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Exorzismus 2.0

Filmkritik von Cronn

 

Im Jahr 1973 legte der Spielfilm Der Exorzist von William Friedkin den Grundstein für eine lange Reihe von Werken, die sich mit dem Phänomen des Exorzismus beschäftigten. In den 90er Jahren kehrte eine relative Ruhe ein in diesem Subgenre, bis dann in den 2000er Jahren die Zombiewelle erneut das Horrorfilm-Genre dominierte. Doch ab circa 2005 wurde mit dem Streifen Der Exorzismus von Emily Rose von Scott Derrickson dieses spezielle Subgenre mit neuem Leben gefüllt. Erneut haben sich Epigonen darauf gestürzt und so ist es nicht verwunderlich, dass ebenfalls Parodien entstanden.

 

Exorzismus 2.0 ist ein Film, der ebenfalls parodistische Elemente in sich birgt. Aber diese dominieren keinesfalls die Horroraspekte, so dass er über weite Strecken sich dem Genre verpflichtet fühlt. Aber bevor wir zu tief in die Analyse einsteigen, soll ein knapper Abriss der Handlung erfolgen.

 

Inhalt:

Die Internet-Sendung »The Cleansing Hour« von Max als Exorzismus-Priester und seinem Freunde Drew als Produzent im Hintergrund ist ein viraler Hit. In der Show wird ein gefakter Exorzimus durchgeführt, begleitet von Showeffekten a la Hollywood.

In aller Welt wird die Webshow gesehen und hat begeisterte Follower. Allerdings ist Max noch unzufrieden mit den Follower-Zahlen, doch Drew hat die Idee: Er lädt als von einem Dämon besessenes Opfer eine mit ihm befreundete Drag-Queen ein. Doch als diese nicht auftaucht, übernimmt Drews Freundin den Part.

Was alle aber nicht wissen ist die Tatsache, dass ab diesem Moment alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Und ein Dämon wartet im Hintergrund auf seine Chance …

 

Kritik:

»Exorzismus 2.0« ist ein Streifen von Regisseur Damien LeVeck, der bereits im Jahr 2016 als Kurzfilm abgedreht wurde und nun in der Langassung den Weg zu uns via Heimkino-Veröffentlichung durch die Firma Eurovideo findet.

 

Damien LeVeck gelingt es, gleichzeitig einen packenden Horrorfilm zu gestalten und parallel dazu einen Kommentar zum Gaffertum via Internet abzuliefern, ohne den moralischen Zeigefinger allzu stark zu schwenken.

 

Das Drehbuch hat dabei eine entscheidende Rolle: Die gewohnten Abläufe eines Exorzismus, die wir als Zuschauer in- und auswendig kennen, werden geschickt verändert, bis sie quasi auf den Kopf gestellt sind. Eingepackt ist das Ganze in eine mehr oder weniger sublime Kritik am Web 2.0-Gehabe, die immer wieder durchdringt, wenn man sich die Mühe macht, die fiktiven Kommentare zu lesen, die über den Bildschirm flimmern, während die Handlung mehr und mehr entgleist. Leider geschieht das in einem Affenzahn, so dass das Mitlesen erschwert ist.

 

Ein Malus ist der immer wieder kurz aufflammende Humor, der den Zuschauer aus der Horror-Atmosphäre reißt. Dennoch ist es nicht allzu häufig, somit recht gut verschmerzbar. Aber diese Marotte von vielen Hollywood-Horrorfilmen ist eigentlich völlig unnötig, außer man möchte dem Publikum eine Verschnaufpause gönnen. Die Wucht des Films wird dadurch gemindert.

 

Die Schauspieler sind keine Hollywood-Größen, agieren aber weit über Amateurniveau. Besonders gelungen ist die Darstellung der Freundin von Drew, Lane, dargestellt von Alix Angelis. Sie trägt einen guten Teil der Screentime mit ihrer dämonischen Präsenz. Auch der Wechsel hin und her zwischen der besessenen und der realen Lane gelingt ihr hervorragend, auch unterstützt von sehr gutem Make-Up-Design. Auch ihre beiden männlichen Gegenparts machen ihren Job sehr gut.

 

Gegen Ende des Streifens wächst »Exorzismus 2.0« über sich selbst hinaus, wenn er die CGI-Effektmonster hinter sich lässt und handgemachte Effekte dominieren. Und was für gelungene Tricksequenzen das sind! Das ist sehr beeindruckend und sieht man als Freund von Horrorfilmen der 80er Jahre besonders gern. Die Qualität ist nicht verwunderlich, wenn man im Abspann liest, dass keine geringeren als Tom Woodruff und Alec Gillis diese Szenen verantworteten. Beider sind Hochkaräter im Film-Effekte-Business und waren bereits an solchen grandiosen Effekten wie bei Aliens, Alien 3 beteiligt und gewannen mit Der Tod steht ihr gut einen Oscar für ihre Arbeit.

 

Der Schluss versöhnt schließlich, indem er keine Kompromisse eingeht und auf Humor gänzlich verzichtet, außer man sortiert die Szenen im Abspann als schwarzen Humor ein, aber das geht in Ordnung.

 

Fazit:

»Exorzismus 2.0« ist ein recht guter Streifen, der mit einer interessanten Prämisse das Exorzismus-Subgenre belebt, zwar durch eingestreuten Humor ab und an die Hardcore-Horrorfans genervt die Augenbraue heben lässt, doch mit einem furiosen Ende und überzeugenden Schauspielern versöhnlich stimmt.

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Eure Meinung:

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Blu Ray:

Exorzismus 2.0

Regisseur: Damien LeVeck

Format: Breitbild

Bildseitenformat: 2.39:1

Umfang: 1 BR

FSK: 18

EuroVideo, 20. August 2020

Produktionsjahr: 2019

Spieldauer: 95 Minuten

 

ASIN: B089CTDKM8

 

Erhältlich bei: Amazon

DarstellerInnen:

  • Ryan Guzman
  • Kyle Gallner
  • Alix Angelis
  • Daniel Hoffmann-Gill

Eintrag in der PhilmDB:

Exorzismus 2.0


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Erstellt: 25.07.2020, zuletzt aktualisiert: 26.07.2020 12:12