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Im Schattenwald von Matt Haig

Rezension von Bine Endruteit

 

Gerade noch sind Samuel und seine Schwester Martha zusammen mit ihren Eltern auf dem Weg zu einer ganz besonderen Sache. Sie wissen nicht genau wohin, denn es soll eine Überraschung für Martha sein, die Geburtstag hat. Doch schon im nächsten Augenblick passiert ihnen das Schlimmste, was sie sich nur vorstellen können. Bei einem Autoumfall sterben ihre Eltern. Die beiden Kinder bleiben unverletzt, aber nichts wird mehr so sein, wie es mal war. Martha hat seit diesem Tag nicht mehr geredet und auch Samuel fühlt eine Traurigkeit in sich, die ihn die ganze Welt mit einem trüben Blick betrachten lässt. Eine Woche lang sind die beiden bei einer Nachbarin untergebracht, dann bekommen sie Post von ihrer Tante Eda aus Norwegen. Sie ist die Schwester ihrer Mutter gewesen, aber sie haben sie nie kennen gelernt, weil es immer Gründe gab, sich nicht zu besuchen. In Norwegen angekommen, stellt Samuel schnell fest, dass es ihm dort nicht gefällt. Tante Eda ist irgendwie komisch, das Haus liegt ihm zu weit draußen und einen Fernseher gibt es auch nicht. Was soll man bloß in so einer langweiligen Umgebung machen? Der Wald wurde ihm von seiner Tante strengstens verboten, dort kann er also auch nicht spielen. Und eines Nachts erfährt er auch, warum das so ist, denn er sieht düstere Wesen auf Pferden aus dem Dickicht kommen, die einen lustig singenden Gesellen einfangen und mit ihm zurückkehren in den Wald. Diese Wesen, die er da gesehen hat, kommen ihm vertraut vor, denn er kennt sie bereits aus seinen Albträumen. Nun weiß er also, warum er dieses Gebiet meiden soll.

 

Doch Martha sieht das anders. Sie ist so von Trauer zerfressen, dass ihr der Schattenwald seltsam einladend vorkommt. Samuel versucht, sie zurückzuhalten, aber sie ist zu schnell und so folgt er ihr in das dichte Grün, um sie vor der Dunkelheit zu retten. Ihre Tante bleibt vor dem Wald zurück, aber sie trifft ihre eigenen Vorsichtsmaßnahmen, um den Kindern zu helfen, denn diese kommen nicht mehr aus dem Schattenwald heraus. Und da ihr das schon zehn Jahre zuvor mit ihrem Mann passiert ist, kann sie es nicht dulden, auch die Kinder zu verlieren.

 

Samuel und Martha hingegen erleben getrennte Abenteuer im Schattenwald, sie sollen sich erst zum Ende der Geschichte wieder treffen. Samuel hat nur zum Ziel, seine Schwester zu finden und sie wieder aus dem Schattenwald zu führen, die aber scheint wie vom Erdboden verschluckt. Zum Glück hat er auf dem Dachboden seiner Tante ein Buch gefunden, das ihm hilft, sich zurechtzufinden. Hier gibt es Beschreibungen aller Geschöpfe des Waldes, die besonders nützlich sind, da sie auch ihre Schwächen aufzeigen. So trifft er zum Beispiel auf einen Wahrheits-Pixie. Dieser versucht, ihn mit einer Suppe zu vergiften. Würde er sie essen, würde sein Kopf anschwellen, bis er platzt. Doch der Wahrheits-Pixie muss immer die Wahrheit sagen und kann nicht lügen. Dank dieses Wissens kann Samuel nicht nur der Vergiftung entgehen, sondern bekommt auch noch nützliche Informationen. Wird Samuel jetzt seine Schwester finden? Und können die beiden Kinder dem Schattenwald entfliehen?

 

„Im Schattenwald“ ist das erste Kinderbuch von Autor Matt Haig. Es ist ein ausgesprochen gelungenes Werk, das sich durch eine äußerst fantasievolle Geschichte auszeichnet, die Humor und Tragik gekonnt miteinander verbindet. Es passieren wahrlich grauenhafte Dinge wie zum Beispiel der Tod der Eltern, aber Haig gelingt es, diese so zu „verpacken“, dass sie trotzdem nicht zu dramatisch wirken. Sein Humor ist glänzend. Alleine die Idee der Trollfamilie, in der jedes Familienmitglied nur eine Augenhöhle hat und sie sich einen Augapfel teilen müssen, bringt den Leser nicht nur einmal zum Lachen. Dann hat er zwei Stellen eingebaut, in denen er sich höchstpersönlich einmischt und dem Leser sagt, was als nächstes im Buch vorkommt, und ihm vorschlägt, die Passage einfach zu überblättern, falls er die Person, um die es geht, nicht mögen sollte. Als Stilmittel hat er in einem anderen Kapitel einen Dialog eingebaut, der wie ein Theaterstück konstruiert ist. Diese Kreativität alleine macht den Roman schon zu einem einzigartigen Werk, dazu kommt aber noch die wirklich gute Story.

 

Der Leser begleitet abwechselnd Samuel, Martha und Tante Eda durch das Abenteuer. Dabei sind die Kapitel um Martha mit einer besonderen Qualität ausgezeichnet, da sie ja ohne jedes gesprochene Wort des Mädchens auskommen müssen, schließlich spricht sie seit dem Tod der Eltern nicht mehr. Die beiden Kinder sind ausgesprochen liebevoll ausgearbeitet. In all ihrer Tragik lernen sie nach und nach, wieder glücklich zu sein. Sie entdecken, was wichtig ist im Leben, und dass es sich trotz ihres großen Verlustes lohnt, weiterzuleben. Auch der Bösewicht des Buches ist originell erdacht. Er ist nicht von Anfang an böse, sondern ist erst im Laufe seines Lebens zu dem geworden, was er ist.

 

Lediglich das Ende des Buches kommt etwas zu plötzlich. Hier überschlagen sich die Ereignisse und Haig nimmt sich nicht mehr die nötige Zeit, um die Kapitel ausreichend auszuarbeiten. Trotzdem handelt es sich bei „Im Schattenwald“ um ein außergewöhnlich originelles, fantasiereiches und spannendes Buch, das einige neue Variationen der bekannten Fantasy enthält. Ein absolut lesenswertes Werk.

 

Eure Meinung:

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Sonja
Samstag, 17. März 2007 11:22 Uhr
ich liebe dieses Buch!

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Buch:

Im Schattenwald

Autor: Matt Haig

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten

Verlag: Cbj (2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3570132323

ISBN-13: 978-3570132326

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 17.03.2007, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 11:00