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Im Auge des Winters von Dan Simmons

Rezension von Markus Mäurer

 

Der Sommer ist vorbei. Die Jugend auch. Dale Stewart ist inzwischen 52 und kehrt zum ersten Mal nach Elm Haven zurück. Jenem Ort in dem dieser denkwürdige „Sommer der Nacht“ stattfand. Damals hielt das Böse Einzug in die amerikanische Kleinstadtidylle, und nur Dale und seine Freunde hielten dagegen. Nun scheint das Böse wieder Einzug zu halten.

Dale ist inzwischen Collegeprofessor und ein leidlich guter Schriftsteller von belangloser Abenteuerliteratur. Von seiner Familie getrennt, von der Geliebten verlassen und vom Leben enttäuscht kehrt er nach Elm Haven zurück. Dort will er ein Jahr lang auf der Farm seines Freundes Duane verbringen, der in jenem besagten Sommer getötet wurde. Dale will dort ein Buch über eben jenen Sommer schreiben.

Dort angekommen trifft er auch einige alte Bekannte wieder. Z. B Michelle Staffney den ehemaligen Schwarm aller Jungs. Auch C.J. Congden steht auf der Matte. Jener Schläger, der Dale einst mit einem Gewehr bedrohte. Dazu kommt noch eine Horde Skinheads und einige schwarze Hunde, die Dale einfach nicht in Ruhe lassen wollen.

Auch kommt es zu einigen unheimlichen Vorkommnissen auf der verlassen Farm, die Dale an seinem Verstand zweifeln lassen.

 

„Im Auge des Winters“ ist kein Roman in der Tradition von „Sommer der Nacht“, sondern in der Tradition von Henry James. Eine Geschichte in der nicht wirklich klar ist, ob das Böse eine real existierende Bedrohung ist oder nur in der Vorstellung des Protagonisten stattfindet. Fakt ist, dass es eine Bedrohung für Dale ist, der allerdings auch schwerdepressiv ist und Psychopharmaka nimmt. Fakt ist auch, das es vor 40 Jahren eine reale Bedrohung durch dämonische Wesen in Elm Haven gab. Die Frage ist nun, in welcher Form Dale gegen die Dämonen seiner Vergangenheit ankämpft. In Rückblenden erfahren wir mehr über das Leben von Dale, das ihn, in keinem sehr positiven Licht dastehen lässt. Ein gefallener Held, der als Kind eine alte ägyptische Gottheit bezwang, im normalen Leben aber dann gescheitert ist.

Wie gesagt kein Roman in der Tradition von „Sommer der Nacht“. Was aus den alten Kumpels von der Fahrradpatrouille geworden ist, wird in einem Satz abgehandelt. Duane taucht zwar als erzählender Widergänger auf, aber da er tot ist, gibt es über ihn nicht viel zu berichten. Einzig einige neue Einzelheiten aus seiner Zeit als Lebender flechtet Simmons mit ein, um Duanes Genialität weiter herauszustellen. Eine notwendige Prämisse, ohne die die Geschichte nicht funktionieren würde.

Simmons gelingt es durchaus eine bedrohlich winterliche Atmosphäre zu schaffen, und das Abgleiten Dales aus der Realität eindrucksvoll darzustellen. Leider wird die Atmosphäre immer wieder durch scheinbar unnötige Rückblenden unterbrochen. Rückblenden deren Zweck sich erst am Ende der Geschichte herausstellt.

 

„Im Auge des Winters“ ist eine durchaus gelungene atmosphärische Gruselgeschichte. Als Quasi-Fortsetzung von „Sommer der Nacht“ aber eine Enttäuschung. Denn die eigentliche Geschichte würde auch ohne das Elm-Haven-Setting funktionieren. Das hat Simmons wohl nur als kleines Schmankerl mit reingepackt.

 

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Im Auge des Winters

Autor: Dan Simmons

Broschiert: 397 Seiten

Verlag: Heyne; Auflage: 1 (November 2006)

ISBN: 3453521420

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.11.2006, zuletzt aktualisiert: 12.07.2019 15:15