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Die Geheimnisse von Tulsa

Autor: XHR

 

I. Bekannte Orte

 

Das "Escape", an Südrand der Stadt, in einer Nacht im November

 

...die hämmernden Bässe sind bis hier draußen auf den Parkplatz zu hören. Ein kalter Wind fegt über die noch nicht zugeparkten Plätze und wirbelt Papierfetzen und Staub vor sich her. Rings umher hasten teils in schwarze Klamotten, teils in Partylook gehüllte Gestalten auf das "Escape" zu. Viele der Straßenlaternen in dieser Gegend sind zerstört, und daher gibt nur das Licht des übergroßen Wolkenscheinwerfers vor der Disco dem Asphalt einen blau-grauen Schimmer; irgendwie sieht der schwarze Umriß des ehemaligen Fabrikgebäudes mit der rosa Neonschrift "ESC" über dem Eingang etwas düster aus, doch solche Gedanken verscheucht man schnell...

 

Das alte Stadttheater, eine Herbstnacht

 

Die Strasse vor dem alten Bau aus der Jahrhundertwende liegt verlassen und still da. Kein einziges Auto parkt entlang der kahlen Bürgersteige, und nicht ein Fenster der grauen Mietsblöcke aus den 40er Jahren ist erleuchtet. Es ist fast, als hielte die Stadt hier den Atem an, und ihr schnell schlagendes Herz klingt hier eher matt und lethargisch. Die Vorderseite des Gebäudes ist komplett zerstört; ein hoher Bauzaun mit dem Schild "Betreten verboten" und mehreren, neongelben, unleserlichen Grafitti kann die hohen Schuttberge, die den intakten Teil des Gebäudes abstützen, nicht ganz verdecken. Eine einzige Säule ragt am linken Rand allein gen Himmel, fast wie ein anklagenden Zeigefinger. Wenn man noch näher herangeht, kann man die Dunkelheit atmen spüren; es ist ein tiefes, schweres Keuchen, das schwer auf Euch lastet...

 

Das "Seven Sins"

 

Die Straße macht noch einmal einen kleinen Bogen und endet dann in einem kleinen Parkplatz, der von einer einzigen gelb-orangenen Straßenlaterne erhellt wird, und der sich bis unmittelbar vor das einzige Lokal erstreckt, das in dieser Gegend zu finden ist. Der gesamte Parkplatz wird von vierstöckigen Plattenbauten gesäumt, deren Fenster im Erdgeschoss vergittert sind, und an deren kahlen Betonwänden vielfarbiges, unserliches Graffitti aufgemalt ist. Die Kneipe wirkt fast verloren inmitten dieser Steinungetüme, und auch der Parkplatz ist bis auf eine silbern-schwarze Harley direkt vor dem Haus und einige verbeulte Müllcontainer leer. Über dem Eingang prangt eine halbmeterhohe Leuchtschrift: "Seven Sins yet to come". Man kommt sich beobachtet vor, wenn man die letzten Schritte bis dorthin zurücklegt und fragt sich unwillkürlich, ob man nicht dabei ist, einen Fehler zu machen...

 

Das "Buybye"

 

Du musst spontan bremsen, als Dein Vordermann ohne ersichtlichen Grund in die Eisen steigt, und läßt das Fenster herunter, um einige herbe Flüche loszuwerden, als Du die lange Menschenschlange bemerkst, die sich vom Eingang des mit grellroten Neonbuchstaben überschriebenen, pechschwarz gestrichenen "Buy - Bye - Baby" - Clubs bis auf die andere Strassenseite erstreckt. Der donnernde Atem der Bässe läßt die Luft brodeln und schafft eine fast unwirkliche Athmosphäre, zu der die teilweise bizarr gekleideten Gestalten ebenfalls beitragen. Von zwei Typen mit Gasmasken und Latexoutfits bis zu einer Frau, die nur mit mit einem Lederhalsband bekleidet versucht, an den Türstehern vorbeizukommen, läßt sich hier jede Art von manifestierten Fantasien von Gewalt und Sex finden. Der Wagen hinter Dir hupt laut, und Du wendest den Blick wieder auf den Wagen vor Dir, der sich gerade langsam anschickt, durch die Reihen der Wartenden zu rollen, die auf Einlaß in die Hölle hoffen, und dann in der Dunkelheit verschwindet...

 

Die Reste des ehemaligen Gildehauses der Tremere

 

Einige Querstraßen weiter fand er es schließlich. Die Wagentür seines schwarzen BMW Cabriolets, dessen Dach trotz der eisigen, nächtlichen Novemberluft aufgeklappt war, fiel hinter ihm mit einem gedämpften Schlag zu, und der Mann schwang seinen schweren Ledermantel gerade soweit zurück, daß man die matt schimmernde Klinge darunter erkennen konnte. Das Gesicht war unter der Krempe seines breiten Cowboyhuts nicht zu erkennen, nur eine leicht glimmende, weit heruntergebrannte Zigarette klebte in seinem rechten Mundwinkel. Ein Blick zurück -niemand schien hier zu sein. Das würde seine Arbeit erleichtern. Die Stiefel klangen dumpf auf dem Asphalt, als er auf das halb heruntergebrannte Gebäude zuschritt und es dabei näher betrachtete. Der komplette Dachstuhl schien eingestürzt -fast wie von einer gigantischen Faust getroffen- und die vom Ruß umrahmten Fenster des ersten Stocks sahen wie Augen aus, die ihn mit einer bösartigen Intelligenz zu mustern schienen. Die vordere Wand des Hauses stand noch, und ein paar heruntergerissene Bretter zeugten davon, daß sich hier unlängst jemand nachträglich Einlaß verschafft hatte. Der Stummel seiner Zigarette glomm auf. "Gut so," hörte man eine rauhe Stimme murmeln, "die Spur scheint noch warm zu sein." Der Schwarze erklomm die drei Stufen, die zu dem finsteren Maul hinaufführten, welches der Eingang des Gemäuers war. Obwohl kein Licht von draußen hier hinein fiel, stolperte der Fremde nicht ein einziges Mal über Steinreste oder lose Balken, sondern fand fast auf Anhieb das, wonach er gesucht hatte...

 

Die Staatsbibliothek Oklahoma

 

Der gewaltige, zweistöckige Bau der Staatsbibliothek läßt allein durch seinen äußeren Eindruck Größe und Wissen vermuten, die dahinter schlummern. Der 1894 errichtete Bau ist in weiß gehalten, und mit einigen schlichten Säulen romanischen Stils verziert, die in regelmäßigen Abständen aus dem Mauerwerk hervorragen. Ein großer Parkplatz erstreckt sich auf der Rückseite des Gebäudes, wo der Besucher bereits mit großen Hinweisschilden auf die neuesten Errungenschaften des Museums aufmerksam gemacht wird. Eine Reihe kleiner, weißer Schildchen lotst den Neugierigen dann zum Haupteingang. Ganzer Stolz des Museums ist ein -bisher im allgemeinen unzugänglicher- Trakt mit teilweise sehr alten Abschriften von Büchern aus dem Mittelalter Europas, den nur ausgewählte Forscher des ganzen Landes betreten dürfen. Man munkelt, ein Teil der dortigen Bücher sei unmittelbar nach Ende des zweiten Weltkrieges dorthingelangt und es seien einige Kunstwerke darunter, die aus dem Besitz einflußreicher Nazis stammen sollen. Das Museum dementiert solche Gerüchte natürlich aufs Heftigste weigert sich aber dennoch hartnäckig, ein Komitee zur Prüfung des Sachverhalts zuzulassen...

 

Der Bahnhof

 

Einen hässlichen Anblick bietet der Bahnhof Tulsas. Die grau verputzte Glas - Beton - Fassade sieht aus, als habe sie schon bessere Tage gesehen, und die riesige Digitaluhr, die in etwa einem Meter Höhe über dem Eingang eingelassen ist, verschlimmert diesen Eindruck eher noch. Hinein gelangt der Reisende durch zwei große Glas-Drehtüren. Hat man diese passiert, steht man in der Bahnhofshalle, einem mit weißen Fliesen ausgelegten Bau mit einem Glasdach und verschiedenen kleinen Läden an den Seitengängen. Die Halle erstreckt sich gut 300m weit geradeaus, und mehrere große Abgänge mit Rolltreppen führen hinunter in die Unterführung. Die gesamte Halle wird von zwei, sich gegenüber liegenden, ebenfalls digitalen Schalttafeln dominiert, auf den die nächsten Züge aufgelistet sind. Man kommt nicht umhin zu bemerken, daß einige unauffällig gekleidete Personen hier nicht wirklich etwas tun, sondern -wenn man genauer hinsieht- die Menge der Ankommenden zu beobachten scheinen. Die Stadt müht sich, dem Bahnhof nach einer Reihe von Zwischenfällen in jüngster Zeit wieder ein gewisses Flair von Sicherheit zu geben und scheint mit diesem Konzept richtig zu liegen...

 

"Die Öde"

 

Am nördlichen Stadtrand von Tulsa bietet sich dem Betrachter ein wahrhaft trostloser Ausblick: Baumruinen, die im fahlen Mondlicht ihre toten Äste gen Himmel recken; hier und da ein einsames, unbeleuchtetes Haus, gelegentlich mit einem kleinen Schuppen als Anbau. Noch weiter im Norden lassen sich vor dem Himmel die alten Schornsteine des ehemalig größten Ölindustriegebiets der mittleren USA wie drohend erhobene Finger ausmachen. Es riecht nach Morast und verfaulter Erde, und langsam ziehen dünne Nebelschwaden auf. Die Strasse vor dir ist ein mit Schlaglöchern und Pfützen übersäter Schotterweg...

 

Lucinas Villa

 

Eine hohe blau gestrichene Mauer mit Stacheldrahtspitze umgibt das von hier aus kaum zu erkennende weiße Haus mit dem ausladenden Giebel und den geschwungenen Dachfenstern. Die Einfahrt wird von einem gigantischen, mindestens 4 Meter breiten dunkelblauen Stahltor gesichert, neben dem rechts und links jeweils Kameras postiert sind. Das Haus ist -soweit man das erkennen kann- unbeleuchtet. War das gerade ein heiseres Knurren von jenseits der Mauer? Besser, man geht seiner Wege...

 

II. "geheime Orte"

 

Eine Penthauswohnung irgendwo in der Stadtmitte

(Gastautor Grifter)

 

Wenn die Fahrstuhltüren sich öffnen, betritt man direkt das geräumige Wohnzimmer, in dessen Mitte ein großer Glastisch steht. Um den Glastisch angeordnet stehen ein großes Sofa und drei Sessel als Sitzmöglichkeiten bereit. An der dem Sofa gegenüberliegenden Wand hängt ein flacher Breitwand - Fernseher. An der, der Tür gegenüberliegenden, Seite des Zimmers ist ein großes Panoramafenster, das allerdings durch völlig heruntergezogene Jalousien nur eine schummrige Beleuchtung des Raums zuläßt. Dahinter führt eine Tür auf die Dachterrasse hinaus. Im Zimmer verteilt stehen einige große Pflanzen, die alles recht lebendig wirken lassen. Über eine Stufe gelangt man in die Küche, die recht luxuriös eingerichtet ist, aber offensichtlich nicht sehr oft benutzt wird. Eine der Küche gegenüberliegende Tür führt in ein Schlafzimmer, das von einem großen, runden Bett dominiert wird. Die Bettwäsche besteht aus roter Seide, und über dem Bett ist ein großer Spiegel angebracht. An der Wand rechts der Tür steht ein großer Kleiderschrank, der mit Kleidern aller Art gefüllt ist. Durch eine Tür gelangt man in ein geräumiges Badezimmer mit großer Badewanne, Dusche, WC und einem prall gefüllten Badezimmerschränkchen...

 

Die Fabrikhalle

 

Vor dir erstreckt sich eine weiße Lagerhalle. Sie ist etwa vierzig Meter lang und zehn Meter hoch. Die längsgerillten Beton-Außenwände wirken kahl und abweisend. Auf dem kleinen, asphaltierten Hof stehen einige graue Steinkübel mit den Überresten einiger verdorrter Pflanzen, die der Wind ihrer Blätter beraubt hat. Mehrere dampfende Kanaldeckel sind ebenfalls zu sehen und verströmen den unverkennbaren fauligen Abwassergeruch. Die Halle besitzt ein großes Tor, das Glasfenster besitzt und in das Querstreben eingelassen sind, sowie eine kleine weiße Metalltür links daneben. Auf dem linken Teil der Halle thront ein Wellblech - Aufsatz mit einigen Fenstern, die dunkel und leblos erscheinen. Der oben angebrachte Schriftzug der Firma ist kaum noch zu lesen, da die Farbe der Leuchtbuchstaben verwittert ist; trotzdem kann man gerade so als ersten Buchstaben ein "M" erkennen. Auf dem Hof steht ein schwarzer Van ohne Radkappen; ordentlich geparkt und offensichtlich in gutem Zustand, der von den zwei -über den Toren angebrachten- Neonröhren hell beleuchtet wird. Aus dem Innern des Gebäudes dringen dumpfe Metallklänge zu dir durch...

 

 

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Erstellt: 07.07.2005, zuletzt aktualisiert: 23.02.2019 14:17