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Ein eiskaltes Grab von Charlaine Harris

Rezension von Christel Scheja

 

In erster Linie kennt man die amerikanische Autorin wohl durch ihre Romane um die gedankenlesende Kellerin Sookie Stackhouse zu deren Freunden Vampire zählen und die die Grundlage für die Fernsehserie „True Blood sind. Dagegen scheinen die Bücher um Harper Conelly, die von einem Blitz getroffen wurde und seither die Toten wahrnehmen kann, hierzulande ein Schattendasein zu führen. Nun ist nach „Grabesstille“ und „Falsches Grab“ der dritte Band „Ein eiskaltes Grab“ erschienen.

 

Diesmal reist Harper zusammen mit ihrem Stiefbruder Tolliver auf Bitten von Sheriff Rockwell nach Doraville in North Carolina, die heraus finden möchte, warum in den letzten Jahren immer wieder Teenager verschwunden sind, die eigentlich keinen Grund hatten, wegzulaufen. Zuletzt war das ein gewisser Jeff McGraw, dessen Großmutter Twyla bisher mit der Polizei zusammen gearbeitet hat. Sie ist Hellseherin, kam aber mit ihren Fähigkeiten nicht weiten.

Rockwell, eine ansonsten sehr bodenständige Frau hofft, das Harper mehr findet. Und tatsächlich, ihr Wunsch geht mehr in Erfüllung als sie sich erhofft hat. Denn statt einer oder zwei Leichen findet die Totenseherin gleich ein Dutzend.

Während die State Police den Fall übernimmt und die Toten, die zum Teil nur noch Knochen sind, birgt, um sie zu identifizieren, muss Harper erst einmal den Schock verdauen, denn immerhin wurden die Jugendlichen das Opfer eines grausamen und gewalttätigen Mörders, vermutlich eines psychopatischen Serienkillers. Dieser scheint offensichtlich aus der Gegend zu stammen, denn die Stelle, an der die Leichen verscharrt wurden, dürfte kein Fremder so leicht finden.

Harper möchte eigentlich den Ort des Schreckens so schnell wie möglich verlassen, aber mehrere Dinge halten sie zurück – einmal die Behörden und dann bricht sie sich auch noch den Arm an, als sie durch die Welle des Grauens, die über sie hinweg fährt, unglücklich stürzt. Von mehr Schmerzen als sonst geplagt muss sie nun das ganze Dilemma auch noch weiter aushalten und sich immer wieder der Gewalt stellen, so wenig ihr das auch gefällt. Denn sie weiß, dass sie in höchster Gefahr ist, weil der, der bereits die Jungen auf dem Gewissen hat, vermutlich irgendwann auch sie mundtot machen will.

 

„Ein eiskaltes Grab“ ist in gewisser Hinsicht anders als die beiden ersten Romane der Reihe, denn Harper Conelly entdeckt nicht nur die Hinterlassenschaften eines Mordes, sondern muss sich auch noch der Tatsache stellen, dass der oder die Psychopathen in der Nähe sind und vermutlich auch sie töten werden, wenn sie zu viel entdeckt.

Dementsprechend angespannt ist sie in diesem Band und entwickelt beklemmende Ängste, die sie bisher noch nicht hatte. Da hilft es auch nichts, dass sie in einigen Bewohnern der Stadt nette Bekannte findet und die Beziehung zu ihrem Stiefbruder Tolliver enger wird.

Der Roman nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch wenn die Autorin die Gräueltaten nicht explizit beschreibt, so kann man sich durch die kurzen Andeutungen doch ein Bild von ihnen machen. So entsteht eine bedrohliche Atmosphäre, die intensiver als in manchen Thriller ist, in denen es ansonsten wesentlich actionreicher und dramatischer zugeht.

Denn Charlaine Harris rührt auch Themen an, die man gerade in den Staaten lieber unter den Tisch kehrt, sexuelle Gewalt und Folter gegen Kinder. Sie dramatisiert die Geschehnisse nicht ins Unglaubwürdige, sondern beschreibt sie eher nüchtern, so dass das ganze Grauen nur noch schlimmer wird. Ein Junge, der aus Freude und Vergnügen Tiere tötet, scheint nur die Spitze des Eisberges zu sein – und ihm kommt schon bald eine besondere Rolle zu, denn auch diesmal wieder führt die Autorin die Leser erst einmal gründlich auf eine falsche Fährte. Zudem macht sie nicht unnötige Worte um nichts, die dreihundert Seiten sind genau die Länge, die der Roman haben sollte..

 

So erweist sich „Ein eiskaltes Grab“ durch seine Intensität und Tiefe, die Themen, die es anreißt und die Schicksale der Menschen, die diesmal in alles verwickelt sind, als der spannendeste und lesenswerteste Band der Harper Conelly-Reihe.

 

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Falsches Grab

Ein eiskaltes Grab

Autorin: Charlaine Harris

Original: An Icecold Grave, USA 2007

Broschiert, 301 Seiten

dtv, erschienen Februar 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Christiane Burkhardt

Titelbild von Darren Winter

ISBN-10: 3423211962

ISBN-13: 978-3423211963

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 07.04.2010, zuletzt aktualisiert: 12.01.2019 12:03