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Kronsnest von Florian Knöppler

Rezension von Christel Scheja

Der 1966 geborene Florian Knöppler arbeitete lange Jahre als Redakteur und Journalist für verschiedene Radio und Fernsehsender. Zudem verfasste er Zeitungsreportagen über den Lebensweg Menschen vor zeithistorischem Hintergrund. Heute lebt er mit seiner Familie auf einem Hof in Schleswig-Holstein, unweit von den Orten, in denen er seinen ersten Roman Kronsnest am Ende der 1920er Jahre spielen lässt.

Anders als viele seiner Schulkameraden ist Hannes eher feinfühlig und empfindsam, was ihm das Leben nicht nur in der Schule schwer macht. Denn auch zu Hause muss er oft unter seinem polternden und gewalttätigen Vater leiden, dem er auf dem Hof weder etwas recht machen kann noch genug arbeitet.
So ist es kein Wunder, dass Hannes sich nach einem anderen Leben jenseits der Elbmarschen und der engen kleinen Welt sehnt, sich ab und an auch wünscht, dass sein Vater sterben würde. Ein Lichtblick in seinem Leben ist nur die junge Mara, die wie er ganz anders ist als die Gleichaltrigen im Dorf – eine Träumerin mit dem Kopf voller Ideen. Doch gleichzeitig nehmen auch die politischen Spannungen im Dorf zu.

Florian Knöppler erzählt von einer Jugend auf dem Land und zu einer Zeit, in der die politische Lage sich immer mehr anspannt und der Einfluss der Nationalsozialisten auf dem Land weiter um sich greift – aber das ist nicht das Hauptthema der Geschichte.
Tatsächlich geht es mehr um einen Jugendlichen, der eigentlich nicht so ganz in die von hartem und entbehrungsreichen Welt der Kleinbauern passt und auch noch nicht gelernt hat sich durchzusetzen.
Selbst sein Vater macht ihm das Leben schwer und sorgt für ziemlichen Widerstand und Hass in dem Jungen.
Das Buch verfolgt gut zwei bis drei Jahre im Leben von Hannes, in dem sich eine ganze Welt verändert. Neben den Erfahrungen der ersten Liebe, muss er früher als erwartet erwachsen werden, wächst aber auch immer mehr in die Verantwortung hinein. Auch wenn er härter werden muss, so bewahrt er sich doch viel von seiner Feinfühligkeit und bleibt deshalb ein sehr sympathischer Charakter, der realistisch und lebensnah geschildert wird.
Gelungen ist auch, wie die Welt sich für einige Menschen um ihn herum auch wandelt – einige dem Ruf des Nationalsozialismus folgen, teilweise immerhin auch aus sehr interessanten Gründen. Oder wie reich scheinende Großbauern den Bankrott erleben müssen.
Die Zeit, damalige Arbeitsmethoden aber auch die Einstellung der Menschen wird sehr schön vermittelt, so dass man sich in die Zeit versetzt fühlt.
Die intensive Atmosphäre lässt das Buch auch in Erinnerung bleiben, wird so zu einem wichtigen Stück Zeitgeschichte, dass man ruhig auch schon Jugendlichen in die Hand geben sollte, die mehr über das Leben ihrer (Ur-)Urgroßeltern erfahren wollen. Denn einige Erlebnisse des Helden sind mehr als zeitlos und einige Entwicklungen sind aktueller denn je, gerade was die Radikalisierung betrifft.
Da stört es auch nicht, dass das Ende sich viele Hintertürchen offenlässt und nicht ganz so abschließt, wie man es vermutet. Das liegt wohl auch daran, dass der Autor bereits an einer Fortsetzung schreibt.

Fazit:
»Kronsnest« ist ein stimmungsvoller und lebendiger Roman, der das Leben in den ländlichen Elbmarschen mit all den guten und schlechten Seiten aufleben lässt. Einfühlsam und spannend zugleich fesselt der Autor mit seinen Schilderungen die für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen interessant sind.

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Eure Meinung:

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Buch:

Kronsnest
Autor: Florian Knöppler
Pendragon Verlag, Februar 2021
Gebundene Ausgabe, 448 Seiten

ISBN-10: 386532746X
ISBN-13: 978-3865327468

Erhältlich bei: Amazon

Kindle-ASIN: B08WC2V739

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.04.2021, zuletzt aktualisiert: 13.04.2021 19:19