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Fallender Himmel von Marie Lu

Reihe: Legend, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Die 1984 in Shanghai geborene Marie Lu zog zunächst nach Texas, ehe sie in Studienzeiten eine neue Heimat in Kalifornien fand. Noch heute lebt sie in Pasadena, einem Vorort in Los Angeles. Bevor sie mit dem Schreiben anfing, arbeitete sie in der Computerspiel-Branche. „Fallender Himmel“, der erste Band der „Legend“-Trilogie ist ihr Debüt und reiht sich in die große Zahl der aktuellen romantischen Dystopien für jugendliche Leserinnen ein.

 

Klimakatastrophen haben das Gesicht der Erde völlig verändert. In einer nicht näher definierten Zukunft ist die Vergangenheit vergessen, dominiert wird Nordamerika im durch die Überflutungen nur minimal betroffenen Westen nun von der Republik, einer starken Nation, in der Leistung, Intelligenz und Können alles zählt, ebenso wie die Hierarchie. Jeder, der dagegen aufbegehrt wird hart bestraft.

Ein Test, den die Kinder in der Schule mit zehn Jahren ablegen müssen, bestimmt ihren späteren Werdegang. Nur wer Höchstleistungen ablegt, kann auch Karriere in Politik und Militär machen, andere landen in den Arbeitervierteln oder verschwinden schließlich ganz von der Bildfläche. Gegenüber den Armen haben die Reichen einen Vorteil – sie können die Kinder vorbereiten lassen.

June gilt als Wunderkind, ist sie doch das erste Mädchen in der Geschichte der Republik, dass die volle Punktzahl im Test erreicht hat. Bis jetzt, zu ihrem fünfzehnten Geburtstag hat sie eine glänzende Karriere hinter sich gebracht, mehrere Klassen übersprungen und nun sieht es auch so aus, als könne sie die Universität früher verlassen und die gleiche militärische Laufbahn einschlagen wie ihr älterer Bruder Metis, der ihr als Einzigster aus ihrer Familie geblieben ist

Dann wird dieser jedoch heimtückisch bei einem Einsatz ermordet. Der Täter ist der legendäre „Day“, die ikonische Figur des Widerstandes und ein Junge, den bisher noch nie zu fassen bekommen hat. Voller Wut schwört June, grausame Rache zu nehmen und macht sich auf die Suche nach dem Mörder ihres Bruders – nicht ahnend, dass bald ihre ganze Welt, ihr Denken und Fühlen in Bezug auf die Republik auf den Kopf gestellt werden.

 

Bei manchen romantischen Dystopien ist der Hintergrund oft nur exotische Staffage, „Fallender Himmel“ gehört glücklicherweise nicht dazu. Marie Lu stellt romantische Gefühle erst einmal in den Hintergrund und beschreibt sehr ausführlich, wie ihre Protagonisten leben, was sie antreibt und wie sie durch ihr früheres Leben geprägt worden sind.

Während der unterprivilegierte „Day“ nur Leid und Schmerz, Folter und Grausamkeiten erfahren hat, seit er mit zehn Jahren durch den Test fiel, ist June das umjubelte Wunderkind, von dem eine Menge erwartet wird. Sie hatte nie Grund das System zu hinterfragen. Das wird im Verlauf der Geschichte anders und dominiert die Handlung. Zwar entwickeln sich auch Gefühle zu Day, die sie zuerst nicht wahr haben will, aber diese drängen sich nur selten in den Vordergrund, sind nur an wenigen Stellen der Antrieb, der sie dazu verleitet, eigene Antworten zu suchen.

Marie Lu begeht nicht den Fehler, es sich einfach zu machen, als „Day“ in eine aussichtslose Lage gerät. Tatsächlich fordert jedes Fehlverhalten Opfer und einige davon lasten schwer auf der Seele der jungen Helden. Vielleicht ist ihr Alter mit fünfzehn Jahren für den ein oder anderen Leser etwas zu niedrig angesetzt, dennoch ist die geistige Entwicklung bei beiden nachvollziehbar und realistisch. Auch ihr weiterer Weg, der teilweise gemeinsam verläuft wird sehr glaubwürdig beschrieben.

Alles in allem ist das Buch flott erzählt, bietet durch den Wechsel zwischen den Erzählperspektiven einen Einblick in Junes und Days Denkweise und schafft es beide Figuren vielschichtig und lebendig zu machen. Gemeinsam entdeckt man durch beide die Perfidie des totalitären Systems und fiebert mit, wenn es all zu brenzlig wird. Auch macht die Autorin keinen Rückzieher, wenn es darum geht, Konsequenzen des Handelns bis zum Ende zu schildern.

 

Damit gehört „Fallender Himmel“ zu den besseren Dystopien für Jugendliche, weil hier das Setting ein wichtiger Bestandteil der Geschichte ist und nicht nur dazu dient, die Liebesbeziehung weiter zu entwickeln. In erster Linie geht es um das Abenteuer erwachsen zu werden und sich gegen ein totalitäres System zu wehren – mit Prüfungen, die es in sich haben und auch von der Autorin gut gemeistert werden. Es bleibt zu hoffen, dass sie dieses Niveau bei den kommenden Bänden der „Legend“-Trilogie beibehält.

 

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Fallender Himmel

Reihe: Legend, Band 1

Autorin: Marie Lu

gebunden, 367 Seiten

Loewe, September 2012

 

ISBN-10: 3785573944

ISBN-13: 978-3785573945

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00CZCVMZ8

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 16.12.2013, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59