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7 Fragen - 7 Antworten : Chrissie Schlicht - bezaubernde Motive

Redakteur: Michael Schmidt

 

Fantasyguide: Hallo Chris, stell dich doch mal vor. Wer bist du und was machst du?

 

Chris Schlicht: Hallo!

Wer bin ich, hm, wo fängt man da an? Am Besten, ich mach’ das Wichtigste mal in Kurzfassung, so wie es in den derzeit bei den Kindern kursierenden „Freundesbüchern“ abgehandelt wird:

Name: Christine Schlicht, geborene Weinrich (sprich verheiratet, seit nunmehr über 14 Jahren)

Alias: „Chrissi“, „Chris“, „Akariel“, „Yanoel“, „Gerakas“, „Anozir“.... tbc

Geboren: 1968 in Frankfurt am Main (dribbdeBach, Äbbelwoisäugling)

Wohnhaft: Waldems (Rheingauner taunitischer Prägung)

Sternzeichen: Zwilling (ein Echter, völlig schizophren und janusköpfig)

Hobbies: Meine Kinder (derzeit 5 und 8 Jahre alt), alles was man mit der Quälerei von Farben, Papier und Computer so macht, Bonsai züchten

Beruf: Gelernter und studierter Betongärtner (Garten- und Landschaftsbau), Landespflege-Ingenieur im Stadtplanungsamt der hessischen Landeshauptstadt, auch der „Ent von Wiesbaden“ genannt oder ironisch „Baumschutzbeauftragte“

Berufung: Siehe Punkt Papierquälerei bei „Hobbies“

Leibgericht: Catalanischer Bohneneintopf

 

Ähmm, das führt jetzt wohl zu weit.

 

Das bin ich in kurzen Worten, möge jeder daraus zwischen den Zeilen heraushören, was er mag.

 

Wichtig wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass ich, hätte man mir vor 10 Jahren gesagt, das ich heute mit Zeichnerei auch Geld verdienen würde... das es nötig ist, es beim Finanzamt anzuführen und Steuern dafür zu zahlen... ich hätte denjenigen vermutlich in die nächstbeste Psychiatrie einweisen lassen. Da bin ich noch voll und ganz in meinem Job als Garten- und Landschaftsarchitektin aufgegangen.

 

 

Fantasyguide: Du malst ja die Bilder für unsere Serie Saramee. Wie gehst du vor bei der Erstellung der Titelbilder?

 

Chris Schlicht: Zunächst ist es die Sache des jeweiligen Autoren.

 

Jeder der schreibt, hat eine bestimmte Schlüsselszene im Kopf, die er auch auf dem Cover sehen mag. Diese Szene und die darin handelnden Personen lasse ich mir beschreiben.

Selten, dass dabei eine Szene genannt wird, die sich nicht irgendwie möglichst plakativ umsetzen lässt. Wenn doch, muss eine zweite Szene her, aber das ist es dann auch. Ich mache einen Entwurf, den lasse ich mir vom Autoren absegnen.

Dann das gleiche noch mal mit der Reinzeichnung und mit dem kolorierten Bild, das dann schon fix und fertig im Layout mit dem nun inzwischen wohl bekannten Rahmen und Schriftzug bei Chris Weidler landet.

Am Anfang war das in Bezug auf die Hintergründe recht schwierig, weil alle Beteiligten doch irgendwie eine andere Vorstellung von der Stadt an sich hatten. Das bewirkte, das ich das Cover für die Nummer 2 noch mal komplett neu gemacht habe, weil die Ansicht der Stadt, bzw. ihr Stadtplan nicht der dargestellten Stadt entsprach und sich auch nicht mit wenig Aufwand ändern ließ. Aber da fing ich wohl auch schon ein bisschen an, dem Ganzen meinen Stempel aufzudrücken. *grinst* Städtebau auf Chrissi - Art.

 

Fantasyguide: Da ich da recht unbedarft bin: Erzähl doch mal, wie so ein Bild entsteht? Welche Techniken benutzt du?

 

Chris Schlicht: Der erste Schritt lässt sich mit einem Wort definieren: Papierverschwendung.

Ich scribbel so lange herum, bis ich glaube, den optimalen Bildaufbau zustande gebracht zu haben. Das passiert entweder auf Durchschlagpapier (jeder, der wie ich noch auf einer alten, mechanischen Adler Schreibmaschine tippen gelernt hat, kennt das Zeug noch) oder auf dünnem Skizzenpapier von der Rolle, ähnlich wie Butterbrotpapier. Mit Buntstiften, verschiedene Farben übereinander. Das sind dann Zeichnungen, auf denen wohl nur ich erkennen kann, was es darstellen soll.

Die Papierverschwendung geht dann weiter, wenn’s ein wenig mehr ins Detail geht. Der Bildaufbau wird immer weiter verfeinert, die Personen bekommen ein Gesicht.

Bevor es dann ins Reine geht, kommt der Segen des Autors: Eine letzte Skizze entsteht. Mit weichem Bleistift, immer noch auf Skizzenpapier, werden die Gesichter, die Gebäude, die Szene noch mal klarer dargestellt, schon mit entsprechenden Schatten. Dieser Entwurf kommt ins Forum und wird dort besprochen.

Ist der Entwurf abgesegnet, wird das Bild ins Reine gezeichnet, das heißt, der Entwurf auf den Lichttisch gelegt und mit Bleistift auf guten Zeichenkarton übertragen. Details kommen dazu, Schatten... Je genauer diese Zeichnung ist - umso sauberer ich arbeite - desto leichter habe ich es nachher, sie am Computer zu kolorieren.

Die Saramee-Cover werden eingescannt und zunächst mit dem Programm Painter (und NEIN, ich bleibe dem Painter 5 treu, der 7er liegt noch immer im Schrank - einmal getestet und für unbrauchbar befunden ;-) , Programme sollte man wirklich nicht den Hersteller wechseln lassen ) „aquarelliert“. Painter ist ein Programm, das alle Methoden des Handzeichnens und – Kolorierens simulieren kann und das wirklich gut. Mit der Farbgrundlage des Aquarells wird dann weiter gearbeitet. Danach geht’s mit Photoshop weiter, hier wird aber nur nachgearbeitet. Schatten vertieft, das ein oder andere Detail noch mal gefiltert etc. und nachher mit dem Rahmen zusammengebaut.

Dieser Vorgehensweise werde ich auch bei künftigen Saramee-Covern treu bleiben, weil man diese Form jetzt gewöhnt ist. Aus gesundheitlichen Gründen ziehe ich mich aber mehr und mehr von der Computerarbeit zurück. Ist nicht gut für einen kaputten Rücken. Ich kehre wieder zur „Handarbeit“ zurück, nachdem ich zum Schluss sogar am Computer getuscht hatte.

 

 

Fantasyguide: Du malst für Rollenspiele wie Cthulhu und LodLand. Was machst du da genau?

 

Chris Schlicht: Verschiedenes, Alles und Umfangreiches. Auch Sachen, bei denen ich am Anfang erst mal nur große Augen gemacht und ein bisschen an der geistigen Stabilität meiner Auftraggeber gezweifelt habe.

Mit Lodland fing es an. Vorher war mir nicht mal wirklich bewusst, das es Rollenspiele gibt, geschweige denn, was sie sind. Und plötzlich war ich mittendrin, auch in der Entwicklung eines eben solchen. Wie bei Saramee habe ich auch ein kleines Bisschen an der Entwicklung des Backgrounds mitgewirkt, und sei es auch nur, weil ich verschiedene Dinge von einem anderen Standpunkt aus betrachtet habe als die Entwickler (vor allem: dem weiblichen Standpunkt *hüstel*).

Dazu gekommen bin ich wie die Jungfrau zum Kind: Der Chefredakteur hat mich auf der ComicAction 2002 angesprochen, als ich bei Salleck für Comic-Fans gezeichnet hatte. Ob ich auch für ein Rollenspiel zeichnen würde. Ich fand, das wäre keine Frage, wenn mich die Thematik anspräche.

Da ich dummerweise bei einem Comic-Interview auf die Frage, welchen Roman ich denn gern mal als Comic adaptieren würde, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte, „Das Boot“ von L.G. Buchheim nannte, brauchten nur noch die Begriffe „Unterwasser“ und „U-Boote“ fallen, und sie hatten mich geangelt.

Bei Lodland war die große Besonderheit, das ich hier nicht nur meine Fähigkeiten als Zeichner einspielen konnte, sondern das auch mein „Fachwissen“ als Ingenieur gefragt war, denn es sollte alles ja möglichst plausibel und „machbar“ sein. So habe ich Unterwasserstädte und U-Boote „konstruiert“, die theoretisch auch fahren können sollten und bei allem mein Veto eingelegt, wenn es statisch nicht passte. Das war sehr spaßig.

 

Cthulhu ist ein anderes Kaliber. Karten, Grundrisspläne, Handouts, Illustrationen zu Abenteuern oder Illustrationen, die in einem Kontext stehen, wie z.B. gefälschte Blaupausen oder Buchcover ... die Bandbreite ist anspruchsvoll und fordert alle Kreativität. Dazu kommt eine nicht unerhebliche Arbeit in Sachen Recherche, denn es soll alles möglichst authentisch aussehen (Cthulhu spielt nun mal in den 20ern). Zu Cthulhu kam ich über einen One-Pager (Comic) für die Windgeflüster und meine erste Arbeit waren die Grundrisspläne eines Sanatoriums. An denen habe ich mich auch als Architekt austoben dürfen. Eine Heidenarbeit, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen und wurde auch entsprechend gewürdigt.

Und gerade eben fertig geworden: Karikaturen als Illustrationen für ein satirisches Abenteuer für die Cthuloiden Welten 10. Lasst euch überraschen.

 

 

Fantasyguide: Auf deiner Homepage www.dreamspiral.de findet man zwei Comics. Gibt es die auch in gedruckter Form? Und wird des weitere Comics geben?

 

Chris Schlicht: Comics sind und bleiben meine Basis als Zeichner.

Leider gibt es bislang keinen gedruckten Band von mir, aber ich arbeite daran, das zu ändern. Damit „Der Traum des Navigators“, ausgerechnet ein Manga, nicht das einzig Gedruckte bleibt... Ich meine, zu der Kurzgeschichte (vier Seiten für den Manga-Wettbewerb von Carlsen, wurde im Banzai-Special gedruckt, gewann aber keinen Blumentopf) stehe ich, die war gut, aber ausgerechnet Manga... ich finde (für mich selbst) das da zu wenig Chrissi drinne ist, und zu viel abgekupferte Stilistiken.

Ansonsten gibt es gedruckt in Sachen Comics bislang „nur“ eine Comic-Strip-Serie in einem monatlich erscheinenden Jugendmagazin zu einer sehr bekannten Daily-Soap. Solange die noch läuft, wird es diese Comics wohl auch noch geben... da letzt erst die 3333. Folge gezeigt wurde, dürfte das noch eine Weile gehen.

Veröffentlicht wurde hingegen „Blood Vengeance“ im Online-Magazin Inkplosion. Das soll schon was heißen, denn im Prinzip entstanden diese Seiten Just in time. Sprich, alle 2 Monate mussten 8 Seiten fertig sein. Das war eine echte Herausforderung und ich bin auch ganz stolz darauf, das tatsächlich geschafft zu haben. Das ist der Comic, der auch noch vollständig auf meiner Page zu finden ist, obwohl ich ihn zeichentechnisch eigentlich schon zum Alteisen zähle. Allerdings wirklich nur vom Artwork, denn die Story finde ich nach wie vor gut. Sie hat ein paar Haken, die aber auszubügeln wären... im nächsten Anlauf.

Aber erst mal sind zwei weitere Comics in Arbeit.

Da wäre „Aquae Mattiacorum“ (Preview auf der Page). An diese Story glaube ich ganz fest. Im Prinzip fließt da eine Menge ein – meine Arbeit für die Untere Denkmalschutzbehörde, die den Background liefert damit dieser möglichst authentisch ist, es sind Fantasy-Elemente drinne und Cthulhu könnte auch seine Tentakel spielen lassen. Es sind zwar erst fünf Seiten fertig, aber die habe ich beim europäischen Comicwettbewerb von Arte und Glenat eingeschickt. Kommt wohl nur unter „Ferner liefen...“ in die Liste *grinst*

... aber dabei sein ist bekanntlich alles.

Und natürlich „Drachenblut“. Damit fing alles an und den möbele ich gerade auf.

 

Fantasyguide: Du schreibst auch selbst. Ein Saramee Roman aus deiner Feder ist in Planung. Von was handelt der und welchen Stellenwert hat die Schreiberei für dich?

 

Chris Schlicht: Schreiberei... das klingt irgendwie fast abwertend *grins*

Aber erst mal der Saramee-Roman: Der Titel ist „Tödliche Dosis“ und wie das schon andeutet, wird es um Heilmittel und Gifte gehen. Die Protagonisten sind ein seltsames Pärchen: Eine Auftragskillerin und der Priester eines Ordens, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jedem Kranken zu helfen ohne dafür Geld zu verlangen – quasi angewandter Hippokratischer Eid ohne Wenn und Aber... merkt man, dass ich zur Zeit ein bisschen schlecht auf die Halbgötter in Weiß zu sprechen bin? *lach* Der Diebstahl eines Heilkrautes führt beide zusammen und nach Saramee, wo der Priestern das Kraut und die Killerin Rache zu finden hofft.

Schreiben ist für mich eine Möglichkeit, die vielen Geschichten „loszuwerden“, die in mir schmoren und die ich liebend gerne in Comicform zu Papier brächte, wofür dann aber die Zeit fehlt. Also schreibe ich sie erst einmal. Schreiben geht schneller. Ich muss mir zwar immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, dass ich zu langatmig bin, weil ich natürlich auch immer die Bilder zu beschreiben versuche, die sich zwangsläufig bei der Vorstellung einer Comicszene aufdrängen, aber das gehört für mich auch zu einem guten Buch – den Leser auch wirklich in die Welt zu versetzen, in der die Geschichte spielt.

Zu den Zeiten, in denen ich noch viel mehr Zeit zum Lesen hatte, wurde ein Buch unter 300 Seiten gar nicht erst angerührt. Das konnte nicht gut sein weil einfach nicht intensiv genug geschrieben (MEIN Vorurteil...)

Kurzgeschichten fielen – fallen mir immer noch schwer, aber seit ich gelernt habe Szenarien für Comics zu schreiben, die ja auch nur eine begrenzte Seitenzahl haben... also die große Masse an Inhalt in Strukturen zu fassen an denen man sich entlang hangeln kann, funktioniert auch das. Das „Handbuch zum Schreiben eines Drehbuchs“ von Drehbuchautorenguru Syd Field war da sehr hilfreich.

Außerdem ist Schreiben für mich, wie auch das Zeichnen, eine Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten. Die Gefühle „umzusetzen“. Mein Freund, der mir das Zeichnen beigebogen hat, meinte immer, man kann nur das gerade gut zeichnen, was man in diesem Augenblick fühlt: Ist man wütend, zeichnet man den brüllenden Wüterich, ist man traurig, dann eben das weinende, verängstigte Kind. Beim Schreiben ist das ähnlich, deshalb habe ich auch immer mehrere Manuskripte in Arbeit, auch wenn es dann dauert, bis eines davon mal fertig wird. Je nach Stimmungslage schreibe ich an dem einen oder anderen weiter.

 

 

Fantasyguide: Als letzte Frage: Was wünschst du dir für deine Zukunft? Als Mensch und als Künstler?

 

Chris Schlicht: Als Mensch sind es ganz einfache Dinge aus meinem engsten Umfeld: Das ich meine Kinder groß bekomme, sie sich gesund entwickeln und anständige Menschen werden, mit einem Ziel und einer Zukunft.

Weiterhin etwas ganz Biederes: Das ich mit meinem Ehemann in zehn Jahren Silberhochzeit feiern kann und wir dann immer noch glücklich miteinander sind.

Das sich meine gesundheitlichen Probleme in Luft auflösen und mich nicht mehr in meinem Tatendrang ausbremsen (okay, ist zuviel verlangt... aber das es wenigstens nicht schlimmer wird, das ist der kleinste gemeinsame Nenner)

Aber welcher Mensch will das nicht? Ich schätze, da unterscheide ich mich nicht von Anderen.

Als Künstler wünsche ich mir, dass ich nie mit dem Kopf an die Decke stoße, was meine Entwicklung betrifft. Man entwickelt sich immer weiter, aber häufig gibt es dann Grenzen, die es zu überwinden gibt. Ich möchte immer einen Weg finden, diese Hindernisse zu überspringen.

 

 

Fantasyguide: Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

 

Chris Schlicht: Ich habe zu danken <(^_^)>

 

Eure Meinung:

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Chris Schlicht


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Erstellt: 24.02.2006, zuletzt aktualisiert: 14.03.2019 17:47