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Entseelt von Brian Lumley

Reihe: Necroscope, Band 4

Rezension von Christel Scheja

 

Die Vampire in „Necroscope“ unterscheiden sich ein wenig von dem, was man derzeit auf dem deutschen Markt geboten bekommt. Brian Lumley verbindet hier die klassischen Mythen mit eigenen Ideen und einem Hauch Science Fiction. Denn seine „Wamphyri“ sind eine parasitäre Lebensform, die einen menschlichen Wirtskörper benötigen, um sich als Herren einer Welt aufschwingen und fortpflanzen zu können.

Hin und wieder kann es sogar so weit kommen, dass sich ein Whampyri mit einer Frau paart und sogar ein rein menschliches und lebensfähiges Kind zeugt, das dann besondere Gaben besitzt.

 

Harry Keough ist durch eine solche Verbindung entstanden. Er ist schon seit seiner Kindheit ein „Necroscope“, ein Totenhorcher, der dazu in der Lage ist, mit den Toten zu sprechen und zusammenarbeiten. Von dem geheimen E-Dezernat angeheuert hat er den Kampf gegen diejenigen Menschen und Wamphyri aufgenommen, die nichts geringeres im Sinn haben, als die Kontrolle über die Welt zu übernehmen.

Dafür hat er bereits mehrfach einen hohen Preis zahlen müssen. Nicht nur er selbst hat seinen Körper verloren, auch seine Familie wurde in Mitleidenschaft gezogen. Inzwischen ist seine Seele wieder Teil der stofflichen Welt – im Körper seines eigenen Sohnes.

Dadurch muss er einige Einschränkungen hin nehmen, denn er hat viele seiner Fähigkeiten verloren . Er kann nicht mehr länger durch Zeit und Raum wandeln und auch nur dann mit den Toten Kontakt aufnehmen, wenn sein Bewusstsein wie im Schlaf ausgeschaltet ist.

Dennoch reist er mit seiner Freundin Sarah nach Griechenland, da sich Gerüchte verdichten, dass der gefährliche Janos Ferenczy an seine Rückkehr in die Welt der Lebenden arbeitet. Schon jetzt hat sein Geist sich im Körper eines Mannes festgesetzt, der zusammen mit anderen die Burg Ferenczy in Rumänien untersucht. Aber er will unbedingt seinen eigenen Körper zurück, da nur dieser ermöglicht, seine Kräfte in vollem Ausmaß zu nutzen.

Harry bleibt nichts anderes übrig, von Griechenland weiter nach Rumänien zu reisen, um dort im Herzland der Vampire den aufzusuchen, der eigentlich sein größter Feind ist und um Hilfe zu bitten: Faethor Ferenczy.

Und getreu der Devise: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ kommt es zu einer ungewöhnlichen aber auch gewagten Allianz zwischen Wamphyri und Totenhorcher...

 

Die bisher bei Heyne erschienenen Romane der „Necroscope“-Reihe erweisen sich als erstaunlich abwechslungsreich. Auch der vierte Band „Entseelt“ macht da keine Ausnahme. Denn nachdem Brian Lumley der Heimatwelt der Wamphyri einen Besuch abgestattet hat, kehrt er wieder zu den Wurzeln zurück – Faethor Ferenczy und seinen Nachfahren, die bereits ihre Spuren in der Weltgeschichte hinterlassen haben.

Das alles bettet Lumley in eine spannende Thriller-Handlung, bei der sich Action und Hintergrund die Waage halten. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen und nicht immer gehen diese nett aus. Zwar geht er dabei nicht sonderlich in die Tiefe und bedient sich weiterhin altgedienter Vampir-Klischees wie der Zigeunersippen, die schon seit Generationen gehorsam dem Bösen dienen, aber das nimmt man dem Autor nicht sonderlich übel. Dadurch, dass immer wieder etwas geschieht oder interessante Informationshappen in den Raum geworfen werden, bleibt die Geschichte spannend. Gerade wenn man sich ein wenig in der Mythologie auskennt, wird man einiges wieder erkennen.

Die beiden Hauptcharaktere bleiben sich weiterhin selbst treu, denn auch wenn Keough und der Vater aller Vampire in diesem einen Fall zusammen arbeiten, um ihren gemeinsamen Feind auszuschalten, bleiben sie doch vorsichtig und versuchen einander zu übervorteilen.

Ein gelungenes Handlungselement ist dabei auch die Schwächung von Harry. So bekommt er einiges nicht mit, was für ihn wichtig zu wissen gewesen wäre. Dennoch verliert der Roman hier, da er nun teilweise sogar schwächer als seine Mitstreiter ist, aber letztendlich nicht so viel mit diesen zu tun hat, denn die Nebenfiguren bleiben allesamt sehr blass und bekommen nicht viel zu tun, so dass sich alles letztendlich nur auf das Zusammenspiel und den Konflikt zwischen Harry Keough und Faethor Ferenczy konzentriert und die Spannung mit den beiden steht und fällt.

Interessanterweise bietet die Handlung diesmal sogar einen nostalgischen Touch, ruft sie doch Erinnerungen an eine Zeit zurück, in dem es noch den sogenannten Ostblock mit vielen kleinen und größeren Diktatoren gab, auch wenn die politische Situation hier keine Rolle spielt.

 

Alles in allem bietet „Entseelt“ der vierte Band von „Necroscope“ ein spannendes und weitestgehend in sich geschlossenes Abenteuer mit vielen Horror- und Thriller-Elementen, das trotz der Aneinanderreihung von Klischees auch einige sehr unerwartete Endungen besitzt, die wenigstens ein bisschen darüber hinweg trösten, dass Lumley darauf verzichtet, das ganze Potential seines Romans auszuschöpfen, gerade was die Nebenfiguren betrifft.

 

 

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Buch:

Entseelt

Reihe: Necroscope, Band 4

Autor: Brian Lumley

Broschiert, 624 Seiten

Heyne, erschienen März 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Michael Plogmann

Titelillustration von Jose/Shutterstock

ISBN-10: 3453533240

ISBN-13: 978-3453533240

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 12.06.2010, zuletzt aktualisiert: 12.01.2019 12:03