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Interview mit Stephan R. Bellem

geführt von Christel Scheja

 

Stephan R. Bellem wurde 1981 in Heidelberg geboren und beschloss nach einer Banklehre Soziologie zu studieren. Da ihm das Studium genügend Zeit bot, begann er intensiver zu schreiben – zuvor hatte er nur kleine Texte für Rollenspiele und Kurzgeschichten verfasst – und konnte ihm Jahr 2007 seinen Debütroman veröffentlichen: Tharador, den ersten Band der Trilogie Die Chroniken des Paladins. Inzwischen ist diese abgeschlossen. Mit seinem neusten Werk Bluttrinker erzählt er die Vorgeschichte der Saga.

 

 

Fantasyguide: Bisher wissen die Leser nicht viel über dich. Gibt es Dinge, die du ihnen noch erzählen möchtest, etwa über deine Familie oder deine Hobbys?

 

Stephan R. Bellem: Ich gestehe, dass ich mit Informationen über mein Privatleben gerne haushalte. Ich bin nicht für den gläsernen Autoren, auch wenn man gerade zu Anfang der Laufbahn versucht ist sich den Lesern auf diese Art näher zu bringen. Aber einige meiner Hobbies sind kein Geheimnis mehr.

Ich sammle Filme. Früher ging ich noch häufiger ins Kino, aber mittlerweile hebe ich mir dieses Vergnügen nur noch für ganz bestimmte Perlen auf. Ich habe mich allerdings auch „Avatar“ verschlossen, da ich mit diesem 3D-Kram leider gar nicht zurechtkomme. Aber „Iron Man 2“ wird ein Pflichtbesuch.

Daneben hat mich seit zwei Jahren auch wieder das Tabletop voll gepackt. Wobei ich da eher zu den passiveren Sammlern gehöre.

Bei Computerspielen bin ich zu meinen Wurzeln zurückgekehrt: Adventures. Wobei ich hin und wieder ein sehnsüchtiges Auge auf „Warhammer Online“ werfe.

Außerdem versuche ich mir wieder mehr Zeit fürs Lesen freizuschaufeln.

 

 

Fantasyguide: Wann hast du mit dem Schreiben angefangen? Wann kam dir die Idee zu den Chroniken des Paladins? Gibt es frühe Vorgänger und Entwürfe oder wurden die Welt und ihre Helden aus einer spontanen Idee geboren?

 

Stephan R. Bellem: Es begann mit der Landkarte. Die entwarf ich vor fünfzehn Jahren. Und vor zehn Jahren begann ich mit Tharador. Die Idee zu dem Roman geisterte aber schon eine Weile durch meinen Kopf, wenn auch in sehr rudimentärer Form. Ich wusste zu Beginn bloß, dass ich über den Sohn eines Engels schreiben wollte. Und dass in „meiner“ Welt ein solches Wesen ein Paladin sein wird. Alles andere ergab sich auf dem Weg.

 

 

Fantasyguide: Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, dein Manuskript einen Verlag anzubieten?

 

Stephan R. Bellem: Dass Tharador bereits 2004 als Print on Demand veröffentlicht war, ist ja auch kein Geheimnis mehr. Damals machte ich ziemlich viele Anfängerfehler, die mir zum Glück nicht den Weg versperrten.

Kurz gesagt: Ich wollte nicht glauben, dass eine Print on Demand Veröffentlichung für richtige Verlage verbrannt ist. Und 2006 habe ich von der Otherworld-Gründung gelesen. Und da fasste ich mir ein Herz und versuchte es erneut. Vermutlich aus einer „jetzt erst recht“-Haltung heraus, aber es hat in dem Fall nicht geschadet.

 

 

Fantasyguide: Welche Autoren oder Romane, Rollenspiele und Filme, haben dich besonders inspiriert und sind bewusst oder unbewusst in die Romane mit eingeflossen? Wie sieht es mit eigenen Erfahrungen und Erlebnisse oder Personen aus deinem Umkreis aus? Ist auch davon einiges in dein Werk eingeflossen?

 

Stephan R. Bellem: Sollte ich tatsächlich über Personen meines Umfelds geschrieben haben, oder sogar über mich selbst, dann würde ich das natürlich niemals zugeben. Aber Autoren, Filme und Romane haben mich sicherlich einige beeinflusst. Allen voran sicherlich R.A.Salvatore, dessen Werke ich verschlungen habe.

Bei Filmen wird es schwer, einen Kandidaten auszumachen. Aber wer die Serie „Dragonball Z“ kennt, der sieht wovon die Paladin-Verwandlung beeinflusst wurde. Zu Beginn wollte ich sogar deutlich manga-lastiger schreiben, doch die Überzeichnung der Charaktere nahm rasch ein Ende, da sowas ohne Bilder leider ganz schlecht funktioniert.

Lediglich Ul’goth ist noch sehr übertrieben dargestellt, was aber an dem Geheimnis liegt, das ihn umgibt, und das bis jetzt noch kein Leser herausgefunden hat.

 

 

Fantasyguide: War es schon vor der Veröffentlichung der Chroniken des Paladins geplant Bluttrinker zu schreiben oder ist dir die Idee erst während der Fertigstellung der Trilogie gekommen?

 

Stephan R. Bellem: Die Idee zu Bluttrinker entwickelte sich parallel mit den Folgebänden von Tharador. Die Trilogie hatte Vorrang, aber ich wollte schon damals nach Kanduras zurückkehren, um die Geschichte zu erzählen.

 

 

Fantasyguide: Was hat dich dazu gebracht einen Mythos zu demontieren, der gerade am Anfang der Trilogie zu einer wichtigen Triebfeder für die Helden wird?

 

Stephan R. Bellem: Auch das war von Anfang an geplant. Als ich an den Chroniken des Paladins arbeitete und Throndimar als der Überheld beschrieben wurde, da wusste ich, dass ich in seiner wahren Geschichte eine Art Widerruf schreiben will. Der zentrale Gedanke hinter seinem Mythos ist eben die Heldenverklärung, die in den 300 Jahren zwischen Bluttrinker und den Chroniken des Paladins betrieben wurde.

 

 

Fantasyguide: Welche Figuren und Szenen aus deinen Romanen magst du am liebsten? Und was hat dir die meisten Schwierigkeiten bereitet? Was würdest du jetzt, im Nachhinein betrachtet anders schreiben.

 

Stephan R. Bellem: Ich denke, meine Lieblingsfigur ist der Chronist Rhelon. Gleichzeitig waren seine Stellen aber auch am schwierigsten zu schreiben. Komik ist immer eine heikle Sache, übertreibt man es damit, wird es lächerlich. Und auch der Wortwitz muss passen. Aber sogar rückblickend bin ich sehr zufrieden mit ihm. Immerhin umgibt ihn das zweite große Geheimnis.

Was würde ich ändern... Sehr schwer zu sagen. Man neigt dazu, die alten Projekte durch die „neuen“ Augen zu betrachten. Und dann will man gerne hunderte Sachen überarbeiten. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Grundsätzlich würde ich an den Geschichten nichts ändern wollen.

 

 

Fantasyguide: Du bedienst vor allem in deiner Saga und auch in Bluttrinker ja sehr viele Klischees der High Fantasy und auch deine Helden entsprechen den klassischen Archetypen des Elfen, Zwergs und Zauberers. Auch die Frauen füllen eher konservative Rollenmuster aus. Warum ist dem so?

 

Stephan R. Bellem: Ich halte diese ganze Klischee-Debatte für ziemlichen Unsinn. Als Beispiel: Nehmen wir an, ich hätte in den Chroniken Khalldeg zum Elfen gemacht – also auch die Elfen als Bergleute dargestellt – und Faeron zum Zwerg.

Hätte die Geschichte dadurch in irgendeiner Weise gewonnen? Faeron ist ein Charakter, der von seinem Volk verstoßen wird, weil seine Melancholie den Frieden der anderen stört. ich denke, das funktioniert unabhängig von Rasse und Geschlecht. Ebenso ist Ul’goth ein fürsorglicher Herrscher, der sein Volk aus seinem kargen Dasein befreien will.

Klischees sind in erster Linie für Kritiker wichtig, die versuchen eine Geschichte in irgendeine Schublade zu zwängen. Mir persönlich ist der Inhalt deutlich wichtiger als die Verpackung. Und da kommt es vor allem darauf an, ob die Geschichte den Leser erreicht. Ob sie ihn fesseln und gut unterhalten kann.

Kandurische Zwerge lieben lange, heiße Bäder in den beheizten Badehäusern. Orks sind ein Volk, das mehr kennt als Mord und Totschlag. Und Gordan ist ein von der eigenen Macht verblendeter Mann, der versucht die Geschicke der Gesellschaft zum Besseren zu wenden, dabei aber Schlimmeres (Xandor) erschafft. Dass er ein Zauberer ist, ist ein Vehikel, um seine Handlungen zu ermöglichen. Aber der Kern jeder Geschichte liegt im Innenleben der Charaktere und den Dingen, die sie antreiben.

Aber vielleicht missverstehe ich diese ganze Klischee-Debatte auch völlig, keine Ahnung. Ich will nur Geschichten erzählen, um Schubladen dafür dürfen sich andere kümmern.

 

Fantasyguide: Gibt es irdische oder erfundene Kulturen an die du sich bei der Entwicklung des Hintergrundes angelehnt hast?

 

Stephan R. Bellem: Nun, die Orks sind sicherlich an amerikanische Ureinwohner angelehnt, was die Vertreibung aus ihrer gewohnten Heimat betrifft. Gleichzeitig sind Barbaren und Orks allerdings auch an die germanische Kultur angelehnt. Auch der Polytheismus greift hierauf zurück.

Die Anhänger des Dämonengottes hingegen folgen einem Monotheismus. Das gepaart mit dem Engelthema könnte man im weitesten Sinne als von einem christlichen Vorbild inspiriert nennen.

 

 

Fantasyguide: Gibt es neben den vier Romanen weitere Veröffentlichungen von dir?

 

Stephan R. Bellem: Ich habe bei zwei Anthologien mitgewirkt. „Das Glück Saramees“ und „Fantastische Kreaturen“. Mein nächster Roman erscheint Anfang 2011. Darin widme ich mich der Urban Fantasy.

 

 

Fantasyguide: Welche weiteren Projekte hast du bereits bei Verlagen eingereicht, in Arbeit oder willst du in nächster Zeit in Angriff nehmen? Wirst du auch noch einmal nach Kanduras zurückkehren oder sind alle Geschichten von dieser Welt erzählt?

 

Stephan R. Bellem: Hier kann ich leider keine konkreten Angaben machen, da solche Dinge natürlich noch geheim bleiben wollen. Ich würde natürlich unglaublich gerne nach Kanduras zurückkehren, will da aber nicht vorgreifen. Sobald ich kann, gebe ich Informationen weiter.

 

 

Fantasyguide: Hast ein Projekt, das dir mehr als alles andere am Herzen liegt und gerne einmal umsetzen würdest?

 

Stephan R. Bellem: Natürlich. Jeder Autor hat ein besonderes Herzstück. Aber über das wird noch viel weniger gern gesprochen. Man wird ziemlich paranoid.

 

 

Fantasyguide: Hast du eine eigene Webseite? Und wenn ja, welche Informationen können die Leser dort zusätzlich finden?

 

Stephan R. Bellem: Unter www.srbellem.de findet man jede Menge Informationen zu den Büchern und auch zum Hintergrund.

Auf meinem Weblog abendblatt.srbellem.de geht es ein wenig bunter zu. Da mischen sich Hintergrundinfos mit meiner persönlichen Meinung. Wer also mehr über die Hintergründe meiner Arbeit und meiner Werke erfahren möchte, der ist mit beiden Links gut beraten.

 

 

Fantasyguide: Wie beurteilst du die derzeitige Situation der deutschen Fantasy, sowohl im Erwachsenen als auch im Jugendbuch-Bereich? Und was wünschst du dieser für die Zukunft?

 

Stephan R. Bellem: Ich lehne mich mit solchen Beurteilungen nicht gern aus dem Fenster. Ich kann nur für mich sprechen. Und da sieht es momentan sehr gut aus. Daraus schließe ich einfach mal, dass das Fantasy-Genre sich einen festen Platz in den Buchhandlungen erkämpft. Und dieser Platz wird scheinbar immer größer. Natürlich wünsche ich mir, dass dieser Trend noch eine Weile anhält, denn er ermöglicht erste die unglaubliche Vielfalt an Geschichten, die man heute lesen kann.

 

 

Fantasyguide: Vielen Dank für das freundliche Gespräch. Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

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Erstellt: 29.04.2010, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 13:31