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König für Deutschland von Andreas Eschbach

Rezension von Martin Hammerschmidt

 

Rezension:

Andreas Eschbach ist einer der erfolgreichsten und meist gelesenen deutschen Thrillerautoren. Durch seine Romane, die immer einen wesentlichen Bezug auf aktuelle Ereignisse darstellen, zieht er immer wieder die Aufmerksamkeit auf seine Werke. In seinem vorigen Roman „Ausgebrannt“ geht es um das Versiegen von Ölquellen, in seinem neuen Roman „Ein König für Deutschland“, um die Manipulation von Wahlcomputern.

 

Vincent Wayne Merrit, ein US-Amerikaner mit deutscher Abstammung, kann vielem widerstehen, aber keiner Herausforderung, seine Fähigkeiten als Programmierer unter Beweis zu stellen. Als er diese Fähigkeit missbraucht landet er für kurze Zeit im Gefängnis. Nachdem er wieder entlassen wird, sucht er sich eine ehrliche Arbeit bei einer Computerfirma, steigt dort schnell zum Chefprogrammierer aus und bildet bald den Kopf des kleinen Unternehmens. Eines Tages sieht er sich jedoch einer problematischen Aufgaben gegenübergestellt. Er soll einen Wahlcomputer manipulieren und somit der Öffentlichkeit zeigen, dass bei Wahlen solche Computer zu Verfälschung des Stimmergebnisses beitragen können. So zumindest der offiziell lautende Auftrag.

Vincent ahnt, dass hinter dem vermeintlich harmlosen Auftrag eine viel größere Sache steckt. Dennoch schreibt er auf Druck der Chefin ein Programm und übergibt es wie gewöhnlich. Wenige Wochen danach wird George W. Busch mit wenigen tausend Stimmen Vorsprung vor seinem Widersacher Al Gore zum amerikanischen Präsidenten gewählt. Was erschreckend für Vincent ist, ist die Tatsache, dass in einigen wichtigen Wahlbezirken Floridas Wahlcomputer eingesetzt wurden, zu denen er das Programm für eine Manipulation geschrieben hat. Die Angst wieder im Gefängnis zu landen, macht Vincent zu schaffen. Nachdem sich jedoch jahrelang nichts tut, hat Vincent die Sache vergessen, bis der neue Freund seiner Chefin, Zantini, von der Sache Wind bekommen hat und Vincent erpresst, erneut solch ein Programm zu schreiben.

Mit dem Manipulationsprogramm wäre es möglich die Wahlen an den Meistbietenden zu verkaufen. Eine Idee von der Vincent zunächst Abstand nimmt, sich aber langsam dem Willen und Druck Zantinis beugt.

Als Sicherheit schickt er eine Kopie des Programms zu seinem Vater, Simon König, nach Deutschland, der damit zunächst nichts anfangen kann. Erst als ihm die CD mit der Kopie geklaut wird und er mit einigen Computerfreaks in Verbindung kommt, erahnt er das Ausmaß der Situation. Nachdem die Wahlen in Hessen ohne eine regierungsfähige Koalition enden, ist sich die Gruppe um König sicher, dass die Wahl manipuliert wurde.

Um die Unzuverlässigkeit von Wahlcomputern anhand der nächsten Bundestagswahl zu demonstrieren, gründen sie eine Partei zur Wiedereinführung der Monarchie in Deutschland.

Was dann jedoch passiert, hätte Simon König nie für möglich gehalten. Dann scheint die Sache aber aus dem Ruder zu laufen und Alex, der Kopf der neu gegründeten Partei, scheint seine ganz eigenen Pläne für die Zukunft Deutschlands zu haben.

 

Der Roman ist grob in zwei Abschnitte gegliedert. Zuerst wird die Handlung rund um Vincent W. Merrit geschildert, bis dieser das Programm an seinen Vater nach Deutschland schickt. Ab dieser Stelle werden nur noch ganz kurze Einschübe aus dem Leben Vincents dargestellt, das Hauptaugenmerk liegt nun auf Simon König.

Dabei muss angemerkt werden, dass der erste Abschnitt wesentlich aufregender und spannender ist, als der zweite, denn in diesem weiß der Leser eigentlich schon im Vorhinein was passieren wird. Umso schlimmer ist es, dass der zweite Abschnitt doch noch einige Zeit vor sich hinplätschert, bevor die Handlung langsam wieder spannend wird. Das Leben um Vincent lässt sich folglich viel schneller lesen.

Die Pläne und Ausführungen der neugegründeten Partei lesen sich eher wie eine Dokumentation zum Bundestagswahlkampf.

Das Ende wiederum ist für den Leser im Voraus zwar zu erahnen, aber Eschbach versteht es, den Leser hier im Glauben zu lassen, seine Annahme, was das Ende betrifft, sei falsch.

 

„Ein König für Deutschland“ ist jedoch ein Politthriller, das bedeutet, dass hier ein politischer Brennpunkt genauer betrachtet wird. Eschbach kritisiert die Einführung von Wahlcomputern und spricht sich auch im Nachwort deutlich für eine Beibehaltung der Stimmzettel aus. Wie er jedoch seine Ansicht im Roman unterstreicht ist schlicht und einfach klasse. Der Leser erhält nicht nur ein gut verständliches Wissen über Computerzusammenhänge erläutert, sondern auch die Vorraussetzung zur Parteienbildung, wie auch einige durchaus interessante Aspekte was unser Grundgesetz angeht. Auch die Hintergründe der skandalösen Präsidentschaftswahl aus dem Jahr 2000 werden mittels Fußnoten interessant und teilweise auch humorvoll vermittelt.

 

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass in puncto Spannung der Roman durchaus noch verbesserungswürdig ist. Eschbach hat bereits spannendere Bücher geschrieben.

Was jedoch meines Erachtens den Roman lesenwert macht, ist der politische Aspekt, der hier zwar nicht im Fordergrund steht, jedoch einen wichtigen Teil des Romans ausmacht. Die politischen Verflechtungen werden anschaulich und in keiner Weise trocken geschildert, sondern durch die Handlung mit Leben gefüllt und somit verständlich dem Leser rübergebracht.

Für Freunde von rasanten Thrillern ist von dem Buch abzuraten; eingefleischte Eschbachfans sowie politisch Interessierte ist das Buch aber ausdrücklich zu empfehlen.

 

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Eure Meinung:

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Roman:

König für Deutschland

Reihe: -

Autor: Andreas Eschbach

Gebundene Ausgabe: 491 Seiten

Verlag: Lübbe (September 2009)

ISBN-10: 3785723741

ISBN-13: 978-3785723746

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 30.11.2009, zuletzt aktualisiert: 10.10.2020 16:25