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Herrscher der Gezeiten von Nichola Reilly

Rezension von Christel Scheja

 

Nichola Reilly kennt die Gewalt des Meeres aus eigener Erfahrung, wuchs sie doch an der Küste von New Jersey auf. Sie liebt nicht nur Geschichte von Disney, sondern auch Zombies und kann von Schokolade nicht genug bekommen. Der erste Roman, der von ihr in Deutschland erscheint ist nun „Herrscher der Gezeiten“.

 

Vor langer Zeit wurde die Erde überflutet und die wenigen Überlebenden fristen ihr Dasein in abgeschlossenen Enklaven, immer wieder bedroht von den Monstern aus der See und den Gewalten des Meeres. Ihre Gesellschaft ist streng durchorganisiert, jeder hat einen Platz, der ihm zugeteilt wurde. Noch ist Coe nicht alt genug, um an den Rand des Plateaus abgeschoben zu werden, auf den sich die Menschen bei der Flut flüchten, aber sie weiß, dass der Tag kommen wird und sie dann vermutlich nicht mehr lange zu leben hat.

Denn Platz und Nahrung sind knapp auf der Insel, so dass man unerwünschte Mitglieder der Gemeinschaft gerne los wird, so wie die verkrüppelte Coe, die in den Augen vieler nichts wer ist. Der mutige und nur wenige Monate ältere Tiam ist einer der wenigen, die noch zu ihr halten, doch das Schicksal scheint ihr nicht gewogen zu sein.

Dann aber ändert sich alles. Als der alte König der Insel im Sterben liegt, wird Coe überraschend von der Prinzessin ins Schloss eingeladen und erfährt dort nach und nach Dinge, die ihr ganzes Leben erschüttern … aber das Mädchen auch dazu bringen, ihre Zukunft nun endlich in die eigene Hand zu nehmen …

 

Nicola Reilly verbindet in ihrem Roman zwei aktuelle Trends miteinander: Zum einen schildert sie eine dystopische Gesellschaft, die ihre Mitglieder hart behandelt, zum anderen hat die Handlung märchenhafte Anklänge, schon allein wenn man von dem König und seiner Tochter, der Prinzessin liest.

Das Setting ist natürlich alles andere als süß und rosafarben, eher schmutzig und grau, voller Gewalt und Hass. Die Menschen sind hart geworden, was man an ihrem Umgang miteinander merkt. Und auch die Heldin ist eher eine pragmatische junge Frau als eine romantische Träumerin. Sie hat nur wenige Hoffnungen und kann gute Dinge, die ihr widerfahren erst einmal gar nicht begreifen.

Die Handlung selbst bietet keine besonderen Überraschungen, denn die Autorin benutzt einen nur all zu vertrauten Plot und man weiß früh, wo ihre besonderen Gaben liegen, die sie so anders als der Rest der Inselbewohner machen. Auch die Liebesgeschichte folgt einem bekannten Schema und wirkt gelegentlich etwas aufgesetzt. Das liebt vermutlich daran, dass Tiam nur wenig Profil entwickelt und bis zum Ende hin blass bleibt. Zwar hat er die typischen Eigenschaften eines romantischen Helden – mutig im Leben und einfühlsam zur Heldin zu sein, aber darüber hinaus entwickelt er sich nicht.

Die Stärke der Geschichte liegt eher in ihrem Szenario und der Entwicklung der Heldin, das alles liest sich glaubhaft und wird in klaren Bildern vermittelt, so dass man regelrecht enttäuscht ist, wenn das Buch endet. Denn ein Cliffhanger deutet darauf hin, dass es mindestens noch eine Fortsetzung gibt, in der sich die restlichen Geheimnisse aufklären werden.

 

Alles in allem bietet „Herrscher der Gezeiten“ zwar eine eher konventionelle Geschichte, die aber mit einem faszinierenden Szenario und unterhaltsamen Ideen aufwarten kann. Allein die Liebesgeschichte kann nicht wirklich überzeugen und das offene Ende lässt den Leser etwas unzufrieden zurück.

 

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Eure Meinung:

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MEDIUM:

Herrscher der Gezeiten

Autorin: Nichola Reilly

Übersetzung aus dem Englischen von Constanze Suhr

Darkiss/Mira, erschienen Januar 2015

Gebunden, 352 Seiten

ISBN-10: 3956491068

ISBN-13: 978-3956491061

Erhältlich bei: Amazon

Kindle Edition

ASIN:B00KB1LPX4

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Erstellt: 20.06.2015, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59