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Interview mit dem Autoren Douglas Preston

Redakteur: Markus Mäurer

 

Douglas Preston ist die eine Hälfte des erfolgreichen Autorenpaars Preston/Child. Zusammen mit Lincoln Child hat er bisher 11 Thriller mit wissenschaftlicher Thematik veröffentlicht. Herz ihres gemeinsamen Projektes ist der mehr als ungewöhnliche Agent Pendergast, der bisher in sieben Romane auftauchte. Außerdem hat Douglas Preston auch einige Sachbücher und Romane alleine verfasst.

Besonders empfehlenswert ist ein Besuch auf der höchst amüsanten Homepage der beiden Autoren. Dort gibt es nicht nur witzige biografische Angaben und eine Auflistung aller erschienenen Bücher, sondern auch eine gelungene Übersicht der Querverweise zwischen den einzelnen Büchern. Denn viele Personen tauchen in mehreren Büchern des Preston/Child-Universums auf. Die Übersicht hilft einem einen Überblick über die zahlreichen Verflechtungen zu bekommen. Außerdem veröffentlichen die beiden Spaßvögel die besten „schlechten Kritiken“ zu ihren Büchern und geben dazu bissige Kommentare ab.

 

Fantasyguide: Hallo Mr. Preston, können sie uns ein bisschen über sich erzählen?

 

Douglas Preston: Ich bin 50 Jahre alt. Ich lebe am Meer in Main, verbringe aber eine Menge Zeit auf meiner Ranch - in Abiquiu in New Mexico – mit Reiten. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Meine Frau ist Fotografin. Ich mag guten Wein, Essen, Skifahren und Reisen. Ich liebe Italien und habe viele Jahre in Florenz gelebt.

 

Fantasyguide: Sie haben Naturwissenschaften und Literatur studiert und im American Museum of Natural History gearbeitet. Wie haben sie angefangen zu schreiben?

 

Douglas Preston: Ich habe mit dem schreiben angefangen als ich zehn war. Ich schrieb eine Geschichte mit dem Titel „Animal Valley“, einem Ort an dem Tiere wie Personen reden konnten und unwahrscheinliche Abenteuer erlebt haben. Sie war ungefähr 200 Seiten lang. Ich hatte schon immer ein Problem mit Weitschweifigkeit… Aber ich wollte schon immer Wissenschaftler werden und nicht Schriftsteller. Ich habe Physik und Mathematik studiert bevor ich auf dem Collage in letzter Minute zu Literatur wechselte. Alle dachten ich sei verrückt. Aber ich habe mich entschieden doch kein Wissenschaftler zu werden. Ich wollte schreiben.

 

Fantasyguide: Ihr erstes Buch „Jenny“ ist in Deutschland nicht sehr bekannt. Können sie uns etwas über die Geschichte und wie sie auf die Idee gekommen sind erzählen?

 

Douglas Preston: Während ich im American Museum of Natural History arbeitete, habe ich von der sehr tragischen Geschichte der Schimpansin „Meshie“ gehört. Sie wurde von einem Kurator ins Museum gebracht und als Kind seiner Familie in Long Island, New York City aufgezogen. Meshie wurde Zubehör des Museums und fuhr ein Dreirad durch die langen Hallen des Museums. Sie benutzte die Aufzüge und nahm sogar an den Veranstaltungen der High Society, mit solchen Koryphäen wie dem Museumspräsidenten Henry Fairfield Osborn und der Autorin Edna Ferber teil. Die Geschichte endete tragisch als Meshie erwachsen wurde und der Kurator sie in einen Zoo geben musste. Sie akzeptierte nie, in einem Käfig leben zu müssen und starb dort an Kummer und Sorgen. Diese Erfahrung erschütterte den Kurator und traf auch seine Kinder schwer. Davon ist meine Geschichte „Jenny“ inspiriert. Sie basiert außerdem stark auf der Erforschung der „Affensprache“ an Schimpansen in den 1960er Jahren.

 

Fantasyguide: „Relic“ und all die anderen Bücher die sie zusammen mit Lincoln Child geschrieben haben sind Bestseller. Wie fing diese Zusammenarbeit an, und wie funktioniert sie?

 

Douglas Preston: Während ich für das American Museum of Natural History arbeitete, schrieb ich eine Kolumne für das vom Museum herausgegebene Magazin „Natural History“. Ein Herausgeber von St. Martin’s Press, der alle meine Artikel gelesen hatte, rief mich an und fragte mich ob ich eine Geschichte des Museums schreiben wolle. Ich sagte ja, und schrieb „Dinosaurs in the Attic“. Nachdem das Buch veröffentlicht wurde, gab ich dem Herausgeber eine Tour durchs Museum – um Mitternacht. Ich zeigte ihm die besten Orte zu denen ich Zugang hatte: den Aufbewahrungsraum für die Dinosaurierknochen, die Kollektion von 30.000 Ratten in Flaschen voll Alkohol, die Sammlung von Walaugäpfeln, den erhaltenen Magen eines Mastodon mit dessen letzter Mahlzeit und eine Menge anderer ungewöhnlicher Dinge. Zum Schluss kamen wir um ca. 2.00 Uhr in der Halle der späten Dinosaurier an, in der nur die Notfallbeleuchtung brannte. Die großen schwarzen Skelette erhoben sich schemenhaft um uns herum – der Herausgeber drehte sich zu mir um und sagte: „Doug, das ist das gruseligste Gebäude auf der Welt. Lass uns eine Thriller schreiben der hierdrin spielt.“ Das war die Geburt von „Relic“. Dieser Herausgeber war, wie ihr sicher schon vermutet habt, mein Langzeitschreibpartner Lincoln Child. Wie fanden heraus, dass wir den gleichen kranken und verzerrten Blick auf die Welt hatten. Linc ist, neben meinem Bruder Richard, der smarteste Mensch den ich je kennengelernt habe.

 

Fantasyguide: Können sie uns den Entstehungsprozess eines ihrer Bücher beschreiben?

 

Douglas Preston: Ich beschreibe den des aktuellen Buches „The Wheel of Darkness“. Als erstes entscheiden wir uns für das zentrale Thema, den Plot, die zentrale Idee des Buches. Im aktuellen Buch geht es um ein mysteriöses Objekt aus einem tibetischen Kloster – ein Objekt das so gefährlich ist, dass es für tausende von Jahren in einer Truhe eingeschlossen war, und von dem selbst die Mönche nicht wissen worum es sich dabei handelt. Pendergast wird geschickt um es für die Mönche wiederzufinden.

Dann müssen wir einen Schauplatz, ein Szenario finden. Als erstes dachten wir an ein Kleinstadtszenario. Aber das würde zu sehr an „Ritual“ erinnern. Wir wollten etwas noch originelleres. Am Ende entschieden wir uns für ein Luxuskreuzschiff nach dem Vorbild der „Queen Mary 2“.

 

Zum Schluss füllen wir unsere Geschichte mit Charakteren. In diesem Fall, der Sicherheitschef des Schiffs, der Kapitän, der erste Offizier, Pendergast, Constance, eine phillipinisches Zimmermädchen, eine Gruppe von Kartenzählern (card-counters), einen Internetmilliardär, und eine Gruppe von Kunstmuseumskuratoren auf dem Rückweg von Italien.

Wir schreiben eine erste Version, einen Umriss. Normalerweise schreibe ich die erste Version, die Lincoln dann überarbeitet, was mich immer richtig wütend macht. Dann überarbeite ich seine Arbeit, was ihn dann immer richtig wütend macht. Und so geht es dann immer hin und her bis uns der Herausgeber dann das Manuskript aus den Händen reißt. Es ist ein Prozess der tatsächlich funktioniert.

 

Fantasyguide: Mit Agent Pendergast haben sie einen der ungewöhnlichsten Ermittler der Kriminalliteratur erschaffen. Wie kamen sie auf die Idee, und gibt es Vorbilder für ihn?

 

Douglas Preston: Linc und ich haben über die ersten Kapitel von „Relic“ geredet und stimmten überein, dass wir zwei New Yorker Cops hatten die genau gleich waren. Er sagte: „ Warum nehmen wir nicht jemanden der total unterschiedlich ist, ein Fisch auf dem Trockenen.“ Ich machte einen Witz:“ Du meinst einen Albino aus New Orleans?“ Linc lachte, aber dann fuhren wir mit dieser Art zu denken fort, und kurz darauf materialisierte sich Pendergast wie Athene aus der Stirn von Zeus. Er trat hervor schüttelte unsere Hände und sagte, „Ich möchte euer Charakter sein, danke.“ Es war außergewöhnlich. Kein anderer Charakter denn wir geschaffen haben erschien so plötzlich und so komplett wie er. Er schien für uns so real zu sein wie viele der Leute die wir kannten.

 

Fantasyguide: Sie schreiben außerdem auch Sachbücher. Können sie uns ein bisschen darüber erzählen?

 

Douglas Preston: So wie ich es mag zu lügen (und das ist es worüber es hauptsächlich beim schreiben von fiktiven Geschichten geht), so mag ich es auch ab und zu wahre Geschichten zu schreiben. Ich habe mehrere Bücher über Geschichte und Abenteuer geschrieben. Mein Lieblingsbuch heißt „Cities of Gold“ in dem ich zusammen mit einem Freund auf Pferderücken auf 1000 Meilen die Entdeckungsreisen des spanischen Eroberers Coronado von 1540 bis 1542 durch die Wüsten Amerikas zurückverfolgen. Wir haben uns dabei fast selbst umgebracht. Es war ein richtiges Cowboyabenteuer im alten Westen mit einer Mischung von Geschichte, Cowboys und Indianern die wir auf dem Weg getroffen haben. Ich war sehr überrascht, dass dieses Buch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, da ich weiß, dass sich viele Deutsche für den alten Westen interessieren.

 

Fantasyguide: Ihr Bruder Richard ist auch ein sehr erfolgreicher Schriftsteller. Gibt es da eine (freundschaftliche) Rivalität zwischen ihnen?

 

Douglas Preston: Es ist schon erstaunlich, dass wir beide Schriftsteller wurden. Ihr hättet unser Gespräche beim Essen hören sollen als wir zusammen aufwuchsen. Wir wurden oft vom Tisch verbannt, weil wir oft eklige und abscheuliche Geschichten erzählten. Wir haben immer versucht den anderen zu übertreffen, und das versuchen wir auch heute noch - auf eine freundliche Art natürlich.

 

Fantasyguide: In ihrem Buch „Der Codex“ bekommt Maxwell Broadbent eine sehr interessante „Beerdigung“. Wie würden sie sich ihre Beerdigung wünschen?

 

Douglas Preston: Das ist eine wirklich originelle Frage. Ich möchte dass Millionen Menschen weinen, sich vor die Brust schlagen und in die Welt hinausschreien, dass sie ein transzendentales Genie verloren haben. Eigentlich mag ich keine Beerdigungen, und würde auch nicht an meiner eigenen teilnehmen wollen. Aber ich hoffe diejenigen die daran teilnehmen, werden eine tolle Zeit haben, wie bei einer irischen Totenwache.

 

Fantasyguide: Während die Zeitungen und das Fernsehen voll von Krieg und Gewalt sind, genießen es die Leute trotzdem Bücher über Mord zu lesen. Was glauben sie es Grund dafür? Weil die Bösen am Ende der meisten Bücher geschnappt und bestraft werden?

 

Douglas Preston: Krimis und Thriller bieten ein nettes moralistisches Universum, das das richtige Leben nicht zu bieten hat. Eine Geschichte hat immer ein Ende, die Wahrheit kommt ans Licht, der Böse wird in der Regel bestraft und das glückliche Leben geht weiter. Wenn doch nur das richtige Leben so wäre…

 

Fantasyguide: Denken sie, dass Thriller ein guter Weg sind, Leuten die sich nicht für Wissenschaft interessieren ein wissenschaftliches Thema nahe zu bringen? Ist dies eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit der Leute auf ein aktuelles Problem zu lenken, wie zum Beispiel die möglichen Probleme mit der Forschung an biologischen Waffen in ihrem Buch „Mount Dragon“?

 

Douglas Preston: Absolut. Wissenschaftler beschweren sich darüber, dass das öffentliche Wissen über Wissenschaft so gering ist, aber trotzdem tun sie dann alles dafür, dass die Wissenschaft so fade und langweilig wie möglich erscheint. Nachdem ich einige Zeit mit richtigen Wissenschaftlern verbracht habe die richtige Wissenschaft betrieben haben, weiß ich, dass dem nicht so ist. Einige der erschreckendsten Dinge die ich gelesen habe, habe ich in „langweiligen“ Wissenschaftsmagazinen gelesen. Die Wissenschaft in unseren Büchern ist sehr sorgfältig, und wir versuchen unsere Leser zu bilden und zu informieren, ohne dabei didaktisch zu sein. Wir haben wundervolle Leser, viele davon sind selbst Wissenschaftler.

 

Fantasyguide: Was sind die größten Probleme der Menschheit in diesem Jahrhundert? Und sind wir in der Lage sie zu lösen?

 

Douglas Preston: Ich denke wir müssen uns zwei großen Problemen stellen. Beide haben mit Biologie zu tun. Das erste wird auftreten wenn wir es letztendlich geschafft haben eine neue menschliche Rasse zu erschaffen, wenn wir Babys designen können. Das zweite tritt auf wenn die Wissenschaft es geschafft hat „Weltuntergangswaffen“ zu kreieren. Diese Probleme kommen am Anfang dieses Jahrhunderts. Ich hoffe die Menschheit wird in der Lage sein, damit umzugehen, und es überleben.

 

Fantasyguide: Welche Art von Büchern lesen sie gerne, und gibt es Autoren die Einfluss auf ihre Arbeit haben?

 

Douglas Preston: Ich liebe die russische Literatur des 19. Jahrhunderts. Dostojewski und Tolstoi sind meine Favoriten. Ich lese außerdem gerne englische Autoren aus dem 19. und 20. Jahrhundert, wie zum Beispiel Dickens, Wilkie Collins (der einen großen Einfluss auf mich hat), Arthur Conan Doyle und M.R. James. Andere Autoren die mich beeinflusst haben sind H.P. Lovecraft und J. Sheridan LeFanu. Ich war sehr von Goethes „Faust“ beeindruckt, als ich es vor vielen Jahren zum ersten Mal gelesen habe, und ich denke viele der Themen in unseren Büchern kommen, auf einem unbewussten Weg, aus Faust. (Nicht dass ich mich selbst mit einem Schriftsteller wie Goethe vergleichen würde!)

 

Fantasyguide: Welche Orte/Attraktionen würden sie einem deutschen Touristen bei seinem ersten Besuch in New York empfehlen?

 

Douglas Preston: Auf jeden Fall das American Museum of Natural History. Außerdem würde ich sehr das Frick Museum empfehlen, welches das alte Haus von Henry Clay Frick in der Fith Avenue ist. Es ist gefüllt mit den außergewöhnlichen Bildern die er gesammelt hat. Unter anderem Rembrandt, Vermeer und viele andere wundervolle Künstler. Geh zum Tanzen in den Rainbow Room, zum Essen ins Chanterelle, mach einen Spaziergang durch den Central Park und miete ein Boot um über den Central Park Pond zu rudern. Und geh in einige der tollen Jazz Clubs wie zum Beispiel das Blue Note oder das Village Vanguard.

 

Fantasyguide: Kannst Was sind ihre Pläne für die Zukunft?

 

Douglas Preston: Ich schreibe gerade ein Buch mit dem Titel „Blasphemy“, das hoffentlich einen politischen Aufschrei verursacht. Ich bin sehr verstört über den Kurs den Amerika momentan einschlägt, und mein Weg zu protestieren, ist ein Buch zu schreiben.

 

Fantasyguide: Ich bedanke mich für das Interview und wünsche ihnen noch weiterhin viel Erfolg!

 

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Erstellt: 08.09.2006, zuletzt aktualisiert: 16.10.2019 13:19