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Frankenstein von Mary Shelley

Rezension von Lars Perner

 

Rezension:

Sie kennen Frankenstein? Wie er in einer verlassenen Burg oder Ruine in tosendem Sturm und von Blitzen umzuckt einen künstlichen Menschen erschafft? Alles falsch! Sie gehören vermutlich zu denen, deren Bild von Frankenstein und seinem Monster hauptsächlich aus Sekundärquellen gebildet wurde. Dabei werden insbesondere die zahlreichen Verfilmungen des Stoffes zur Schaffung dieses Bildes geführt haben. Wären Sie überrascht, wenn der Forscher eigentlich in einer kleinen Dachkammer dieses wundervolle Werk vollbracht hätte? Haben Sie Lust, diese Behauptungen zu überprüfen? Dann lesen Sie doch einmal das Original von Mary Shelley.

Die Geschichte ist in den Grundzügen hinlänglich bekannt und doch weicht das Original teilweise erheblich von späteren Interpretationen ab. Der Naturforscher Viktor Frankenstein ist wie besessenen von seiner Arbeit und will etwas Einzigartiges schaffen. Nach jahrelanger Forschung erschafft er tatsächlich einen aus Leichenteilen zusammengestückelten Menschen und haucht ihm Leben ein. Am Ziel seiner Wünsche graut ihm plötzlich vor seinem eigenen Werk und er läßt das Wesen hilflos im Stich. So von seinem Erzeuger enttäuscht schwankt das Unwesen zwischen tiefer Trauer und glühendem Haß. Nachdem auch andere Begegnungen mit den Menschen stets in brutaler Gewalt gegen den ungewöhnlichen Mann enden, gewinnt schlußendlich der Haß auf alles Menschliche die Oberhand. Und so zieht es aus, seinen Schöpfer zu finden und ihm den Schmerz anzutun, den es selber erleiden muß. Nach und nach tötet es die Menschen, die Frankenstein etwas bedeuteten. Fast die gesamte Familie wird ausgerottet, bis es schließlich im Eis des Hohen Nordens zur endgültigen Begegnung kommt.

Die Kernerzählung wird aus der Ich-Perspektive des Viktor Frankenstein geschildert. Eingebettet ist diese in eine Rahmenhandlung um den Kapitän Walton, welcher seine Geschichte in Briefform seiner Schwester mitteilt. Die vorliegende Übersetzung wurde durch den Verlag gekürzt. Und doch wird der heutige Leser einige Längen zu überbrücken haben. Das Original wurde 1818 veröffentlicht und entsprechend altertümlich ist die Sprache. So hat man Mühe sich zunächst auf diesen ungewohnten Sprachstil einzulassen. Auch ist die Handlung wenig aktionsgeladen. Gefühle und deren Darstellung spielen eindeutig eine größere Rolle. Was das Monster zum Beispiel tut und wie es die Morde begeht wird kaum dargestellt. Dafür um so mehr, was es davor, dabei und danach empfindet, welche Beweggründe es dazu bringen, das Monster zu werden, welches es dann schließlich ist. So betrachtet, hat man es weniger mit einer Horrorerzählung als mit einer philosophischen Betrachtung zu tun. Der Stoff selbst ist gerade in der heutigen Zeit sehr aktuell, wenn man alleine die Entwicklung in der Gentechnik betrachtet. Wissenschaft und Ethik kollidieren heutzutage mehr denn je.

 

Fazit:

Auch wenn Frankenstein die Vorlage für unzählige Horrorgeschichten bot, ist es doch mehr als nur das. Es ist ein Roman über das grenzenlose Streben der Menschen nach Erkenntnis. Aber auch ein Roman über Freundschaft. Wer wissen will, wie der Mythos Frankenstein geboren wurde, sollte sich einmal in diesen Klassiker der Weltliteratur einlesen.

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Eure Meinung:

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Buch

Frankenstein

Original: Frankenstein or the modern Prometheus, 1818

Autorin: Mary Shelley

Überreuter, Januar 2008

Hardcover, 256 Seiten

 

ISBN-10: 380005390X

ISBN-13: 9783800053902

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 30.04.2008, zuletzt aktualisiert: 02.09.2018 12:01