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Finsterherz von Jeremy de Quidt

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1957 geborene und heute mit seiner Familie in Somerset lebende Autor Jeremy de Quidt bestätigt wieder einmal, das britische Autoren nicht nur aus einem reichhaltigen Schatz von Mythen und alten Geschichten schöpfen können, sondern auch genau wissen, was sie damit anstellen wollen. Sie nutzen alte Traditionen des Kinderbuchs, um daraus zeitgemäßere Geschichten zu spinnen, die ein wenig düsterer sind als die ihrer Kindheit. Das beweist er mit seinem Debüt „Finsterherz“, das er für eine Schulklasse schrieb.

 

Mathias ist der Lehrling und Enkel des Jahrmarktszauberers Gustav. Zusammen ziehen die beiden mit einem heruntergekommenen Wanderzirkus durch die Lande, der von einem habgierigen Ehepaar geführt wird.

Das Leben ist hart und grausam, denn die Menschen dieser kleinen Gemeinschaft schenken sich nichts. Diebstahl und Grausamkeiten sind an der Tagesordnung. Mathias hat sich damit arrangiert. So nimmt er auch die Marotte seines Großvaters hin, der sich sein Gesicht immer kalkweiß schminkt und Fremde argwöhnisch beäugt.

Eines Tages nun überstürzen sich die Ereignisse. Ein Fremder macht seinem Großvater Angst, so dass dieser zu Tode kommt. Der Junge nimmt noch ein Papier an sich, das der alte Mann kurz vor seinem Ableben versucht hat, zu vernichten, doch genau das ist es, was der Unbekannte, der sich ihm gegenüber Dr. Häller nennt, an sich bringen will. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, auch den Jungen zu bedrohen und zu quälen.

Allerdings hat er die Rechnung ohne das beherzte Schankmädchen Katta und ein paar zwielichtigen Schurken gemacht. Letztere bringen ihn zu „König“ ihrem Anführer, der ahnt, das auf dem Stück Papier mehr sein muss als nur Leere.

So beschließt er zusammen mit Mathias und Katta hinter das Geheimnis zu kommen, nicht ahnend, dass sein Verfolger bereits unheimliche Verbündete hat.

 

Auch wenn die Geschichte in einem Fantasy-Reich spielen mag, so ist sie doch sehr in der englischen Geschichte verwurzelt, nämlich im 18. und 19. Jahrhundert, in dem genau solche Gestalten auf den Straßen zu finden sind, wenn man den Geschichten : Jahrmarktszauberer mit Geheimnissen und Verfolgern, charmante Schurken, die zwar Geld wollen und doch ein Herz haben und Menschen, die es wagen die Schöpfung selbst in die Hand zu nehmen.

Interessant ist dabei das völlig im Raum stehende erste Kapitel, das erst zum Ende hin einen Sinn ergibt.

Die Geschichte ist jedenfalls sehr spannend aufgebaut und lebendig erzählt, nur zum Ende überstürzen sich die Ereignisse so sehr, dass einiges nicht wirklich zusammen zu passen scheint und unzufrieden zurück lässt. Dabei liegt weniger der realistische Ausklang schwer im Magen als die Tatsache, dass dem Showdown nur wenig Raum gegeben wird, nachdem eigentlich alle Handlungsfäden darauf hingearbeitet haben.

Ein wenig zur intensiven, düsteren Atmosphäre trägt auch der altertümliche Stil des Buches bei, der zwar schwerfällig wirkt, aber dennoch nicht störend. Zwar erinnert der mehr an Kinderbücher für jüngere Leser, die im Text enthaltenen Grausamkeiten und Blicke in die Abgründe menschlicher Seelen sollte man allerdings besser erst Jugendlichen ab 11 in die Hände geben.

Phantastische Elemente sucht man in weiten Teilen des Buches vergebens. Aber gerade der sparsame Einsatz von ungewöhnlichen Ereignissen und übernatürlich scheinenden Details ist sehr geschickt begründet.

 

Alles in allen erweist sich „Finsterherz“ als nicht ganz einfach zu lesendes aber spannendes Buch, das nur am Ende etwas nachlässt. Auch der Genrefan kann Spaß an der Geschichte haben, da der Autor seine Geheimnisse auf sehr interessante Weise verknüpft und wieder löst – auch wenn man natürlich bei der Komplexität der Intrigen Abstriche machen muss.

 

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Finsterherz

Autor: Jeremy de Quidt

gebunden, 286 Seiten

Ravensburger Buchverlag, erschienen Juli 2010

Aus dem Englischen von Ulla Höfker

Titelbildgestaltung von Sabine Redig

ISBN-10: 3473353280

ISBN-13: 978-3473353286

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.09.2010, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49