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Frevelopfer von Arnaldur Indridason

Rezension von Wiebke

 

Rezension:

In Reykjavik wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden, der mit nichts weiter bekleidet ist, als mit einem blutigen T-Shirt, auf dem „San Francisco“ steht. Spuren einer Liebesnacht zeugen davon, dass es, bevor dem Opfer die Kehle sauber durchgeschnitten wurde, im Schlafzimmer zur Sache ging. Während Erlendur Urlaub in den Ostfjorden macht, übernimmt seine Kollegin, die Kommissarin Elínborg, die Ermittlungen und findet neben einem Damenhalstuch auch eine Vergewaltigungsdroge in der Wohnung des Toten. Ein schlimmer Verdacht bemächtigt sich ihrer. Hat der in einer blutigen Lache im Wohnzimmer liegende Mann diese eingesetzt, um sich fremde Frauen gefügig zu machen? Mit dem Ziel die Vergangenheit des Toten zu durchleuchten, beginnt Elinborg mit umfangreichen Befragungen. Doch was dort zutage tritt, weißt eher auf einen unscheinbaren, bei allen beliebten Mann hin, der als Telefontechniker sein Lebensunterhalt verdiente, als auf einen brutalen Vergewaltiger. Als dann auch noch festgestellt wird, dass im Rachen des Toten ebenfalls Spuren des als Vergewaltigungsdroge bekannten Rohypnol gefunden wurde, beginnt Elinborg an ihrer Theorie zu zweifeln. Hat etwa die in der Wohnung befindliche Frau oder deren Ehemann den jungen Telefontechniker umgebracht? Elinborg taucht immer tiefer in den Fall ein und während private Probleme ihr den nächtlichen Schlaf rauben, sucht sie nach der jungen Frau, die in der Todesnacht bei dem Telefontechniker gewesen sein muss. Aber auch das Umfeld des Toten findet eine nicht unerhebliche Beachtung bei ihren Ermittlungen und schon bald stößt sie auf einen alten Fall, der eine Rolle zu spielen scheint.

 

„Frevelopfer“ ist ein eher ruhiges Buch, in welchem der Schriftsteller Arnaldur Indridason seinen Schwerpunkt auf die Ermittlungstätigkeit einer sonst eher am Rande agierenden Kommissarin legt. Wer aber glaubt, dass dieses Buch dadurch langweilig wird, der irrt. Ein grausamer Mord und eine wendungsreich erdachte Geschichte verstehen es, den Leser gut zu unterhalten. Dabei bedient sich Arnaldur Indridason lediglich eines einzigen Handlungsstranges, in welchem die Ereignisse aus der Sicht der Kommissarin Elinborg geschildert werden. Mit dieser inzwischen selten gewordenen Art zu Erzählen ist der Leser dicht am Geschehen und kann gemeinsam mit der Kommissarin die Fortschritte, aber auch Rückschläge der Ermittlungen jederzeit unmittelbar verfolgen. Gleichzeitig aber steht auch das Privatleben von Elinborg im Focus des Geschehens und mit ihm werden die Konflikte einer vierfachen Mutter aufgedeckt, die beruflich stark gefordert ist. Ohne viel Aufhebens um ihren Job zu machen, kämpft Elinborg mit vielfältigen Problemen heranwachsender Jugendlicher und muss sich dabei des Öfteren gestehen, dass auch sie von Selbstzweifeln geplagt, es nicht versteht, alles richtig zu machen. Eine interessante Sichtweise, die neben dem gut durchdachten Fall zusätzlich unterhält, für Fans von actionreichen Büchern allerdings nicht geeignet ist. Und so kann „Frevelopfer“ vor allem den Lesern empfohlen werden, die psychologisch durchdachte, emotional ansprechende und atmosphärisch dichte Kriminalromane mögen, die mit einem gut dosierten gesellschaftskritischen Hintergrund einhergehen.

 

Fazit:

„Frevelopfer“ ist ein Kriminalroman, der tief in die Ermittlungsarbeit der isländischen Polizei eintaucht und es versteht, den Leser gekonnt in die Handlung hineinzuziehen. Realistisch geschildert, erscheint er überaus lebendig und vermag ein gutes Bild der in Island herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse zu vermitteln.

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Buch:

Frevelopfer

Autor: Arnaldur Indridason

Bastei Lübbe, 8. April 2010

Hardcover, 384 Seiten

Originaltitel: Myrká

ISBN-10: 3785723938

ISBN-13: 978-3785723937

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.07.2010, zuletzt aktualisiert: 01.07.2018 15:19