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Im Dunkeln der Tod von Mari Jungstedt

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Die schwedische Kleinstadt Visby wird erneut Schauplatz eines brutalen Mordes. Der populäre Kunsthändler und Gallerist Egon Wallin wird im unmittelbaren Anschluss an eine prominent besetzte Vernissage in seiner Galerie erdrosselt und an einem großen Tor in gehängter Position öffentlich zur Schau gestellt. Während die Medien den Fall mit intensiver Berichterstattung versehen, suchen Kommissar Anders Knutas und seine Kollegen nach ersten Hinweisen, tappen aber gänzlich im Dunkeln. Prekär an der Sache: Wallin plante ohne das Wissen seiner Frau, in Kürze umzuziehen und die Ehe scheiden zu lassen.

Als wenige Tage später ein wertvolles Gemälde aus einem Stockholmer Museum entwendet wird und auch in Wallings Gemächern Hehlerware aufgefunden wird, nimmt der Fall für Knutas völlig neue Dimensionen an. Hinzu kommen undurchsichtige Kontakte zur Schwulenszene, die unmittelbar mit dem Fall in Zusammenhang stehen. Je weiter die Ermittlungen jedoch fortschreiten, desto größer wird der Druck für die Beamten. Dien Situation entlarvt sich als tickende Zeitbombe, und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der Mörder und Kunstdieb zum nächsten Mal zuschlägt.

 

 

Rezension:

In „Im Dunkeln der Tod“ belebt Mari Jungstedt ihren offenkundigen Antihelden Anders Knutas bereits zum vierten Mal, stellt ihn allerdings nicht mehr so recht in den Mittelpunkt des Interesses. Ihr neuer Roman steht nämlich ganz im Zeichen einer ziemlich bunten Verquickung ganz unterschiedlicher Charaktere, die allesamt mehr oder minder direkt in den Mordkomplott involviert sind, so dass ihr Handeln insgesamt einem überdimensionalen Puzzle gleicht.

Knutas hingegen fungiert neben seiner Roller als Ermittler in erster Linie als das Gerüst, welches die einzelnen Beziehungen und den Plot im Allgemeinen beisammen hält. Er knüpft die Kontakte, stößt Türen auf, stellt Verbindungen her und neigt bei seinem recht sachgemäßen Vorgehen auch gerne mal zu zickigem Verhalten, bleibt aber hierbei stets menschlich und trotz seiner fehlenden Identifikationsmerkmale ein echter Sympathieträger.

 

Die aktuelle Kriminalgeschichte aus der Feder Jungstedts jedoch funktioniert als echter Genre-Beitrag eigentlich nur beiläufig. Viel zu stark ist die Handlung auf zwischenmenschliche Emotionen und Tragödien ausgelegt, die an dieser Stelle zwar nicht pathetisch ausgelebt werden, alles in allem aber das eigentliche Wesen der Story maßgeblich prägen. Erstaunlicherweise sind die Schicksale heuer aber vor allem auf Seiten der bekannten Akteure aktiv. So muss sich Knutas beispielsweise mit dem Gedanken herumquälen, dass seine geschätzte Kollegin Karin ihre Versetzung plant, während Reporter Johan Berg, einst noch beinahe bei seinen Recherchen ums Leben gekommen, nun dem Glück der Ehe entgegensieht. Im Grunde genommen sind diese Themen nicht wirklich außergewöhnlich, erleben aber im Laufe der Handlung eine Entwicklung, die bis zuletzt höchstdramatisch ist und die Arbeiten am Fall bzw. die Geschichte als solche deutlich ausfüllen – und gerade auf den letzten Seiten noch einmal einige rasche Wendungen nehmen.

 

Die Aspekte des Kriminalfalls indes sind dieses Mal leider nicht ganz so gut ausgearbeitet. Jungstedt arbeitet in „Im Dunkeln der Tod“ stellenweise recht chaotisch und sprunghaft. Situationen und Szenen werden häufig nur kurz angeschnitten, im weiteren Verlauf aber partiell recht inkonsequent weitergeführt. Manche Indizien der Spurensuche werden beispielsweise gar nicht mehr herangezogen, obschon sie für den Fall sicherlich von großer Bedeutung sind. Hier sei exemplarisch der Background des ermordeten Wallin genannt, zu dem viel gesagt, aber kaum etwas für die Forcierung der Spannung aufgegriffen wird. Derartige Kleinigkeiten häufen sich im Rahmen der Handlung, und hier gerade zu Beginn, und erschweren auch den Zugang zum kriminalistischen Puzzlespiel, unter anderem auch weil man die Zusammenhänge zwischen den zahlreichen Figuren nicht so recht deuten kann. Der Unmut darüber wird erst im Schlussviertel wirklich ausgebügelt, als die Autorin den Plot plötzlich noch einmal zu einem brillanten Thriller anstachelt und der Inhalt mit einem Male richtig deftig wird. Die zuvor bemerkten Versäumnisse allerdings kann Jungstedt dadurch nicht ganz kaschieren, selbst wenn die letzten Schritte der Handlung für ein wenig Langatmigkeit in der Mitte versöhnlich stimmen. Insgeheim aber bleibt der Eindruck, dass die Autorin manchmal zu viel wollte und den Fokus ein wenig aus den Augen verlor.

 

 

Fazit:

„Im Dunkeln der Tod“ ist ein anständiger Kriminalroman einer sicherlich sehr guten Krimiautorin, gleichzeitig aber auch ein gutes Beispiel dafür, was geschieht, wenn Zwischenmenschliches in diesem Genre Überhand nimmt. Wäre der Plot nämlich an manchen Stellen nicht durch die emotionalen Laster der Hauptdarsteller verwässert worden, hätte man es hier mit einer beispielhaften, ausnahmslos spannenden Kriminalgeschichte zu tun. Dennoch: Ein lesenswerter Roman bleibt Jungstedts viertes Werk trotz den dezenten Schwächen allemal.

 

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Im Dunkeln der Tod

Autor: Mari Jungstedt

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Verlag: Heyne (22. Februar 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453265580

ISBN-13: 978-3453265585

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.03.2008, zuletzt aktualisiert: 18.07.2017 18:11