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Gaukler von Arnulf Zitelmann

Rezension von Lars Perner

 

In diesem Taschenbuch werden zwei Jugendbücher von Arnulf Zitelmann zusammengefasst: „Unter Gauklern“ und „Vor den Toren von Byzanz“.

„Unter Gauklern“ erschien erstmals 1980 und wurde seitdem mehrmals wieder aufgelegt. Hier schließt der Leser Bekanntschaft mit Martis und seinem Leben als Leibeigener eines Klosters bei Nördlingen. Die Erzählung beginnt dramatisch damit, dass Martis ein Mädchen aus dem Sumpf rettet. Er fühlt sich gleich zu dem Mädchen hingezogen und unterstützt die Fremde, die noch nicht einmal seine Sprache spricht, wo er nur kann. So gelangt er sogar in die Fänge der Inquisition; aus denen er sich aber erfolgreich befreien kann. Auf sich allein gestellt, schlägt er sich durch und gelangt schließlich zu einer fahrenden Gauklertruppe. Glücklicherweise trifft er dort auf das fremde Mädchen und darf bei den Gauklern bleiben, da er auch einige Kunststücke vollführen kann. Mit seinen neuen Freunden erlebt er dann so manches Abenteuer bis sich ihre Wege trennen und er wieder allein aber erfahrener seiner ungewissen Zukunft entgegengeht.

„Vor den Toren von Byzanz“ ist die direkte Fortsetzung von „Unter Gauklern“ und erschien erstmals im Jahre 2003. Martis treibt es wieder nach Hause. Und so kommt er ein Jahr nach den Ereignissen aus „Unter Gauklern“ unvorsichtigerweise wieder in die Nähe des Klosters, wo er als Leibeigener aufgewachsen war. Prompt wird er von den Knechten erkannt und gefangen genommen. Er schließt schon mit dem Leben ab, als wieder einmal sein väterlicher Freund Pater Kosmas ihm hilft. Gemeinsam begeben sie sich auf die gefährliche Reise nach Byzanz. Der Pater verrät aber Martis weder Sinn und Zweck der Reise. Als sie jedoch kurz vor dem eigentlichen Ziel sind überschlagen sich die Ereignisse. Martis trifft erneut Linori, das fremde Mädchen aus „Unter Gauklern“ und möchte sein weiteres Leben mit ihr verbringen. Doch dann tauchen plötzlich Ritter aus der alten Heimat auf. Und die verfolgen dasselbe, geheimnisvolle Ziel wie der Pater. Martis muß sich zwischen dem Leben mit Linori und dem Pater zu helfen entscheiden.

Verbindendes Element beider Jugendbücher ist die Lebensgeschichte von Martis. Der Autor packt alles in die Erzählungen, was es im Mittelalter so Interessantes gab: Während in „Unter Gauklern“ noch klar Ritter und Handelsherren, Hexenverbrennung und Inquisition, usw. im Mittelpunkt stehen, rückt Zitelmann in „Vor den Toren von Byzanz“ die katholische Kirche mit Reliquien – und Heiligenverehrung, sowie verschiedene Mönchsorden aber auch ihre Gegenspieler, die Ketzer und Herätiker in den Vordergrund. Umrahmt wird das Ganze von der Geschichte über die unglückliche Liebe Martis’ zu dem Rom-Mädchen Linori. Und obwohl alles mittelalterlich Interessante enthalten ist, will doch keine Spannung aufkommen.

Arnulf Zitelmann schildert das alltägliche Leben im Mittelalter sehr ausführlich. Dies ist einerseits sehr vielschichtig, führt aber mehrfach zu langatmigen Passagen. Es wird so keine rechte Spannung erzeugt. Auch erscheint die Handlungsabfolge nicht immer plausibel und nachvollziehbar. Einige Szenen bringen die Handlung nicht wirklich voran, sondern dienen nur der Schilderung von Fakten. Der Autor möchte viel vom Mittelalter mitteilen und reiht manches daher nur gedrängt aneinander.

Der gewählte Erzähl- und Sprachstil wirkt nicht zu modern. Er lässt aber die Charaktere auch kein pseudomittelalterliches Kauderwelsch reden. Insoweit liest sich der Text flüssig, wenn nicht die vielen Fachbezeichnungen wären, die dies leider wieder erschweren.

Zu jedem Buch gibt es eine Übersichtskarte, die es dem Leser erleichtert, Martis auf seinen Reisen zu folgen. In kurzen Anhängen wird auf die geschichtlichen Hintergründe eingegangen und einige der vorkommenden Fachbegriffe und nicht mehr gebräuchlichen Bezeichnungen erläutert.

 

Fazit:

Mit „Gaukler“ wurden zwei gute Jugend-Erzählungen über das Alltagsleben im Mittelalter sinnvoller weise in einem Band zusammengefasst. Durch die Detailliertheit dieser Ausführungen dürfte sich jedoch gerade ein an Mittelalterleben interessiertes älteres Lesepublikum an den Erzählungen erfreuen. Die jüngere Generation, für die eigentlich die Erzählungen geschrieben wurden, wird sicher genau dies wieder abstoßen, da zuviel alltägliches und wenig spannendes erzählt wird. Außerdem kommt ohne ein gutes Lexikon zum Nachschlagen der vielen unbekannten Bezeichnungen kein Lesespaß auf. In den kurzen Anhängen wird nur das Notwendigste erklärt.

Eure Meinung:


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Buch:

Gaukler

Autor: Arnulf Zitelmann

Beltz, März 2007

Broschiert, 508 Seiten

ISBN-10: 340774031X

ISBN-13: 978-3407740311

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 16.05.2007, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59