Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Gefährliche Liebe von Suzanne Collins

Reihe: Die Tribute von Panem, Bd 2

Rezension von Christel Scheja

 

In Deutschland ist die 1962 geborene US-amerikanische Autorin Suzanne Collins in erster Linie durch ihre „Gregor“-Reihe bekannt geworden, die sich eher an jüngere Leser richtete. Mit ihrer neuen Saga richtet sie sich nun aber mehr an die älteren Jugendlichen, denn „Die Tribute von Panem“ ist eine keine unbeschwerte Kost um Liebe, Abenteuer und Freundschaft sondern das genaue Gegenteil.

 

Schon der erste Band „Tödliche Spiele“ entführt in eine Welt, die von Kriegen und Naturkatastrophen gezeichnet ist. Die Vereinigten Staaten gibt es nicht mehr, stattdessen ist das Land in zwölf Distrikte aufgeteilt, die alle eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen haben und vom zentral gelegenen Capitol aus regiert werden.

Die meisten Menschen, haben kaum etwas zu essen, da die Lebensmittenzuteilungen sehr gering sind. auch wenn sie tagaus tagein schuften. Auf Technik und Luxus kann nur eine kleine begüterte Klasse zurückgreifen.

Um die Menschen zu beschäftigen und sie in Schach zu halten, wurden die sogenannten „Hungerspiele“ eingeführt, Gladiatorenkämpfe, in denen sich jeweils ein Junge und ein Mädchen aus jedem der Distrikte in einer künstlichen Arena bis zum Tod bekämpfen müssen. Der Sieger hat bis zu seinem Lebensende ausgesorgt und bringt seinem Distrikt für ein Jahr größeren Wohlstand.

Katniss und Peeta haben bei den vierundsiebzigsten Spielen für eine große Überraschung gesorgt. Da sie sich als angebliches Liebespaar geoutet haben, mussten sie sich am Ende nicht gegenseitig töten, sondern durften erstmals aus zwei Sieger die Arena verlassen. Hier setzt „Gefährliche Liebe“ ein.

Wie Katniss schon bald erfahren muss, hat alles seinen Preis und die Rückkehr in ihr vertrautes Leben ist unmöglich. Denn Präsident Snow macht ihr unmissverständlich klar, dass er diese Rebellion gegen die Regeln der Hungerspiele nicht weiter dulden wird. Sie muss die scheinbare Romanze weiterführen, Peeta, den sie eigentlich gar nicht liebt, im Verlauf des kommenden Jahres heiraten und all das tun, was er sonst noch von ihr verlangt, sonst werden andere dafür büßen müssen, allen voran ihre Familie und ihr wahrer Freund Gale.

Doch Katniss ist niemand, der den Kopf in den Sand steckt und nur gehorcht. Sie hält die Augen weiter auf und erkennt, dass Präsident Snow allen Grund hat, sie unter Druck zu setzen. Denn in den Distrikten gärt es, die unterdrückten Menschen stehen kurz vor dem Aufstand. Und da ist jeder Verstoß gegen die ehernen Gesetze und die offene Zurschaustellung von Rebellion nur noch mehr Zündstoff.

So wundert sie sich auch nicht mehr, dass es im folgenden Jahr heißt, dass nicht nur sie, sondern auch Peeta zurück in die Aren müssen, da sich die regierende Oberschicht diesmal etwas ganz Perfides für das Jubiläum ausgedacht hat...

 

„Gefährliche Liebe“ macht genau da weiter, wo „Tödliche Spiele“ aufgehört hat. wie im ersten Band liegt das Hauptaugenmerk der Geschichte auf den Figuren und der düsteren Welt in der sie leben. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass das totalitäre System noch brutaler ist, als man im ersten Band geahnt hat, denn durch die Augen der Heldin bekommt man immer wieder mit, wie mit skrupelloser Härte durchgegriffen wird – zunächst subtil, dann immer offener. Und das ist stellenweise harter Tobak, weniger die physische Gewalt als die offene Skrupellosigkeit, die Snow und Konsorten an den Tag legen.

Diese steht im krassen Gegensatz zu dem schönen Schein, den man den Menschen vorzugaukeln versucht – wie im alten Rom hofft man auch weiterhin mit „Brot und Spielen“ („Panem et Circenses“) die darbenden Massen ruhig zu halten, beseitigen diejenigen, die mit Worten und Taten Rebellion zeigen oder macht sie zu Avoxen, die ihrer Stimme beraubt werden und als Sklaven dienen müssen.

Aber auch Katniss ist gereift. Mehr noch als im ersten Band blickt sie hinter die Kulissen des schönen Scheins, erfährt von den vielen Manipulationen der Geschichte und durchschaut immer besser die Manipulationen der Medien. So erfährt sie nach und nach, dass das Staatsgebilde, in dem sie gelebt hat, nur noch eine leere Hülle ist, der Wille zum Aufständen in immer mehr Menschen wächst.

Ausgerechnet sie ist auch noch zu einer Ikone der Rebellion geworden, und daran ist nicht zuletzt eine Brosche schuld, die sie bereits bei ihren ersten Spielen getragen hat. Doch ernüchtert von dem, was sie erfahren hat, und von Schuld zerfressen, will sie nur noch eines – Peeta retten, der bisher die Unschuld in ihrem Leben verkörpert hat.

War „Tödliche Spiele“ schon düster und grausam, so setzt „Gefährliche Liebe“ noch eines drauf. Man merkt, dass die Autorin sich sehr gut informiert hat, wie totalitäre Regime, die vordergründig Demokratien sein sollen, funktionieren und an welchen Staaten. sie sich orientiert hat – die Sowjetunion fällt einem dabei als erstes ein.

Sie macht durch ihre zukünftiges Szenario deutlich, dass so etwas immer wieder passieren kann und schlägt durch die intelligente Führung der Geschichte, die subtilen Hinweise und Andeutungen auch erwachsene Leser in den Bann.

Vor allem bleibt sie sich selbst treu und präsentiert einen zu der Geschichte passenden Abschluss, der nur wenig mit einem Happy End zu tun hat.

 

Auch „Gefährliche Liebe“ ist ein beeindruckendes Jugendbuch, das eine finstere Zukunftsutopie mit einer Jugendliche wie Erwachsene ansprechenden Geschichte verbindet und dabei vor allem Wert auf subtile Entwicklungen, realistische Beschreibungen und vielschichtige, lebendige Charaktere legt. Wie „Tödliche Spiele“ macht es Lust auf mehr und man kann nur hoffen, dass „Flammender Zorn“ der Abschluss von „Die Tribute von Panem“ genau so sein wird.

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

Durch einen Wechsel der Kommentarfunktion unterscheiden sich diese Einträge von neueren.

Anzeige: 1 - 2 von 2.

allgemeiner
Montag, 27. September 2010 18:18 Uhr
Hallo,
also ich finde ale Gregor-Bücher absolut spitze!!! ICh freu mich schon auf Februar,dann kommt das 4. raus.
Also zum zweiten: Die Geschichte wirkt immer stimmig und unglaubwürdig ist doch klar.das ist ein Fantasybuch....

allgemeiner
Montag, 27. September 2010 18:18 Uhr
Ein richtig tolles Buch!Freue mich schon sehr Band 3 zu lesen.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Gefährliche Liebe

Autorin: Suzanne Collins

Reihe: Die Tribute von Panem, Bd 2

Gebunden, 431 Seiten

Oetinger, erschienen Juni 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Sylke Hachmeister und Peter Klöss

Titelbild von Patricia Malina

ISBN-10: 3789132195

ISBN-13: 978-3789132193

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 27.09.2010, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54