Kolumne: Quo vadis, Fandom?
 
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Kolumne: Quo vadis, Fandom?

Autor: Holger M. Pohl

 

In einem nicht ganz unbekannten Forum eines nicht ganz unbekannten Vereins wurde und wird über den Weg des Fandom in die Zukunft diskutiert, „Quo vadis, Fandom?“ sozusagen.

Gibt es so etwas wie DAS Fandom überhaupt noch? Früher war bekanntermaßen alles anders. Wenn Fans sich organisieren wollten, dann taten sie das in einer für uns Deutsche sehr typischen Organisationsform: man gründete einen Verein (oder für die damaligen Verhältnisse neudeutsch: Club). Sie gaben sich Satzungen und schworen diesem oder jenem ewige Treue zu halten, bis dass der Geschichtstod (oder das wirkliche Leben) sie scheiden sollten.

 

Ich weiß, wovon ich rede. Zusammen mit zwei anderen Fans unseres über allen geliebten Perrys gründeten wir damals, Anfang der 1970er Jahre, den „PRC Barkon“. Schon mal davon gehört? Nein? Wundert mich nicht…irgendwie kamen wir über die Gründungsphase nicht so richtig hinaus. Doch wir hatten unseren eigenen Club und gehörten damit zum Fandom…auch wenn ich damals diesen Begriff nicht kannte.

 

Mittlerweile sind die Clubberer von damals in die Jahre gekommen. Sie würden ihre Clubs gerne an Nachfolger weiterreichen…aber da sind keine. Zumindest keine, die unter einem Club noch das verstehen, was die Gründungsväter darunter verstanden.

Heute ist bekanntermaßen alles anders als früher. Da hilft alles jammern nichts – es ist so!

Das Club-Fandom wurde vom Internet-Fandom abgelöst. Früher traf man sich regelmäßig bei irgendwem – ganz besonders glücklich konnten sich jene schätzen, die sich im heimischen Keller einen Clubraum einrichten konnten…zwischen Kohlen und Kartoffeln – zu festgelegten Zeiten. Clubsitzungen nannte sich das.

Heute trifft man sich wann immer man will in irgendeinem Forum oder im Chat oder…

 

Da hilft das Gerede der ewig Vorgestrigen nichts, dass damals alles anders war…eben, damals!

Das Fandom des 21. Jahrhunderts ist ein anderes als das Fandom des 20. Jahrhunderts. Erstaunlich dabei ist, dass manche noch den alten Dingen hinterher trauern…während sie doch SF-Fans sind, sprich Fans von etwas, was nicht von der Hand zu weisend mit der Zukunft verbunden ist. Einerseits will man das Alte bewahren, gleichzeitig träumt man von der Zukunft und diskutiert man aber über die Zukunft…seltsam, seltsam…

 

Es wird den „harten Kern“ immer geben. Jene Fans, die etwas bewegen, etwas auf die Beine stellen, etwas organisieren wollen. Danke Euch allen! Aber bitte, vergesst einfach nicht, dass die Mitgliedschaft im Fandom anonymer, einfacher und vor allem schneller aufkündbarer ist als früher.

Die Clubs waren das Fandom. Anonyme Fans gab es so gut wie keine. Kontakt mit Gleichgesinnten konnte man nur auf Club-Basis bekommen. Heute genügt dazu ein Internet-Anschluss.

 

Wenn ein Club früher etwas auf die Beine stellen wollte, dann beteiligten sich mehr oder weniger alle Mitglieder daran. Aussteigen gab es nicht…oder zumindest nur sehr schwer. Heute schickt man eine kurze Mail oder meldet sich gar nicht mehr.

Welchen Grund sollte es heute auch geben, einem echten Club noch beizutreten? Körperlich meine ich. Heute reicht ein Nickname, um mit anderen Fans in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen, zu diskutieren. Es gibt keinen Grund mehr…und darum ist das Fandom von Heute an anderes als das Fandom von gestern. Es gibt kein „Quo vadis, Fandom?“…weil DAS Fandom längst schon irgendwohin ist.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240620204847ec75e7ee
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Erstellt: 25.03.2008, zuletzt aktualisiert: 26.06.2022 18:51, 6132