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Drúdir – Masken und Spiegel von Swantje Niemann

Reihe: Drúdir Band 2

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Nach einem teuer erkauften Triumph versucht Drúdir vergeblich, wieder in seinem alten Leben heimisch zu werden. Als sich auch noch herausstellt, dass er bei seinen zwergischen Landsleuten im Norden nicht länger sicher ist, reist er ins Herz des Kontinents, um dort Jathrades Elytti zu finden – den Mann, von dem er Kontrolle über seine nekromantischen Fähigkeiten zu lernen hofft. Doch in Ch’Ashvaenta, der Stadt, in der die Menschen ihre Gesichter hinter prachtvollen Masken und ihre Vergangenheit hinter Lügen und Auslassungen verbergen, ist nichts wie erwartet.

Als Drúdir ankommt, ist Jathrades Elytti tot – womöglich ermordet. Auf der Suche nach dem Mörder lässt sich Jathrades’ Tochter, die junge Maskenmacherin Nodia, mit gefährlichen Verbündeten ein. Ehe die beiden es sich versehen, haben Nodia und Drúdir sich in ein Netz aus Lügen, Rache und Verdächtigungen verstrickt, aus dem sie sich nur befreien können, wenn sie herausfinden, welches Geheimnis Jathrades fünfzehn Jahre lang so sorgsam gehütet hat.

 

Rezension:

Nach den Ereignissen um die Schwarzspiegelverschwörung knabbert Drúdir schwer am Verlust Moryns. Als ihm zudem klar wird, dass seine beste Freundin Findra Probleme mit den schaurigen Auswirkungen seiner nekromantischen Fähigkeiten hat, fällt es ihm nicht mehr schwer, die Zwergen-Union zu verlassen. Im Menschen-Reich Rhuvien erhofft er sich Hilfe vom Maskenmacher Jathrades Elytti, der über uralte Lehrbücher der Magie verfügt.

Doch kaum angekommen, erfährt er vom Tod des Maskenmachers. Zwar gewährt ihm die Tochter des Toten, Nodia, Einblick in die Bücher, doch noch ein weiterer Interessent meldet sich bei der jungen Frau. Als sich zudem Gerüchte verdichten, dass sowohl der König, als auch ihr Vater durch Nekromantie starben, wird Nodia misstrauisch. Auf der Suche nach Antworten muss sie sich mit den Ereignissen vor fünfzehn Jahren beschäftigen, als in der Revolution der Masken der absolutistische Herrscher gestürzt und aus Rhuvien eine parlamentarische Monarchie wurde. Denn ihr Vater spielte damals eine entscheidende, geheimnisumwobene Rolle …

 

Im zweiten Teil ihrer Drúdir-Trilogie, Masken und Spiegel, setzt Swantje Niemann die Fokussierung auf die Politik ihrer Fantasywelt fort. Zentrales Thema sind die Folgen eines revolutionären Staatsstreiches auf die Hauptakteure des Umsturzes. Drúdir und Nodia schlittern dabei in eine Welt aus Lügen, die zu zerfallen beginnt, als die Rädelsführenden nacheinander ermordet werden und sich Frage über die historische Wahrheit hinter den Ereignissen ergeben.

Gleichzeitig erwächst aus der Bedrohung durch einen mordenden Nekromanten eine besondere Verantwortung für Drúdir, da er selbst bereits seine Fähigkeiten einsetzte, um Schmerz und Tod zu bringen. Während er begierig darauf ist, seine Fähigkeiten besser zu beherrschen, muss er sich den Folgen seiner Taten stellen, mitsamt den Alpträumen, die das Absorbieren der Bewusstseinsscherben toter Menschen und Tiere mit sich bringt.

 

Aber auch Nodia kämpft um ihre Zukunft. Als selbstbewusste junge Frau, will sie die Maskenwerkstatt unbedingt fortführen und muss sich dabei gegen die patriarchalischen Ansichten der Stadtbevölkerung behaupten, die einer Frau das nicht zutrauen. Dabei lehnt die Autorin ihre Stadt Ch’Ashvaenta dem Renaissance-Venedig an und baut aufklärerische Elemente in die Gesellschaftsstruktur ein. Trotzdem bleibt sie ganz dicht an der Gefühlswelt dieser jungen Frau, die zunächst von den Ereignissen überrollt zu werden scheint, sich jedoch immer stärker daraus erhebt, ganz unabhängig von den Einflüssen männlicher Charaktere. Mit jedem Schritt, den sie tiefer in die Vergangenheit ihres Vaters eindringt, geraten zudem Gewissheiten ins Wanken, die ihr Verhältnis zu ihrem Vater, aber auch zu seinen damaligen Freunden bestimmten. Eine Emanzipation, die über mehrere Ebenen erfolgt. Mit dem Beruf des Maskenmachens prägt die Autorin auch die kulturelle Seite Ch’Ashvaentas. Nicht nur die besondere Kunstfertigkeit bei der Erstellung und Dekoration der Masken spielen eine wichtige Rolle, die Masken dienen sowohl als Status-Kennzeichen, als auch zum Schutz der Privatsphäre. Immer wieder stellt ihre Nutzung auch ein gesellschaftliches Zeichen dar und bringt besonders in der Figur der Spiegelmaske die feine Durchdringung von Persönlichkeit und Maskierung zum Ausdruck.

 

Denn neben den beiden Hauptfiguren, die sich durch Intrigen und Mordanschlägen kämpfen müssen, erschafft Swantje Niemann ein großes und buntes Tableau an Nebencharakteren. Mit viel Empathie zeigt sie dabei selbst die GegenspielerInnen als Menschen mit Stärken und Schwächen, Gutem wie Bösen. Diese Mehrdimensionalität ist beeindruckend. Selbst in Momenten, die eigentlich durch den Triumph einer Seite dominiert werden sollte, vermittelt die Autorin Verständnis für die Gegenseite, sodass man am Ende des Romans erkennt, dass alle Handlungen und Fehlentscheidungen der Figuren keine Solitäre darstellen, sondern enge miteinander verknüpft sind und zu Konsequenzen führen.

 

Eine lebendige, duftende Fantasywelt, die an ganz vielen Stellen das Gewohnte verlässt. In dieser Konzentration vielschichtiger Figuren ist »Masken und Spiegel« sogar noch besser als der erste Drúdir-Band.

 

Die Gestaltung des Bandes und das fesselnde Cover von Jörg Schlonies ergänzen den positiven Gesamteindruck, man sollte aber den Namen der Autorin etwas größer setzen. Sie hat es definitiv mehr als verdient.

 

Fazit:

»Drúdir – Masken und Spiegel« von Swantje Niemann ist ein ungewöhnlich vielschichtiger Fantasy-Roman mit komplexen Figuren und einer durchgängig spannenden Handlung, die mit erzählerischer Kraft und großem Verständnis für politische Hintergründe kredenzt wird.

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Eure Meinung:

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Buch:

Drúdir – Masken und Spiegel

Reihe: Drúdir-Trilogie Band 2

Autorin: Swantje Niemann

Taschenbuch, 361 Seiten

Edition Roter Drache, 21. Februar 2019

Cover: Jörg Schlonies

 

ISBN-10: 3946425615

ISBN-13: 978-3946425618

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.08.2019, zuletzt aktualisiert: 11.09.2019 20:28