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Gefälschtes Gedächtnis von John F. Case

Rezension von Markus Mäurer

 

Können sie sich noch an ihre Kindheit erinnern. Nicht an irgendwelche Daten, sondern an Gerüche, Geschmäcker oder bestimmte Gefühle. Wie hat es gerochen, wenn ihre Mutter Weihnachtskekse gebacken hat, oder ihr Vater ein neues Bücherregal gezimmert hat. Was haben sie empfunden, wenn sie mit der Familie einen Tag am Strand verbracht haben. Stellen sie sich vor, sie können sich nicht mehr daran erinnern. Immer wenn sie es versuchen, tauchen nur die gleichen emotionslosen Bilder auf. Als hätte man ein Drehbuch zu ihrer Kindheit geschrieben.

Jeff Duran ist Therapeut. Er hat zwei Patienten. Zwei Patienten sind in Ordnung. Nikki und Henrik heißen die beiden, die er mittels Hypnose behandelt. Eines Tages kommt Nikki nicht mehr. Stattdessen steht ihre Schwester Adrienne in der Tür und beschuldigt Jeff des Mordes.

Was ist passiert? Nikki glaubte, aufgrund der Therapie von Jeff, sie sei als Kind, ebenso wie ihre Schwester, von einer Satanistenbande missbraucht worden. Adrienne hält das für Schwachsinn. Sie glaubt Duran habe es ihr eingeredet. Jetzt hat Nikki sich umgebracht. Doch warum hat sie ein Scharfschützengewehr in ihrer Wohnung? Warum beginnt, Duran an seiner Vergangenheit zu zweifeln? Warum glaubt Hendrik, ein Wurm in seinem Herzen gebe ihm Befehle? Und warum, versucht jemand Adrienne umzubringen?

Die Antworten auf diese Fragen liegen in der Vergangenheit von Jeff Duran. Er kann sie nur beantworten, wenn er sich mit Adrienne, der Frau die ihn verklagen möchte, zusammentut.

 

In diesem Buch ist, nichts wie es scheint. Wie die Protagonisten tappt auch der Leser lange im unklaren. Informationen gibt es nur häppchenweise. Man muss mitdenken, um der Handlung folgen zu können. Richtig so. John F. Case versteht es gut, seine Leser mitzureißen, sie zu fordern, ohne dass es anstrengend oder langweilig wird. Er konzentriert sich vor allem auf die beiden Hauptfiguren Jeff und Adrienne, aus deren Perspektive die einzelnen Kapitel erzählen. Er verleiht ihnen tiefe. Macht sie dem Leser greifbar und bietet sie als Identifikationsfiguren an. Das alles bettet er in eine spannende Verschwörungsgeschichte ein, die sich für den Großteil der Geschichte aber dezent zurücknimmt.

Eine weitere Hauptfigur ist das menschliche Gedächtnis. Wie sicher sind unsere Erinnerungen. Sind es überhaupt unsere, oder sind es nur Erinnerungen an Erinnerungen. Erinnerungen, die aus Erzählungen, Fotos oder Büchern entstanden sind, die wir uns aber angeeignet haben.

Jeff und Adrienne sind keine Helden, die knallhart und mit Nerven aus Stahl agieren. Sie sind zwei ganz normale Menschen, die einfach herausfinden wollen, was zum Teufel da passiert. Es ist amüsant, zu sehen, wie Adrienne zwischen den Anschlägen auf ihr Leben, versucht ihr Berufsleben am Laufen zu halten und wie sie sich über Strafzettel ärgert. Das sind keine Helden, die nach der Erledigung der Bösewichte, einfach in den Sonnenuntergang reiten, sondern Menschen die weiterhin ihre Rechnungen zahlen müssen.

»Gefälschtes Gedächtnis« ist ein spannender Thriller, der es schafft, trotz einer großangelegten Verschwörungstheorie, stets am Boden zu bleiben und mit seinen Hauptfiguren, realistische Identifikationsfiguren bietet.

 

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Gefälschtes Gedächtnis

Autor: von John F. Case

Broschiert: 528 Seiten

Verlag: Lübbe; Auflage: 1 (15. Januar 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3404267753

ISBN-13: 978-3404267750

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 12.11.2008, zuletzt aktualisiert: 03.04.2021 13:26