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Interview mit Van Canto

von Ralf Steinberg

 

Anlässlich des Erscheinens ihrer neuesten Platte, Voices of Fire, einer Zusammenarbeit mit Fantasy-Autor Christoph Hardebusch, stellten wir der Band Van Canto ein paar Fragen:

 

Fantasyguide: Fantasy und Metal scheinen wie für einander geschaffen, wenn man »Voices of Fire« hört. Wie kam es zu diesem crossmedialen Projekt? Tatsächlich inneres Bedürfnis oder trat man an euch mit dieser Idee heran. Und warum Christoph Hardebusch?

 

Van Canto: Wir tragen die Idee, etwas konzeptionelles aus unserer Musik zu machen schon mehr als 6 Jahre mit uns rum. Zwischendurch haben wir uns mit Peer Returns ja an ein Projekt gewagt, das als Ziel eigentlich die Theaterbühne hatte, was aber letztendlich aus vielen verschiedenen Gründen nicht weiterverfolgt wurde. Trotzdem haben wir hierbei viel gelernt und haben dann beschlossen, erstmal einen Schritt zurück zu gehen, nämlich uns ein neues Themenfeld in der Fantasy zu suchen, und dann 3 Schritte vor, mit Album, Buch und Hörbuch.

 

Die Idee kam also von allen, aus Van Canto heraus.

Van Canto und Christoph Hardebusch © Stefan Heilemann
Van Canto und Christoph Hardebusch  © Stefan Heilemann

Dennis, unser Leadsänger hat sich zunächst ohne irgendwelche Einschränkungen von außen eine Welt ausgedacht. Klingt einfach, war es aber nicht haha. Er hat sich Grundzüge der Story ausgedacht, die Hauptcharaktere, die Welt, in der alles spielt und hat auch erste Skizzen angefertigt, wie alles bildlich aussehen kann.

Uns wurde schnell klar, dass das wirklich sehr viel Potential hat, was er sich da erdacht hat, aber vom Entwurf einer Welt mit vielen Ideen zu einem wirklichen Roman ist es ein weiter Weg. Deswegen war uns wichtig, dass das Ganze von jemandem übernommen wird, der sich im Buch schreiben genauso auskennt, wie wir im Songwriting. Der Kontakt war dann recht unspektakulär. Eine erste Email von uns, direkt die Antwort, dass Christoph uns schon kennt und auch mag, ein zwei Treffen zum Beschnuppern und dann ging er direkt mit Dennis in die Vollen und hat aus den vielen Ideen ein Grundgerüst gestrickt, aus dem man einen richtigen Roman machen kann.

 

Fantasyguide: Chor und Sprecher aus der »Herr der Ringe«-Verfilmung – logisch, dass die Frage nach Blind Guardian und »Nightfall In Middle-Earth« naheliegt. Tradition, Vorbilder oder der Stein, an dem ihr eure Musik wetzen wollt?

 

Van Canto: Ich denke dass bei jeder Metalband, die konzeptionell im Fantasy Bereich tätig wird, die Namen Blind Guardian, Manowar und Rhapsody fallen, und das ist auch ok. Wetzen wollen wir uns nicht, aber gerade Blind Guardian hat sowohl auf die Inspiration der Bandmitglieder als auch auf den Verlauf der Band einen großen Einfluss gehabt, und das verbergen wir auch nicht. Rein musikalisch denke ich aber, dass wir mit »Voices of Fire« ein hohes Maß an Eigenständigkeit zeigen und uns nicht mit bestehenden Alben oder Bands vergleichen müssen. Ein komplett gesungenes Konzeptwerk gab es definitiv noch nicht.

 

Sly und Christoph © Stefan Heilemann
Sly und Christoph © Stefan Heilemann

Fantasyguide: Auch ASP haben jüngst in ihrer Zusammenarbeit mit Kai Meyer (Verfallen) neue Wege bestritten. Im Gegensatz zu euch preferieren sie aber deutsche Texte. Wart ihr da auch in Versuchung?

 

Van Canto: Wir haben ja auf dem deutschen Hörbuch die gesungenen Bardenlieder aus dem Buch wirklich auch als a cappella Balladen umgesetzt. Von daher habe wir auch eine deutschsprachige Komponente in unserem Konzept. Für das Album war aber von vorneherein klar dass wir im Hinblick auf unsere internationale Fanbase in englisch arbeiten.

 

Fantasyguide: Mit John Rhys-Davies habt ihr euch nicht irgendwen ins Boot geholt, seine Stimme trägt das Epische der Zwischentexte und des Prologs. Was muss man tun, um ihn vors Mikrofon zu bekommen? Mag er überhaupt eure Musik?

 

Van Canto: Wir haben ihn gefragt, ha! Und er hat ja gesagt. Da wir nicht die Budgets bieten können, die Hollywood-Stars mal so eben an einem Tag verdienen, sind wir darauf angewiesen, dass Leute diesen Kalibers das ganze inhaltlich gefällt. So war das auch bei John Rhys-Davies, der das Ganze mit großer Motivation sehr toll umgesetzt hat.

 

Fantasyguide: Der stets sehr abrupte Wechsel von Song und Sprachvortrag verhindert, dass sich Songs miteinander verbinden. Welche Wirkung habt ihr mit diesen Brüchen erzielen wollen?

 

Van Canto: Ich sehe das komplett anders, die Sprache verbindet die Songs eher miteinander. Das ist kein Bruch sondern eine Verbindung von Song zu Song und vor allem von Songs zum Buch. Das darf man natürlich anders sehen, aber wir sehen es so und haben es so umgesetzt wie wir es uns gedacht haben.

 

Fantasyguide: Wie wichtig ist der Text im Verhältnis zur Musik? Glaubt ihr, dass euch eure Fans durch die gesamte Geschichte folgen werden?

 

Van Canto: Wir haben es ja extra so angelegt, dass das Album auch für sich funktioniert. Wer einfach nur Lust auf neue Van Canto Musik hat, hört sich das Album an und ignoriert Roman, Sprecher und vielleicht sogar die Texte. Aber wer Lust auf das Konzept hat und sich auf die komplette Story einlässt, bekommt vielleicht etwas mehr zurück. Die Rückmeldung unserer Fans ist auf jeden Fall zu 100% positiv.

Fantasyguide: Der Fantasy wird immer wieder Eskapismus vorgeworfen, dem Metal noch ganz andere Dinge, aber Lesen, Singen und Tanzen – für mich klingt das nach positiven Beschäftigungen. Oder steckt noch mehr in eurem Projekt? Revolte? Provokation? Message?

 

Van Canto: Unser Sendungsbewusstsein über die Musik hinaus hält sich in Grenzen. Wir finden, dass Musik eine hervorragende Gelegenheit ist, um in andere Welten zu tauchen. Der Fantasy-Gedanke unterstützt das. Das heißt nicht, dass uns die echte Welt nicht gefällt, ganz im Gegenteil, aber der Hauptgrund für uns, Musik zu machen, ist die Musik als solches und nicht irgendeine Message.

 

Fantasyguide: Wie fändet ihr eine Welt voller Barden, in der ein Weltenlied das Gleichgewicht wiederherstellt?

 

Van Canto: Grundsätzlich sicher nicht schlechter als eine Welt, in der es kein Gleichgewicht gibt und Millionen von Menschen nicht wissen, ob sie den nächsten Tag erleben. Aber nochmal, wenn wir ein Fantasy-Album mit Drachen, Königinnen und Sängern erdenken, ist unser Hauptgrund dafür nicht, die momentane Weltordnung zu kritisieren. Das kann und sollte man sicherlich tun, es ist aber nicht die Motivation hinter Van Canto's Vocal Metal Musical.

 

Fantasyguide: Ein »Metal Vocal Musical« nennt ihr euer Werk. Auf Konzerten wollt ihr das noch ausbauen, steht in der Pressemeldung. Womit muss man da rechnen?

 

Van Canto: Die Europatour ist gerade vorbei, und wir haben 6 Songs »Voices of Fire« als ersten Konzertteil am Stück präsentiert und die Leute auch an der Story teilhaben lassen. Langfristig würden wir natürlich sowas auch gerne mal auf eine Theaterbühne bringen, wir sind ja noch jung.

 

Van Canto © Stefan Heilemann
Van Canto © Stefan Heilemann

Fantasyguide: Feuerstimmen sind gefragt, um dem fünften Drachen beizukommen – wie bringt man Feuer in die Stimme? Klingen Bassline oder Drums nach Flammen?

 

Van Canto: Diese Interpretationen sind dem Hörer überlassen, da mischen wir uns gar nicht ein ;-)

 

Fantasyguide: Wie erarbeitet ihr die Sounds euer Stücke? Gerade die unterschiedlichen Harmonien sehen nach sehr viel Arbeit aus.

 

Van Canto: Wir machen das ja jetzt schon 10 Jahre und inzwischen fühlt es sich fast so an, als hätten wir nie was anderes gemacht. Uns sind starke Songs wichtig, deswegen fangen wir immer mit Akkorden und eine Lead-Melodie an und stricken dann den Song darum. 90% unserer Kompositionen würden auch als Akkustik-Song, oder Orchester-Song oder »normaler« Metal-Song funktionieren, der Metal-A-Cappella-Ansatz sorgt eher für den unverkennbaren Sound, als dass er ein eigener Kompositionsstil wäre.

 

Fantasyguide: Wie habt ihr den Chor eingebunden? Lief das alles übers Internet oder konntet ihr zusammen aufnehmen?

 

Van Canto: Es sind ja mehrere Chöre beteiligt. Wir haben sie alle selbst aufgenommen, die London Metro Voices z. B. im Londoner Angel Studio, mit unserem Drummer Bastian als Dirigent. Sowas lässt sich nicht über das Internet regeln, man sollte schon dabei sein, wenn so viele Leute die eigenen Werke singen.

 

Fantasyguide: Was habt ihr bei der Arbeit an diesem doch ungewöhnlichen Projekt gelernt? Gab es Grenzen, an die ihr gestoßen sein, konntet ihr welche einreißen?

 

Van Canto: Musikalisch haben wir uns hohe Ziele gesteckt und die (rein persönlich betrachtet) alle erreicht. Für mich war die größte Herausforderung als Produzent, soviele Beteiligte unter einen Hut zu bekommen. Das war anstrengend und fordernd, hat aber funktioniert und ist im Ergebnis sehr befriedigend für uns.

 

Fantasyguide: Ihr wurdet schon oft für eure Gitarrenimitationen gelobt, aber auch die Verbindung der »Rakkatakka«-Gesänge bestimmen stark euren Sound. Wie weit kann man das auswalzen? Fürchtet ihr Stagnation?

 

Van Canto: Wir fürchten gar nix. Warum auch. Die Stimme ist mindestens so wandelbar wie eine Gitarre mit Verstärker und da fürchten »normale« Bands ja auch keine Stagnation. Uns fällt 100%ig immer was ein, was wir gerne machen und dann machen wir das.

 

Fantasyguide: Die musikalische Bandbreite des Albums geht von orchestralen Epen bis zum Rock. Bei »Time and Time again« dachte ich kurz, mensch, das klingt nach den Beatsteaks! Welche Musik würdet ihr euren Fans neben eurer eigenen empfehlen, wenn sie etwa die passende Untermalung zum Buch suchten?

 

Van Canto: Die passende Untermalung zum Buch ist unsere Musik, da werde ich jetzt natürlich nix anderes empfehlen ;-)

 

Van Canto © Stefan Heilemann
Van Canto © Stefan Heilemann

Fantasyguide: Es gibt natürlich auch die Hörbuchfassung. Warum sollte man sich die auch noch anschaffen?

 

Van Canto: Wir haben wie gesagt die 18 Lieder, die im Buch erwähnt werden noch als A Cappella Balladen eingesungen, und das in deutsch, Van Canto mal ganz anders. Und natürlich hat Ferenc Husta den Text ganz hervorragen gelesen.

 

Fantasyguide: Ingo Sterzinger verließ die Band Ende letzten Jahres, aber zu hören ist er auf dem Album noch?

 

Van Canto: Es war ein fließender Übergang. Von den normalen Bass-Sachen hat Ike ca 80% des Albums schon eingesungen gehabt, Jan ist vor allem bei den Teilen zu hören, in denen der Bass nicht nur das Instrument simuliert, sondern selbst Text singt. Beide haben dann zusammen auch noch bei den Backing-Vocals mitgesungen, Double-Bass, sozusagen. Wir finden es sehr schön, dass ein Line-Up-Wechsel so fließend geschehen ist, und dass beide einen wichtigen Teil beigetragen haben.

 

Fantasyguide: Ihr geht jetzt erst einmal mit dem neuen Album auf Tour, aber gibt es schon ein Raunen über weitere Projekte?

 

Van Canto: Wir lassen jetzt erstmal etwas Langeweile einkehren, und freuen uns dann auf das, was uns einfällt!

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Eure Bewertung der Besprechung:

Eure Meinung:

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CD:

Voices of Fire

Umfang: 1 CD

Earmusic (Edel), 11. März 2016

Komponisten: Bastian Emig, undStefan Schmidt

Texte: Bastian Emig, Stefan Schmidt, Dennis Schunke und Christoph Hardebusch

Artwork: Osmar Arroyo

Fotos: Stefan Heilemann

Inhalt:

 

  • Prologue
  • Clashings on Armour Plates
  • Dragonwake
  • Time and Time again
  • All my Life
  • Battleday's Dawn
  • Firevows (Join the Journey)
  • The Oracle
  • The Betrayal
  • We are One
  • The Bardcall
  • To Catharsis
  • Epilogue

 

 

CD-ASIN: B01886G0E2

LP-ASIN: B01886G1DC

 

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Rezension zu Voices of Fire

Homepage von Van Canto

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Erstellt: 08.06.2016, zuletzt aktualisiert: 24.03.2017 13:14