me to Hell“ einsetzt und jedes mögliche Klischee schon vorzeitig elegant umschifft. Ferner setzt Raimi diesmal zwar weniger auf heftigen Splatter wie in seinem Frühwerk, doch verfehlen die Ekeleinlagen (unter anderem mit Maden und diversen Körperflüssigkeiten) definitiv nicht das Ziel. Wer hätte gedacht, dass ein zahnloser Mund so dermaßen widerlich sein kann?

 

Auch die Besetzung erfüllt vollends ihre Pflicht. Wobei das größte Hauptaugenmerk natürlich bei Alison Lohman als Christine liegt – und die eine wirklich gute Leistung abliefert. Allerdings ist es ihr Gegenpart, der Lohman ein ums andere Mal die Show stiehlt. Lorna Raver alias Sylvia Ganush ist es, die der Horrormär aus dem Hause Raimi einen weiteren, gewaltigen Kick verpasst. Sie ist nämlich keine zerbrechliche, wehrlose alte Lady und wenn sie zu den Waffen zu greifen hat, dann muss selbst die bedeutend jüngere Konkurrenz vor dem Bösewicht des Streifens in Deckung gehen. Wobei „Bösewicht“ im Grunde nicht passend ist. Sylvia Ganush ist das Opfer einer kalten, auf Erfolg und Ellbogenmentalität getrimmten Welt geworden und setzt sich demzufolge eigentlich nur Wehr – was ja auch ihr gutes Recht ist.

Wieder mal konnte es Raimi nicht lassen und lässt seine Abneigungen vor den Banken und Großkonzernen dieser Welt aus. Schon Peter Parkers Tante May hat gleiches in Spider-Man 2 (2004) erleben dürfen, als ihre Bleibe prompt zwangsversteigert wurde. Eine Liste, die sich übrigens noch beliebig weiterführen könne. Ein B–Movie als Parallele auf die Wirtschaftskrise? Warum nicht? Bloß ist „Drag me to Hell“ alles andere als das. Vielmehr eine Lockerungsübung vor dem nächsten großen Blockbuster (wahlweise Spider-Man 4 oder Warcraft) und der beste Beweis, das der Motor noch immer bestens funktioniert – nach ansatzweiser Verschleißerscheinung in „Spider-Man 3.“

 

Fazit:

Sicherlich einer der besten Horrorfilme des Filmjahres 2009. So gut, dass einem Großteil der Konkurrenz ob ihrer eigenen Elaborate eigentlich sofort die Schamesröte ins Gesicht steigen sollte.

Eure Meinung:

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DVD:

Drag me to Hell

USA 2009

Regisseur: Sam Raimi

Komponist: Christopher Young

Format: Dolby, PAL, Surround Sound, Widescreen

Sprache: Spanisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 2 (eine davon Promodisk für TV-Serien)

FSK: 16

Universal, 22. Oktober 2009

Spieldauer: 95 Minuten

 

ASIN: B002I1XGH8

 

Erhältlich bei Amazon

DarstellerInnen:

  • Alison Lohman
  • Justin Long
  • Lorna Raver
  • Dileep Rao
  • David Paymer

Eintrag in der PhilmDB:

Drag me to Hell


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Erstellt: 08.12.2009, zuletzt aktualisiert: 09.04.2020 10:51