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Engel des Todes von Michael Marshall

Rezension von Christel Scheja

 

Nur auf den ersten Blick erscheint „Engel des Todes“ von Michael Marshall wie ein eigenständiger Roman. Tatsächlich spinnt das Buch aber die Geschichte weiter, die in „Der zweite Schöpfer“ begann, dem ersten Band der „Straw Men“-Trilogie.

 

Dort erfuhr der CIA-Agent Ward Hopkins, dass er eigentlich ein Adoptiv-Kind ist, und seine Eltern den „Straw Men“ angehören, einer Gruppe von elitär denkenden Männern und Frauen, die über den Rest der Bevölkerung in den USA dominieren wollen, weil sie sich selbst als Nachfahren der einzig wahren Einwanderer Amerikas sehen.

Zu allem Überfluss hat sich auch noch herausgestellt, dass sein Zwilllingsbruder Paul ein psychopatischer Mörder ist. Das beweist eine Blockhütte voller mumifizierter Toter, die ganz offensichtlich mit den Straw Men zu tun hatten. Doch die Spur ist längst kalt und nach so langer Zeit vermutlich nicht mehr leicht auf zu nehmen.

Dann kommt ihm zu Ohren, dass die FBI-Ermittlerin Nina Bayman, die er erst vor kurzem kennen gelernt hat, an einem neuen Fall arbeitet. In einem Motel bei Los Angeles wird die Leiche einer Frau gefunden. In ihrem Mund befindet sich eine Festplatte, die nur zwei Dateien enthält: ein Musikstück und ein kurzer Text, die kryptische Andeutungen zu sein scheinen.

Ward Hopkins erkennt die Handschrift seines Bruders wieder - und die Botschaft, die ganz offensichtlich an ihn gerichtet ist: Der wahnsinnige Serienkiller fordert ihn zu einem Duell heraus, aus dem nur einer lebend hervor gehen wird. Der Agent, der inzwischen erschüttert über die Wahrheit seiner Herkunft und die sich daraus ergebenden Bedrohungen seinen Dienst quittiert hat, scheint keine andere Wahl zu haben, als die Herausforderung anzunehmen, wenn er nicht will, das weiter Unschuldige sterben.

Aber wo soll er anfangen? Was will sein Bruder mit dieser Tat, der weitere Morde folgen eigentlich erreichen? Da kommt ihm der Zufall zur Hilfe und führt ihn an den Ort zurück, den er erst vor ein paar Wochen fluchtartig verlassen hat.

Und dort trifft er auch wieder auf den Police Detektive John Zandt, der die ganze Zeit abgetaucht war, um die Mörder seiner Tochter wieder zu finden.

 

„Engel des Todes ist kein wirklich in sich geschlossener Roman. Man merkt, dass bereits vorher etwas geschehen ist, denn viele Beziehungen zwischen den Figuren werden nicht mehr erklärt, der Autor verzichtet auch darauf, sie genauer vorzustellen. Deshalb weiß man zunächst auch nicht viel mit den Figuren anzufangen.

Das bessert sich zur Mitte des Buches zwar, wird aber auch durch eine krude Nebenhandlung gestört, in die ein wenig zu viel Mystery einfließt. Dass Bigfoot und Yeti eine Rolle in den Mordfällen spielen könnten, nimmt man dem Autoren nie wirklich ab.

Auch verwirren die drei zunächst unabhängig voneinander laufenden Handlungsebenen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben scheinen. Wie sehr der Eindruck täuscht merkt man erst später, aber da ist es auch schon zu spät, denn unter Umständen hat man sich zu sehr die Frage gestellt, ob das, was man liest überhaupt einen Sinn macht oder nicht, und das Buch eventuell bereits beiseite gelegt. Die einzelnen Ereignisse, Morde wie Angriffe sind nicht wirklich spannend, da ihnen der Hintergrund fehlt. Erst zum Ende hin lösen sich diese Probleme auf.

Das macht den Roman nur leidlich spannend. Wer auf eine spannende Jagd nach einem Serienkiller gehofft hat wird enttäuscht. Nicht einmal die Figuren können begeistern oder wirklich in den Bann schlagen, da man nicht versteht, warum sie so handeln.

 

Das macht „Engel des Todes“ allenfalls für diejenigen, die bereits „Der zweite Schöpfer“ kennen und schätzen, interessant, da der Roman weitere Geheimnisse der „Straw Men“ enthüllt. Alle anderen sollten besser die Finger davon lassen, da der Roman nicht einmal die geringsten Erwartungen erfüllen kann, die man an ihn stellt.

 

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Eure Meinung:

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Leserin
Samstag, 07. Juli 2012 23:40 Uhr
Obwohl mich der Anfang des Thriller nicht neugierig machte, zwang ich mich weiterzulesen. Zum Glück, kann ich nur sagen, denn es fesselte mich immer mehr, und ich konnte einfach nicht mehr genug davon "kriegen". Leider habe ich den Ersten und aber auch den dritten Band nicht gelesen und werde es auch höchst wahrscheinlich auch aus irgendeinem Grund nicht tun. Doch man macht sich nach diesem Werk so viele Gedanken, und zwar nicht über den Thriller, sondern viel mehr über sein eigenes Leben. - -MS-

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Engel des Todes

The Lonely Dead, GB 2004

Reihe: Die Straw Men, Bd. 2

Autor: Michael Marshall

broschiert - 456 Seiten

Knaur, erschienen Mai 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Reinhard Tiffert

Titelfoto von gettyimages

ISBN: 978-3-426-63727-2

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 06.05.2008, zuletzt aktualisiert: 12.01.2019 12:03