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His Father’s Son von Bentley Little

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Ach ja – der Sommer ist vorüber, der Herbst steht vor der Tür … und damit auch ein neuer Bentley Little-Roman. Pünktlich wie die Maurer liefert der aus dem Bundesstaate Arizona stammende Amerikaner praktisch jedes Jahr und zur gleichen Zeit ein neues Werk ab – mindestens. Leider jedoch nicht immer von gleich bleibender Qualität. Das Little es versteht, seiner geneigten Leserschaft eine Heidenangst einzujagen, dürfte inzwischen auch nach Good Old Germany gedrungen sein, wo mit gewaltiger Verzögerung einige seiner Elaborate in übersetzter Form erschienen und größtenteils auch positiv aufgenommen worden sind. Doch wie bereits erwähnt, weichen seine letzten Werke in qualitativer Hinsicht teilweise doch sehr voneinander ab – ein Umstand, der sicherlich noch schwerwiegender sein dürfte, wenn man mit Littles Klassikern vom Schlage The Store (1996) oder The Ignored (1997) vertraut ist; beides übrigens Paradebeispiele für modernen, originellen und intelligenten Horror, der jedoch gleichzeitig keinen Halt vor Tabuthemen macht.

 

Und auch diesmal gibt es mindestens zwei Stellen, bei denen selbst erprobtesten Genreexperten die Nackenhaare zu Berge stehen werden – oder ihnen zumindest ein angewidertes Kopfschütteln entlocken wird. Doch welche Stellen dies genau sind, wird natürlich nicht verraten. Nur so viel: was das Bizarre und Groteske angeht, da macht wohl keiner Little etwas vor. Doch worum handelt »His Father’s Son« eigentlich? Der Titel deutet es ja schon an – um die Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater und die Frage, ob wir wirklich alles über einen uns nahe stehenden Menschen zu wissen glauben. Steve Nye, der Protagonist in Littles aktuellem Roman, wir mit ebendieser Frage konfrontiert, als er eines Tages einen Anruf von seiner Mutter erhält; einer reichlich egozentrischen und ziemlich bibelfesten älteren Dame. Die Neuigkeiten, welche sie für ihren Sohn parat hält, sind alles andere als erfreulich: Steves Vater liegt im Krankenhaus. Verdacht auch fortgeschrittene Demenz. Eine Aussicht auf Heilung? Gibt es nicht. Lediglich ein Verzögern der heimtückischen Krankheit, die Steves Vater zusätzlich noch dazu gebracht hat, seine Ehefrau anzugreifen.

Doch liegt es wirklich nur an geistiger Beeinträchtigung, dass ein unscheinbarer Autoverkäufer von jetzt auf nachher auf seine langjährige Ehefrau losgeht und nach ihrem Leben trachtet? Aus irgendeinem Grund zweifelt Steve sehr stark an dieser Theorie. Schon kurz darauf erhalten seine Zweifel zusätzliche Nahrung, als sein Vater während einer Phase des geistigen Klarseins drei verhängnisvolle Wörter flüstert: „Ich habe sie getötet …“

Ist Steves Vater demnach ein Mörder? Sind dessen Taten der Grund, warum die Nyes ständig umgezogen sind und Steves Mutter sich so zugeknöpft gibt? Angetrieben von seiner eigenen Neugier und Ungewissheit, fängt Steve in der Vergangenheit seiner Familie zu forschen an – und entdeckt sehr bald, wie wahr das alte Sprichwort „Wie der Vater, so der Sohn“ sein kann … oder?

 

Anders als bei dem Gros seiner Publikationen, haftet „His Father’s Son“ diesmal nichts Übernatürliches bei – auch wenn dies Little den Leser auf raffinierte Art und Weise mehrmals glauben lassen möchte. Teilweise entfernt sich der Autor sogar von seiner patentierten Erfolgsformel und betritt neues literarisches Terrain. Zwar nicht mit durchschlagendem Erfolg, da ein Teil des Romans durchaus Längen besitzt und dadurch der Lesefluss ein paar Mal unschön ins Stocken gerät, doch unterm Strich weitestgehend kurzweilig. Das sich der eigentliche „Held“ des Romans, Steve, mit zunehmender Handlung immer mehr in einen Kotzbrocken beziehungsweise einen immer verwirrteren jungen Mann verwandelt, trägt ebenfalls zur Spannung bei. Wie auch das vertrackte Verwirrspiel, das Little genüsslich ausbaut und erst auf den finalen Seiten mit einer Konklusion á la Sixth Sense oder Unbreakable preisgibt – ob zufrieden stellend oder nicht, sei mal dahingestellt.

 

Fazit:

„His Father’s Sohn“ gehört sicherlich nicht zu Bentley Littles ganz großen Würfen, doch nach seinen letzten, eher unbefriedigenden Werken, ist sein nunmehr zwanzigster Roman ein solider, unterhaltsamer Hybride aus Horror und Thriller geworden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Formkurve zeigt aber auf jeden Fall wieder nach oben!

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Buch:

His Father’s Son

Autor: Bentley Little

Taschenbuch, 384 Seiten

Signet, 1. September 2009

Sprache: Englisch

 

ISBN-10: 0451227778

ISBN-13: 978-0451227775

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.11.2009, zuletzt aktualisiert: 17.09.2020 17:33