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Inferno von Edward Lee

Reihe: Inferno

Rezension von Carsten Kuhr

 

Cassie Heydon hat es nicht leicht. Ihr Vater ist einer der angesehen Anwälte der US-Hauptstadt, und hat demgemäss für seine Töchter keine Zeit. Ihre Mutter hat die Familie für einen noch reicheren Mann verlassen und ihre extrovertierte Zwillingsschwester stellte sie bei ihren gemeinsamen Besuchen in Gothic-Discos regelmässig in den Schatten. Als sich dann der Freund ihrer Schwester an die durch Extasy enthemmte Cassie ranmacht kommt es zur Katastrophe. Ihre Schwester ertappt die Beiden inflagranti, und erschiesst zuerst ihren Freund, dann sich selbst.

Nach einer Therapie bricht Cassie zusammen mit ihrem Herzkranken Vater alle Brücken hinter sich ab, und zieht in ein altes Herrenhaus im Süden der USA. Das Anwesen hat keinen guten Ruf. Spuken soll es, ein Tor zur Hölle soll sich hier befinden. Ein Teufelsanbeter, der über Jahrzehnte frisch geborene Babys dem Höllenfürsten geopfert hat war einst Eigentümer des Anwesens, und seine Ausstrahlung hält sich in dem alten Gemäuer. Nicht nur das, drei jugendliche Geister offenbaren Cassie, dass der Zugang zum Reich Luzifers tatsächlich hier zu finden ist. Endlich eine Chance, ihr schlechtes Gewissen zu erleichtern, und ihre Schwester um Verzeihung zu bitten. Doch davor muss sie erst einmal die Hölle durchqueren, und in der Stadt der Toten, »Mephistopolis« ihre Schwester finden. Dabei entpuppt sich das Reich Luzifers als persifliertes Abbild unserer modernen Konsumgesellschaft. Überfüllte, stinkende Vorortzüge gibt es ebenso wie Game-Shows die das verblödete Publikum langweilen, Nutten und Drogenabhängige gehören ebenso zum Strassenbild, wie Dämonen, Teufel und anderes Höllengezücht. Als dann Luzifers Widersacher, der gefallene Engel Ezoriel sich bei seiner Revolution gegen den Höllenfürsten Cassies Hilfe sichert, kommt die Chose erst so richtig in Fahrt.

 

 

Lee erzählt uns eine spannende Geschichte. Während der Autor zu Beginn eine überzeugende Charakterdarstellung einer letztlich haltlosen, vereinsamten Jugendlichen mit zu viel Geld und zu wenig Zuwendung voranstellt, steht ab dem zweiten Drittel des Buches eine Achterbahnfahrt durch die Kreise der Hölle an. Dabei löst er sich von Dante´ schen Vorbildern, beschreibt uns ein Reich, das sich von den modernen Megametropolen unserer Überflussgesellschaft kaum unterscheidet. Allenthalben regieren Egoismus, Egozentrik, das Recht des Stärkeren, die Jagd nach Macht und Einfluss. Die einstmals geschätzten Charaktereigenschaften wie Mitleid, Höflichkeit, Einfühlungsvermögen, sie werden verhöhnt. In ist, was Prestige bringt, man ist immer auf der Jagd nach dem neusten Trend, der gerade angesagtesten Droge, man schleimt sich seinen Weg nach oben. Das getreue Abbild der so angesagten Ellenbogengesellschaft bietet dann die Bühne für eine kurzweilige Handlung voller Drive. Dabei kommt leider die Darstellung der Gestalten neben unserer Protagonistin ein wenig zu kurz, die Personen bleiben flach, ja fast austauschbar.

 

Nichtsdetotrotz bot das erfreulich dünne Buch eine in sich abgeschlossene Geschichte die die Zeit der Lektüre kurzweilig zu gestalten wusste, die verpackt in einer vergnüglichen Handlung durchaus kritische, manchmal zynische Seitenhiebe auf unsere Gesellschaft für den aufmerksamen Leser bereithält.

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Inferno

Autor: Edward Lee

broschiert, 351 Seiten

Heyne, erschienen Mai 2006

ISBN: 3-453-53230-9

Titelbild von Dirk Schulz

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.06.2006, zuletzt aktualisiert: 18.07.2017 18:11