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Faunblut von Nina Blazon

Rezension von Christel Scheja

 

Nina Blazon startete ihre Karriere mit dem Gewinn des Wolfgang Hohlbein Preises. Anders als viele andere Autoren bliebt sie aber keine Eintagsfliege und ist bis heute unermüdlich als Jugendbuch-Schriftstellerin tätig. Ihre Romane zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwar viele vertraute Elemente benutzen, dann aber auch oft genug auf unbekanntere Motive und Themen zurückgreifen, die vor allem im osteuropäischen Raum entstanden sind. So wirken ihre Fantasy-Werke auf seltsame Art und Weise vertraut, dann aber doch wieder exotisch. Das ist auch bei „Faunblut“ der Fall.

 

Jade lebt seit sie bewusst denken kann in einer uralten und dem Zerfall preisgegebenen Stadt. Über diese regiert seit mehr als zwanzig Jahren die maskierte Lady Mar, die von sich behauptet, den Ort von der Macht und Anwesenheit der sogenannten „Echos“ befreit zu haben, einer fremdartigen und magiekundigen Rasse, die die Menschen immerhin versklavt hatten. Trotzdem ist das Leben für die einfachen Menschen nicht einfacher geworden, denn Frau, die niemals ohne ihre Eisenmaske zu sehen ist, übt zusammen mit ihren zwölf Handlangern, den sogenannten „Lords“ eine Willkürherrschaft aus. Man nimmt sich was man will und erstickt jeglichen Widerstand im Keim – insofern man derer habhaft wird, die Rebellion im Herzen tragen.

Im Gegensatz zu vielen anderen geht es Jade noch recht gut, da sie im Hotel Larimar wohnt und arbeitet, das von ihrem Vater Jakub zusammen mit der Köchin Lilinn betrieben wird. Da das Haus wie all die anderen zerfällt und immer wieder Reparaturen vorgenommen werden müssen, für die die Geldmittel nicht ausreichen, ist Jade viel auf dem Schwarzmarkt unterwegs. Sie hat so auch die Gelegenheit, die Aufständischen kennen zu lernen, mit denen sie heimlich sympathisiert und bekommt zudem mit, dass die Ureinwohner der Stadt vielleicht vertrieben wurden – aber immer noch anwesend sind und nur auf eine Gelegenheit lauern, sie sich zurückzuholen.

Dann nehmen zwei neue Gäste im Larimar Logis. Einer von ihnen ist der arrogant und herrisch wirkende Faun. Auf Jade wirkt er gleichzeitig faszinierend und rätselhaft. Auch wenn ihr Verstand sie mahnt, ihm gegenüber Misstrauen regieren zu lassen, sucht sie dennoch seine Nähe.

Dann erschüttern grausame Morde die Stadt. Die Lady und ihre Lords beschließen mit noch mehr Gewalt und Grausamkeit die Krontrolle über die Stadt zu behalten und nehmen jeden fest, bei dem nur der leiseste Verdacht besteht, zu den Aufständischen zu gehören. Doch Jade hat das Gefühl, dass Faun mehr mit all dem zu tun hat als Lilinn, die schließlich verhaftet wird. Zudem spürt sie, dass sie mehr mit den Echos verbindet als alle anderen Menschen in der Stadt.

 

„Faunblut“ entführt in eine fremdartige und düstere Welt mit postapokalyptischen Zügen, die wie all ihre anderen Hintergründe Vertrautes aufweist, dann aber auch wieder exotische Elemente. So sind die Echos fremdartige magische Zwitterwesen, die zum Teil der wirklichen Welt verhaftet sind und sich nur in die Fluten des die Stadt durchströmenden Flusses Wila zurückgezogen haben und von einer spiegelnden Fläche zur anderen wechseln können. Zusammen mit Jade erfährt der Leser nach und nach mehr über ihre faszinierende Kultur und Lebensart, in der sich auch ihre ambivalente Natur widerspiegelt. Dieses Motiv zieht sich überhaupt durch den ganzen Roman. Viele der wichtigeren Figuren haben zwei Gesichter und hüten Geheimnisse, die sich erst nach und nach enthüllen. Das trifft selbst auf Faun und Jade zu, die erst nach und nach erkennen oder enthüllen, dass auch in ihnen eine zweite Natur steckt.

Das alles bettet Nina Blazon in eine komplexe Geschichte, die sie immer wieder durch alltägliche Szenen, das Zusammenspiel der unterschiedlichsten Charaktere und ein wenig Abenteuer auflockert. Da sie sich insgesamt etwas zu viel Zeit lässt, hängt die Spannung im Mittelteil etwas, während es am ende schon fast zu schnell geht und man mit dem Gefühl zurück bleibt, dass nicht einmal alle Fragen beantwortet wurden.

Alles in allem fordert sie den Leser auf, genau aufzupassen und auch auf die kleinsten Hinweise zu achten, um ja alles in der Handlung mitzubekommen. Dabei bleibt sie glücklicherweise allen heute gängigen und beliebten Klischees fern und überrascht immer wieder durch unerwartete Wendungen. Einzig der Titel des Buches ist ein Missgriff, erweckt er doch durch den anderen Namen für die griechischen Satyren völlig falsche Assoziationen und Erwartungen.

 

„Faunblut“ ist ein Fantasy-Roman der such durch seine komplexe Struktur eher an ältere Jugendliche ab 14 Jahre und Erwachsene richtet, die spannende und vielschichtige Lekitüre vor einem Hintergrund suchen, der sich nicht unbedingt einfach erschließt.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

FantasyFan01
Sonntag, 09. August 2009 20:12 Uhr
Wunderbares Buch!

Obwohl man teilweise erraten kann, was passiert hält Nina Blazon doch noch viele Überraschngen parat, die den Roman nie langweilig erscheinen lassen.

Die Liebesgeschichte wird zwar wichtig, aber nicht so präsent wie in anderen Büchern, was der Hadlug nur hilft.

Wenn auch das Ende sehr überraschend und plötzlich eintritt ist das gesamte Buch doch auf jeden Fall lesenswert!

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Faunblut

Autor: Nina Blazon

Verlag: cbt

Umfang: 479 Seiten

Aufmachung: Hardcover mit Schutzumschlag

Erschienen: Dezember 2008

Titelbild von Sara Davison

ISBN-10: 3570160092

ISBN-13: 978-3570160091

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.01.2009, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59