Imago (Autorin: Isabel Abedi)
 
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Imago von Isabel Abedi

Rezension von Bine Endruteit

 

Wanja ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Sie geht zur Schule, hat eine Katze als Haustier und sie trifft sich gerne mit ihren Freundinnen. Aber ganz so „normal“ ist dann eben doch nicht alles in ihrer Welt. Ihre Mutter lebt alleine mit ihr. Von ihrem Vater weiß sie absolut nichts. Alle aus der Familie machen ein großes Geheimnis darum, wer er war. Falls sie doch mal etwas über ihn hört, dann nur, welch ein Scheusal er war und dass er es nicht wert ist, dass man überhaupt über ihn spricht. Leicht ist das für sie nicht und es wundert nicht, dass sie im Laufe der Zeit immer stärker das Bedürfnis spürt, etwas über ihren Vater zu erfahren.

 

Und plötzlich passiert es: Wanja kann nicht schlafen und schaut den Ziffern auf ihrem altmodischen Radiowecker dabei zu, wie sie alle vier gleichzeitig auf Null Uhr umklappen. Doch sie kann ihren Augen und Ohren kaum trauen, denn die Ziffern leuchten rot und die Stimme einer alten Frau lädt sie ein, die Ausstellung „Vaterbilder“ zu besuchen. Durch eine rote Tür im Museum der Stadt, die scheinbar nur für sie und einige andere Jugendliche mit Einladung sichtbar ist, gelangt sie zu der Ausstellung und das Unglaubliche passiert. Sie wird in ein Bild hineingezogen, das den Artisten Taro zeigt. Er stellt ihr ganz eigenes „Vaterbild“ dar und so findet sie sich in der Welt hinter dem Bilderrahmen wieder: in Imago.

 

In dieser Welt kann sie mit Taro und den anderen Artisten des Zirkus, in dem sie gelandet ist, zusammen sein. Auch kann sie dort am Trapez turnen und lernen zu vertrauen. Allerdings gibt es nicht nur Schönes in dieser Welt. Ein schwarzer Vogel bedroht die Artisten. Wanja erkennt, dass sowohl in dieser magischen als auch in ihrer realen Welt Probleme auftauchen und versucht mutig, diese zu lösen.

 

 

„Imago“ ist ein wunderbarer und tiefsinniger Jungendroman, der auch Erwachsenen eine neue, spannende Welt eröffnet. Mit Wanja zusammen entdeckt man all die kleinen und großen Rätsel des Lebens und wie man sich darauf einlassen kann. Die Fantasiewelt Imago ist dabei nur ein kleiner Teil des Romans. Die Handlung spielt teils dort, aber zu einem Großteil weiterhin in Wanjas Heimat Hamburg.

 

Die Autorin Isabel Abedi versteht es, ihre Leser mit auf die Reise des eigenen Lebens zu nehmen. Wanja lernt Trauer, aber auch Freude kennen. Alles, was sie erlebt, ist miteinander verbunden. Dinge, die sie in der realen Welt erlebt, haben Einfluss auf Imago und seine Bewohner. Um Freundschaften und Beziehungen unter den Menschen geht es in diesem Buch. Natürlich spielen Väter eine große Rolle, aber auch andere zwischenmenschliche Beziehungen lässt Abedi dabei nicht unbeachtet. Der Roman zeichnet sich durch besonderes Feingefühl aus. Die Autorin spricht heikle Themen wie Alkoholsucht und Misshandlung an, ohne dass man das Gefühl hat, belehrt zu werden. Man leidet einfach mit den Protagonisten mit, kann sich in die Figuren hineinfühlen und sie verstehen.

 

Besonders Menschen, die selber ihren Vater nicht kennen oder Probleme mit ihm haben, wird dieses Buch sehr berühren, denn es leitet einen dazu an, sich mit den eigenen Gefühlen zu beschäftigen. Es ist wichtig zu wissen, wer man ist und woher man kommt. Und damit beschäftigt sich nicht nur Wanja, sondern der Leser mit ihr. Wer sich voll und ganz auf die Geschichte einlässt, wird mit Sicherheit nicht nur einmal eine Träne aus dem Augenwinkel wischen.

 

Fazit:

Dieses Buch ist ein sehr starkes Werk, das unglaublich spannend geschrieben ist, dabei aber das Gefühl nicht vergisst. Trotz der imaginären Welt Imago setzt Abedi sich mit ganz realen Problemen auseinander.

 

Ältere Kommentare:

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240618050501f68fb7b0
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Buch:

Imago

Autorin: Isabel Abedi

Taschenbuch, 403 Seiten

Arena, September 2006

 

ISBN-10: 3401061178

ISBN-13: 978-3401061177

 

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 10.01.2007, zuletzt aktualisiert: 24.10.2023 19:11, 3335