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Fool on the Hill von Matt Ruff

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Nicht zu fassen, was an Universitäten alles passiert, wenn man diesem Roman glauben darf, in dem der junge George sich in die schönste Frau der Welt verliebt, der Kobold Puck der Elfe Zephyr nachjagt und Blackjack und Luther in den Himmel für Katzen und Hunde aufbrechen. Ein Sommernachtstraum? Eine Love-Story? All das und noch viel mehr ist der »Narr auf dem Hügel«.

 

Rezension:

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr euch am liebsten in das Buch einkuscheln wollt und euch jedes Umblättern mit wohliger Wärme umgibt?

Wenn es völlig egal ist, was um euch herum passiert und die Welt trotzdem der bunteste und bezauberndste Platz ist, den ihr euch vorstellen könnt?

Dann habt ihr euch in ein Buch verliebt.

 

So ein Buch ist Matt Ruffs Fool on the Hill. Das Debüt stellt die Abschlussarbeit zu einem Kurs für kreatives Schreiben dar und ist eine überbordende Liebeserklärung an das Schreiben, an die Cornell University in der City of Ithaca, an die Literatur und an die Jugend.

Der Roman überrascht durch seine Leichtigkeit, die selbst die sich heranschleichende Dunkelheit so mühelos darreicht, als seien all die schlimmen Dinge, die in unserer Welt geschehen im Angesicht ihrer Wunderbarkeit belanglos.

 

Stephen Tiberius George ist Autor mit Leib und Seele, sogar erfolgreich. Das neue Studienjahr sieht ihn als Campusschreiber. All die vielen Handlungsfäden des Romans haben denn auch mit der Cornell-Universität bei New York zu tun. Es gibt keine Beschreibungen von Seminaren oder Vorlesungen, nein, die Geschehnisse sind allesamt zwar mit der Uni verbundene Ereignisse, aber und darin liegt der große Zauber, sie berühren eher die Seele des universitären Lebens.

George ist der Narr, der auf dem Hügel der Universität seinen Drachen steigen lässt. Er kann den Wind bitten zu kommen, wenn er ihn braucht. Oh ja das klingt nach Magie und Matt Ruff wirft davon noch mehr ins Spiel. So gibt es auf dem Universitätsgelände Kobolde mit ihren eigenen Problemen und Geschichten. Dazu zählen fremdgehende Männer, coole Fahrzeuge, Schwertkampf und finstere Schatten der Vergangenheit. Anlehnungen an Shakespeares Sommernachtstraum inklusive. Und was sich da aus der Vergangenheit regt, passenderweise unter einer Grabplatte, auf der Pandora steht, reißt auch in die Reihen der Großen tiefe Wunden.

Diese Großen sind eine Reihe von Studentinnen und Studenten, die sich Bohemier, Tolkiener oder Rho-Alpha-Taus nennen und ganz im jugendlichen Übermaß von Liebe, Freundschaft und Selbsterkennen ihre Geflechte aus Beziehungen knüpfen und beständig neu aushandeln, auch mal mit der Faust oder dem Motorrad.

Dabei schüttelt Ruff die schrulligen Figuren nur so aus dem Ärmel. In einer großartigen Szene gleich zu Beginn befreien die Bohemier lässig ein Vorortnest quasi im Vorübergehen von Bösewichtern und danach hat man die Figuren so deutlich vor Augen, dass man sich angesichts dieser Präzision der Charakterisierung anbetend in den Staub werfen möchte.

Doch da ist man Ruff schon längst verfallen.

 

Wesentlich dazu beiträgt auch die Suche des Mischlingsrüden Luther nach dem Hundehimmel. Ruff nutzt die Vermenschlichung von Tieren hier, um locker und unprätentiös über Religion, aber auch recht deutlich über Rassismus zu schreiben. Dabei schickt er Hund und Kater gemeinsam auf die Suche, lässt sie den Horror des Rassenhasses erleben, der selbst vor dem Hügel, der nach Himmel duftet, nicht Halt macht.

 

Aber nicht genug, dass Ruff auch die Tiere zu wichtigen Protagonisten in der Handlung macht, er erweitert den Romankosmos noch um einen Übererzähler. Mr. Sunshine lenkt die Handlung zwar bestimmt, aber nur nebenbei, im Wesentlichen lässt er Affen für sich schreiben – wenn das kein ironischer Kommentar zum Kreativen Schreiben ist! Und so nimmt die Handlung zwar Gestalt an und man sieht dem großen Showdown bang entgegen, jedoch ist man sich bei aller Liebe zu griechischen Dramatik durchaus stets bewusst, hier einer Geschichte beizuwohnen, die trotz alledem magisch bleibt. Eine Zeile auf der göttlichen Schreibmaschine reicht, die Zeit zu ändern.

 

Und George, der Narr auf dem Hügel, darf sich unsterblich in eine Unsterbliche verlieben, um das wahre Schreiben zu erlernen. Denn es wartet noch ein Drache darauf, besiegt zu werden.

Doch bis dahin geschehen sehr viele Dinge. Schöne wie Traurige. Selten war ich beim Lesen so glücklich.

 

Fazit:

»Fool on the Hill« ist ein großartiger Roman, ein literarisches Wunder.

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Eure Meinung:

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Buch:

Fool on the Hill

Original: Fool on the Hill, 1988

Autor: Matt Ruff

Übersetzer: Ditte König und Giovani Bandini

dtv, 1993

Taschenbuch, 575 Seiten

Cover: Dietrich Ebert

 

ISBN-10: 3423207493

ISBN-13: 978-3423207492

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.02.2013, zuletzt aktualisiert: 11.05.2021 21:25