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Dunkle Engel von S.P. Somtow

Rezension von Holger Hennig

 

Voodoo, Bürgerkrieg Norden gegen Süden der Vereinigten Staaten und bekannte Gesichter wie Walt Whitman und Abe Lincoln und das alles in einem Buch verpackt, das ist S. P. Somtows „Dunkle Engel“. Eine etwas verwirrende, aber auch sinnliche Melange mit vielen Körpersäften und schwarzer Magie.

 

Lincoln ist gerade gestorben, ja, Abraham Lincoln, der Befreier der Sklaven Amerikas. Und die Witwe Paula Grainger trifft beim aufgebahrten Ex-Präsidenten einen Mann, den sie für kurze verwirrte Zeit sogar für Gott hält, Walt Whitman, immerhin Amerikas Lieblingsdichter. Seine Poesie findet die Ich-Erzählerin Grainger allerdings nicht der Rede Wert. Aber irgendwie findet man sich sympathisch, Mrs. Grainger bekommt sogar Anwandlungen, sich in seine Arme zu werfen, immerhin lädt sie ihn zum Tee ein.

Dorthin kommt er mit dem jungen Veteranen Zachary Brown, der ihr von ihrem eigenen Mann erzählt, und von ihrer eigenen schwarzen Dienerin Phoebe, hinter der viel mehr stecken mag, als Paula Grainger sich auch nur zu alpträumen wagt.

Brown erzählt von seiner Zeit im Bürgerkrieg, und er erzählt die Geschichten, die Mr. Grainger einst erzählt hat, und die verschiedene Leute erzählt haben, die Zachary so getroffen hat. Teilweise erzählt er Geschichten, die er über drei Personen erzählt bekommen hat, und das macht die Geschichte nicht immer einfach nachvollziehbar. Dabei kommt heraus, wer Phoebe wirklich ist, was Mr. Grainger mit den toten Neugeborenen gemacht hat, die leider alle starben und was man machen muss, um Leute wieder ins Leben zu holen. Dabei gibt es Abstecher ins kalt-düstere Britannien und ins chaotische und blutig-düstere Haiti.

 

Das ist wahrlich kein ganz einfaches Stück Horrorliteratur. Zombies im ursprünglichen Sinne, blutige Bilder von den Schlachtfeldern des mörderischen Bürgerkriegs, Gestaltwandler und wilde Rituale, da sind schon einige Horrorelemente drin. Dazu kommen einige erotische Szenen, ein paar sind auch ein wenig nekrophil, das geht bei lebenden Leichen schon mal ineinander über. Die Geschichte selbst ist allerdings nicht sehr zielstrebig, zwar findet der Leser immer mehr heraus, es gibt so manchen Clou, aber das ganze endet dann etwas vage – mal wieder ein „Wofür-das-Ganze“-Schluss.

Dunkle Engel kann immer wieder faszinieren, ist in einem aufwändigen Stil mit vielen Dialekten und französischen Fetzen garniert, und dennoch gut lesbar. Während die anderen Charaktere durchaus Farbe bekommen, bleibt die Ich-Erzählerin fühlbar blass, Paula hört viel zu, macht aber fast nichts. Überhaupt ist der Roman in so vielen Rückblicken geschrieben, dass in der Gegenwart fast keinerlei Handlung passiert, was immer auf Kosten von Paula gehen muss, schließlich hat sie mit der direkten Geschichte eigentlich nichts zu tun.

 

Ein spannendes Buch mit einem unbefriedigendem Schluss, aber auf jeden Fall lesenswert für Freunde des Horrors, des Voodoos und von ein bisschen teilweise deftiger Erotik.

 

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Titel: Dunkle Engel

Autor: S.P. Somtow

Broschiert - 416 Seiten - Festa

Erscheinungsdatum: September 2005

ISBN: 3935822960

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 13.08.2005, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57