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Fürst der Schatten von Darren Shan

Reihe: Dämonicon Bd.1

Rezension von Christine Schlicht

 

Hier liegt ein Taschenbuch der günstigen Form vor, mit giftgrünem Fotocover. Die Inhaltsangabe lässt vermuten, dass die ganze Story nicht viel Neues birgt, aber man kann ja immer noch überrascht werden.

 

Grubbs Grady ist ein ganz normaler Jugendlicher, der sich mit Pubertätsproblemen plagt, seiner zickigen Schwester böse Streiche spielt und gegen seine bieder erscheinenden Eltern anstinkt. Doch er ist eben nicht ganz so normal, wie er glaubt. Als seine Eltern ihn unter dem Vorwand, sie wollen mit seiner Schwester eine Ballettaufführung besuchen, bei seiner Tante abliefern und er ein seltsam angsterfülltes Gespräch seines Vaters mit der Schwester mitbekommt, merkt er, das in seiner Familie etwas ganz und gar nicht stimmt. Und tatsächlich: Als er seiner Tante ausbüchst um zu sehen, was seine Familie tatsächlich treibt, gerät er in die Hölle. Dämonen haben seine Eltern und seine Schwester auf grauenvolle Art ermordet und versuchen auch ihn zu töten. Er kann entkommen und wird in die Irrenanstalt gebracht, weil keiner ihm die Dämonengeschichte glaubt. Erst sein Onkel Derwisch kann ihn dazu bewegen, mit einer Lüge über die angeblich menschlichen Mörder aus dem Irrenhaus heraus zu kommen. Derwisch kennt die Dämonen und will Grubbs bei sich aufnehmen. Dort freundet er sich mit Bill-I an, der glaubt, Derwischs unehelicher Sohn zu sein und Grubbs die Geschichte auftischt, dass Derwisch und seine Freundin Mira Werwölfe seien. Doch alles ist ganz anders, Bill-I ist der Werwolf, dazu noch Grubbs Halbbruder. Um ihn zu retten lassen sich Derwisch und Grubbs auf ein riskantes Spiel mit dem Dämon ein, der schon Grubbs’ Familie ausgelöscht hat.

 

Die Existenz von Werwölfen wird hier mit einem Gendefekt erklärt, der beliebig auf den Nachwuchs übergeht und in der Pubertät ausbricht oder auch nicht. Der Träger des Defektes verliert seine Menschlichkeit, weshalb die meisten von ihnen jung sterben. Der Dämon kann die Betroffenen heilen, doch er verlangt einen hohen Preis für diesen Dienst.

 

In der Ich-Form zu schreiben fordert ein gutes Einfühlungsvermögen in die Figur, aus deren Sicht man schreibt. Für einen Autor mittleren Alters, der versucht, aus der Sicht eines pubertierenden Jugendlichen zu schreiben und die heute übliche Sprechweise dieser Altersgruppe zu verwenden ist das noch ein Stück schwieriger. Darren Shan gelingt es leider nicht besonders überzeugend.

 

Insgesamt erweckt die Story den Anschein, ein auf Taschenbuchformat aufgeblähter Groschenroman zu sein. Schnell und flüchtig geschrieben, ohne besondere Wertschätzung der Charaktere oder Hervorhebung ihrer Besonderheiten. So bleiben alle Charaktere, sogar der Hauptdarsteller Grubbs Grady, trotz des Seelenstriptease nach der Ermordung seiner Eltern, erstaunlich farblos. Lediglich Onkel Derwisch kann durch seinen schwarzen Humor und seine Bissigkeit punkten, weil er dem Leser doch gelegentlich ein Grinsen entlocken kann.

 

Die ganze Story ist vorhersehbar, es geschieht nichts wirklich Überraschendes, so dass sich einfach keine echte Spannung aufbauen will. Da man schon lange vorher ahnt was passieren wird, stellt sich der kalte Schauer, den man von einem Horror-Roman erwartet, einfach nicht ein. Man verpasst nichts, wenn man flüchtig drüber liest.

 

Selbst Splatter-Szenen wirken nicht wirklich gruselig, was vielleicht auch an der Erzählperspektive liegt. Man kann, wenn man in eine solche Szene wie der mit der ermordeten Familie involviert ist, eigentlich nicht alle Details wahrnehmen und wiedergeben. Bei einem normalen Menschen würde alles im Grauen des Entsetzens verschwimmen. Na schön, Grubbs Grady IST kein normaler Mensch, er ist magisch begabt, dennoch – zu diesem Zeitpunkt wusste er das noch nicht und deshalb wirken minutiöse Beschreibungen der Szenerie im Haus seiner Eltern wenig glaubhaft. Verzerrte Wahrnehmungen, Andeutungen wären hier gruseliger als detailliert beschriebene Ekeleffekte.

 

Das Buch lässt sich schnell lesen und ist streckenweise durchaus unterhaltend. Aber weniger als anspruchsvolle Urlaubslektüre, eher für die U-Bahn-Fahrt zur Arbeit, ohne bleibende Erinnerung an besondere Szenen und neue Ideen.

 

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Fürst der Schatten

Reihe: Dämonicon Bd.1

Autor: Darren Shan

Broschiert: 298 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur (März 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 342663550X

ISBN-13: 978-3426635506

Erhältlich bei: amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.03.2007, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54