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Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens

illustriert von P. J. Lynch

Rezension von Christian Endres

 

Was muss man zu Charles Dickens’ »Eine Weihnachtgeschichte« heute noch großartig sagen? Dank unzähliger Buchausgaben in allen möglichen Varianten und Variationen sowie Adaptionen in allen möglichen Medien und Genres, ist Dickens’ Geschichte um die Läuterung des freudlosen Geizkragen Ebenezer Scrooge durch drei bzw. vier Geister eigentlich jedem allgegenwärtig - oder zumindest weitgehend ein Begriff.

 

Was an dieser Geschichte auch nach mehrmaliger Lektüre nach wie vor begeistert, das ist die Art und Weise, wie Dickens in seinem Klassiker aus einem durch und durch weltlichen und bodenständigen Setting mitten im Viktorianischen Zeitalter eine ambivalente Stimmung zwischen Realität und Surrealität schafft, indem er Scrooge binnen kürzester Zeit vier Geister auf den Hals hetzt, Zeitreisen unternimmt, Emotionen und Impressionen stark in den Vordergrund stellt und überhaupt sehr viel Wert auf Menschlichkeit beim vielleicht etwas zu schnell bekehrten Unmenschen Scrooge legt.

 

Freilich entbehrt die adäquate Neuübersetzung von Curt Noch nicht einer gewissen sprachlichen Sperrigkeit - aber wir reden hier immerhin von Charles Dickens! Und ob man nun dessen legendäre Abschweifungen über Türnägel gleich zu Beginn der Weihnachtsgeschichte nun mag oder nicht, so kann man Dickens doch nicht lesen, ohne die sprachlich brillante Opulenz hinter dem teilweise offen sozialkritischen Altmeister des frühen 19. Jahrhunderts zu sehen. So presst Dickens die Jugend des noch recht herzlosen Scrooge zu Beginn von dessen Neufindung minimalistisch in wenige Seiten - und nimmt sich an anderer Stelle fast genauso viel Raum, um sich einem bescheidenen, aber auf gewisse Art und Weise doch auch ungemein reichhaltigen Festessen zu widmen, das er in seiner literarischen Üppigkeit und Opulenz im Dienste der Sache fast schon über Gebühr zelebriert. Doch so ist Dickens eben, und man muss ihn ohne Frage irgendwo auch mögen. Dennoch ist und bleibt die Weihnachtsgeschichte eine stilistische Erfahrung - und eine wunderbare, gerade zum Ende hin äußerst anrührende Weihnachtsgeschichte, die heutzutage allerdings auch stets nach ihrer Aufmachung und Aufbereitung beurteilt werden muss.

 

Und gerade da punktet die vorliegende Ausgabe aus dem Hause Dressler doch ungemein - was vor allem am ausladenden Hardcover-Format sowie natürlich den ansprechenden Illustrationen des irischen Künstlers P. J. Lynch liegt, der schon Andersens Schneekönigin oder dem Tapferen Zinnsoldaten zu neuem Glanz verholfen hat. Wenngleich seine Bilder auch an eher moderne Adaptionen angelehnt sind, so entfalten sie gerade durch ihre Einbindung in das Layout des Textes doch einen ganz eigenen Charme und eine ganz eigene Faszination. Unnachahmlich das Staunen, mit dem man neben der Lektüre von Dickens’ Schachtelsätzen immer wieder nach den nächsten, oftmals gar ganz- oder doppelseitigen Illustrationen giert und sich von der Magie der dort festgehaltenen Augenblicke verzaubern lässt. Lynchs atmosphärische Bilder sprühen vor Leben und fangen wunderbar den Zeitgeist des viktorianisch-weihnachtlichen Londons, aber eben auch Leben und Läuterung des Ebenezer Scrooge ein.

 

Wenn es neben der biblischen Weihnachtsgeschichte eine Erzählung gibt, die zu Weihnachten einfach dazu gehört, dann ist das wohl Charles Dickens »A Christmas Carol In Prose« aus dem Jahre 1834. Entsprechend oft ist ein jeder dieser inzwischen wirklich schon klassischen Weihnachtslektüre begegnet. Dennoch gibt es immer wieder einmal eine Buch-Neuauflage kurz vor Weihnachten - und selten war eine davon so schön aufgemacht wie die vorliegende Dressler-Ausgabe mit den wundervollen Illustrationen von P. J. Lynch.

 

Ein wirklich ganz besonderer Leckerbissen zum Schmökern, Wiederentdecken und/oder Verschenken.

 

 

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Buch:

Eine Wehnachtsgeschichte

Autor: Charles Dickens

illustriert von P. J. Lynch

Hardcover, 160 Seiten

Dressler, Oktober 2007

ISBN: 3791528041

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 21.11.2007, zuletzt aktualisiert: 30.06.2017 15:01