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Im Zeichen des Qin von L.G. Bass

Rezension von Christel Scheja

 

Sagen, Märchen und Legenden als Hintergrund für eine Fantasy-Geschichte zu verwenden hat in der westlichen Fantasy schon Tradition, man denke nur an die unendlich vielen Romane und Erzählungen über König Artus und seine Ritter, oder aus der nordischen und keltischen Sagenwelt.

Nur wenige Autoren wagen sich jedoch etwas weiter und verlassen den westlichen Kulturkreis, um sich einer anderen Mythologie zu bedienen, man denke nur an Ashok K. Bankers "Ramayana"-Zyklus.

 

Auch die amerikanische Autorin L. G. Bass geht diesen Weg. Sie bedient sich der chinesischen Sagenwelt, um ihre Geschichte zu erzählen und neben manchen vertrauten Gestalten lernt der Leser nun auch noch viele neue Aspekte der fernöstlichen Mythologie kennen.

 

Unter dem tyrannischen Kaiser Han regieren Korruption und Ungerechtigkeit. Die armen Menschen leiden unter habgierigen Beamten, werden von verlogenen Richtern verurteilt oder von Verbrecherbanden ausgeplündert, und niemand unternimmt etwas dagegen. Die meisten verlieren langsam die Hoffnung, denn eine Änderung zum Guten scheint nicht in Sicht. Wie können die wenigen Banditen aus dem Shangdong etwas erreichen, wo sie doch mit dem "Zeichen des Qin" gebrandmarkt sind und damit Freiwild?

Da wird dem Kaiser ein Sohn geboren, der das Zeichen des Qin als Muttermal trägt. Obwohl Han seine Gemahlin verstößt und ihr den Tod androht, wenn sie etwas verlauten lässt, dringt die Kunde zusammen mit anderen guten Vorzeichen an die Öffentlichkeit, und der kleine Prinz Zong wird als neue Hoffnung vom Volk bejubelt. Das Kind hat ohnehin etwas Besonders an sich, denn es wächst innerhalb weniger Tage vom Säugling zu einem Kleinkind heran.

Der Kaiser versucht sein Kind zu töten, ehe sein Ruf zu mächtig wird und ihn stürzt, doch er muss feststellen, dass längst andere Mächte den Jungen wie auch seine Mutter unter ihren Schutz gestellt haben, denn der Prinz wird vor seinen Augen entführt.

Die himmlischen Mächte wissen längst, dass der Konflikt zwischen Gut und Böse, den sie mit Yamu, dem Herrn der Hölle ausfechten auch auf die Menschenwelt übergreift und der kleine Prinz eine Schlüsselrolle in den folgenden Auseinandersetzungen spielen wird.

Deshalb lassen sie ihn schneller heranwachsen und senden ihm mit dem Affen einen Wächter, der den Jungen mit aller Kraft beschützen soll. Die Mutter Zongs findet unter den Banditen des Qin und in dem tätowierten Mönch mächtige Freunde.

Doch ist der Affe, der bisher im Himmel immer nur Ärger machte und keinerlei Verantwortungsgefühl besitzt, wirklich der beste Beschützer und Lehrmeister für den kleinen Prinzen, der nun fern des heimatlichen Palastes allen bekannten Gefahren ausgesetzt ist, menschlichen Feinden, die die alte Ordnung aufrecht erhalten wollen ebenso wie den Dämonen der Unterwelt, die immer zahlreicher erscheinen?

 

"Die Rebellen vom Liang-Schan-Moor", "Die Reise nach Westen" und noch so manches andere Element der chinesischen Mythenwelt ist auf verschlungenen Wegen in den Westen gelangt, und in den letzten Jahren vor allem durch die Manga-und-Anime-Welle und oder aktuelle Blockbuster wie "House of Flying Daggers", "Tiger and Dragon" und "Hero" in das Bewusstsein der Leser gerückt.

L. G. Bass begeht nicht die Fehler, sich sklavisch an eine der großen Legenden zu halten oder einem historischen Hintergrund zu folgen, statt dessen vermischt sie die klassischen Elemente zu einer ganz neuen und eigenständigen Geschichte, die manchmal auch etwas vom Vertrauten abweicht.

Dabei bedient sie sich des selben distanzierten und facettenreiches Erzählstils, den auch schon Tolkien benutzte, um die Märchenhaftigkeit seines Stoffes hervor zu heben. Trotzdem ist die Geschichte spannend und lebendig erzählt, man fiebert förmlich mit dem jungen Prinzen und seiner Mutter mit - ob und wie die beiden und ihre Verbündeten es schaffen werden, die Mächte des Bösen sowohl in menschlicher wie auch unsterblicher Form in ihre Schranken zu verweisen. Nachteil ist dabei nur, dass "Im Zeichen des Qin an der spannendsten Stelle abbricht - zwei Folgebände wollen auch noch mit Abenteuern gefüllt werden.

Auch wenn ich mir ein längeres Nachwort mit ausführlicheren Erklärungen zu den Legenden und Sagen gewünscht hätte, auf die sich die Autorin bezieht, so findet sich der unerfahrenere Leser ohne Kenntnisse chinesischer Mythen schnell in den Text ein.

 

"Im Zeichen des Qin" bietet somit nicht nur Kindern und Jugendlichen Lesevergnügen, sondern auch älteren Lesern, die sich gerne noch einmal in eine exotische Welt entführen lassen, die sie selber nur in Ansätzen kennen.

 

Eure Meinung:

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carinho
Montag, 23. Januar 2006 17:53 Uhr
es ist ein super buch

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Buch:

Im Zeichen des Qin

Autor: L.G. Bass

Gebundene Ausgabe - Arena

Erscheinungsdatum: Januar 2005

ISBN: 3401053701

ab 12 Jahre

Outlaws of the Moonshadow March - Sign of the Qin, 2004

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Johanna Elsworth

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 01.09.2005, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53