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Hohelied des Blutes von Anne Rice

Rezension von Carsten Kuhr

 

Vor einiger Zeit ging die Meldung durch die Medien, dass Bestseller-Autorin Anne Rice künftig nur mehr christliche Werke verfassen würde. Mit vorliegendem Roman beendet sie nach persönlichen Schicksalsschlägen daher ihre Vampir- Saga. Über die Jahrzehnte haben mich die Romane um Lestat, seine Freunde, Feinde und Verwandte sowie die Mayfair-Hexenfamilie und dem Orden der Talamasca begleitet. Diesmal führt die Autorin, in einem ungewöhnlich saloppen Stil die Handlung aus ihrem letzten Band - Blackwood Farm - nahtlos fort. Lestat trifft auf Rowan und verliebt sich unsterblich in die Hexe. Doch da hat Juliens Geist auch noch ein Wörtchen mitzureden. Auch das Rätsel um die Taltos wird erneut aufgegriffen. Nachdem Mona Mayfair von Lestat zur Vampirin transformiert wurde, sucht sie nach ihrer verschwundenen Taltos-Tochter. Das grosse Finale sieht die meisten offenen Fäden verknüpft, dennoch so manche Frage offen.

 

Ist das Hohelied des Blutes der krönende Abschluss einer, in ihrer Zeit bahnbrechenden Vampir-Saga, oder doch ein eher lauer Aufguss der üblichen Themata Rices? Die Antwort auf diese Frage fällt mir schwer. Es gibt Passagen im Roman, da kommt atemlose Spannung auf, da werden Geheimnisse installiert und gelöst, die mich an die Seiten bannten. Da verstand es die Autorin die besondere Atmosphäre New Orleans, die jeder, der einmal das French Quater besucht erlebt hat auf ihre Seiten zu transferieren.

Dann aber gab es Kapitel, die langweilten. Vielleicht entspreche ich auch nicht der typischen, vornehmlich weiblichen Zielgruppe, an die sich die Romane Rices die diese in den letzten Jahren publiziert hat richteten. Mich interessieren absätzelange, detailbesessene Beschreibungen der reich verzierten, verführerischen Abendroben der Damen und der massgeschneiderten dreiteiligen Leinenanzüge der Herren ebenso wenig, wie mich die hochstilisierten, nicht nachvollziehbaren Lobpreisungen auf die mittel High Heels strammen Frauenwaden oder schwellenden Muskeln der Herren überzeugten. Auch das ständige Hohelied auf hochgeistige Errungenschaften, angefangen von literarischen Zitaten, über das verkündete Entzücken, das die Personen beim Anblick von Malereien überkommt bis hin zu überlagen Lobpreisungen von Architektonischen Details wirkte in ihrer Massierung eher ermüdend als fesselnd. Das passte dann auch eher wie die Faust aufs Auge angesichts der gewalttätigen, brutalen, so gar nicht kultivierten Art und Weise, wie Lestat unter Drogendealern aufräumt. So pendelt der Roman zwischen Extremen hin und her, kann sich nicht richtig entscheiden, ob er den ersten Werken der Autorin verhaftet den Schwerpunkt auf eine spannende, mysterienreiche Handlung legen soll, oder ob eher ein von Elementen des Frauenromans geprägter Text angestrebt wird. Eine gelungene Synthese zumindest ist dies nicht, weder Fisch noch Fleisch und letztlich ein enttäuschendes Ende einer zumindest zu Anfang bestechenden Saga.

 

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Hohelied des Blutes

Autorin: Anne Riece

Übersetzt von: Barbara Kesper

Gebundene Ausgabe - 600 Seiten - Hoffmann & Campe

Erscheinungsdatum: April 2006

ISBN: 3455062687

Erhältlich bei Amazon

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Erstellt: 01.05.2006, zuletzt aktualisiert: 02.11.2017 18:47