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Kinder des Judas von Markus Heitz

Rezension von Bine Endruteit

 

Sia arbeitet in einem Krankenhaus. Dort begleitet sie viele Menschen auf ihrem letzten Weg, den Weg zum Tod. Sie hört die Melodie des Lebens sehr genau und weiß, wann diese endet. Das liegt nicht nur daran, dass sie bereits dreihundert Jahre Zeit hatte, diese Melodie zu studieren, sie umgibt noch ein anderes Geheimnis, dass ihre Existenz so schwer für sie macht. Und sie hat noch andere Jobs und Verpflichtungen. Nicht nur des Geldes wegen, sondern auch, um das eigene Leben zu spüren, um sich selbst in dieser Abgestumpftheit nicht zu verlieren. Sie kämpft maskiert gegen die härtesten Brocken und genießt den Schmerz, wenn sie verletzt wird, der ihr zeigt, dass sie noch fühlen kann. Außerdem macht sie die Arbeit eines Türstehers, um mit dem Gothicpublikum in der Stadt Kontakt zu haben, dass sie aufgrund seiner Andersartigkeit mag. Die jungen Szenegänger ähneln ihr auf eine Weise, die ihnen selbst nicht bewusst ist. Außerdem gibt es da noch die Menschen, die sie nicht aus den Augen lassen darf, die von ihr aber niemals etwas erfahren sollen.

 

Doch Sia will noch mehr, sie muss sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen, und so beginnt sie, ihre Geschichte niederzuschreiben. Es ist die Geschichte des achtjährigen Mädchens Jitka, dass mit ansehen muss, wie seine Mutter wegen eines Missverständnisses von den Türken gefangen genommen wird. Ihr selbst gelingt es zwar zu fliehen, aber wegen dem Mahl auf ihrem Arm, sagen viele, sie hätte den bösen Blick und halten sich von ihr fern. Doch nachdem sie viele Tage vergeblich auf die Rückkehr ihrer Mutter gewartet hat, taucht ein anderer Mensch in ihrem Leben auf, den sie für tot gehalten hat: Jitkas Vater. Er nimmt sie mit auf die Mühle, in der er lebt, und dort wird ihr unstillbarer Wissensdurst gestillt. Sie lernt fremde Sprachen und liest viele Bücher. Doch auch ganz andere Dinge offenbaren sich ihr dort, denn in einem geheimen Raum unter dem Gebäude gibt es ein Laboratorium, in dem sich in Gläsern Körperteile befinden. Ihr Vater nimmt menschliche Körper zu Forschungszwecken auseinander und trotz anfänglicher Abscheu lässt dich das Mädchen auf dieses wissenschaftliche Abenteuer ein, ohne jedoch zu ahnen, auf was wirklich dahiner steckt und was für Folgen das für ihr Leben haben soll.

 

Markus Heitz ist einer der bekanntesten deutschen Fantasyautoren, der sich unter anderem mit seinen Werwolf-Romanen „Ritus“ und „Sanctum“ einen Namen gemacht hat. Mit „Kinder des Judas“ legt er nun einen Vampirroman vor, der nicht die gängigen Klischees verarbeitet, sondern das Genre mit eigenen Ideen aufwertet. Bei ihm gibt es verschiedene Arten von Vampiren, jede wird im Laufe der Geschichte genau skizziert.

 

Im Mittelpunkt steht Sia, oder auch Jitka oder Skylla. Sie hat verschiedene Namen, die alle einen bestimmten Lebensabschnitt kennzeichnen. Erzählt wird ihre Geschichte in zwei Zeitebenen. Einmal erfahren wir, wie sie in der Gegenwart lebt. Jetzt, 2007, in Leipzig. Hier ist der Bezug zum realen Leben der Leser sehr geschickt ausgebaut. Heitz erzählt von der Moritzbastei und der Gothicszene, aus deren Reihen sicherlich auch viele seiner Leser stammen,.Dabei hat er einen interessanten Bezug zu seinem Publikum aufgebaut, von dem ein grossteil die Stadt Leipzig alleine wegen des jährlich stattfinden Wave-Gothic-Treffens kennen dürfte. Die andere Ebene erzählt, wie Sia zu dem geworden ist, was sie ist. Sie startet im Jahr 1670 und zieht sich über mehrere Jahrzehnte. Die Erzählstränge wechseln sich ab und man erfährt so immer mehr über diese faszinierende Person und kann sich nach und nach ein Gesamtbild machen. Viele Informationen werden erst im Laufe der Zeit eingestreut und verstärken so die Spannung.

 

Das Highlight des Buches ist eindeutig das erste Kapitel. Hier begleiten wir Sia ins Krankenhaus, sie sitzt am Bett eines krebskranken Mädchens, das stirbt. Der Moment ist unglaublich intensiv. Markus Heitz berührt seine Leser sehr tief. Leider soll diese Episode die einzige bleiben, die so brillant und ergreifend geschrieben wurde. Im Nachfolgenden konzentriert er sich eher auf Action und Spannung, als auf Gefühle. Zusätzlich hat das Buch mit seinen 700 Seiten leider auch gewisse Längen. Beschreibungen von Menschen, Vampiren und Orten sind übergenau, so dass man teilweise das Interesse verliert. Die Geschichte bleibt trotzdem spannend, weshalb man weiter liest und wissen möchte, wie sich Sias Leben entwickelt.

 

„Kinder des Judas“ ist ein Roman in der Tradition guter Fantasy, die sich mit Mystery und Action mischt. Es wird blutig und brutal und die Charaktere sind gut gezeichnet, so dass man die Protagonistin gerne auf ihrem Weg begleitet. Hier bekommt man solide Unterhaltung, die zwar kleinere Schwachpunkte hat, aber durch eine gelungene Handlung an die Seiten fesselt.

 

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Kinder des Judas

Autor: Markus Heitz

Knaur (2007)

Taschenbuch, 704 Seiten

ISBN-10: 3426662779

ISBN-13: 978-3426662779

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.11.2007, zuletzt aktualisiert: 30.04.2019 13:38