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Liebe ist unheilbar von Maryrose Wood

Reihe: Die Poison-Diaries, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Die New Yorker Autorin Maryrose Wood arbeitete viele Jahre am Theater, ehe sie ihren ersten Roman schrieb. „Liebe ist unheilbar“, der erste Band der „Poison Diaries“ entstand nach einer Idee der Herzogin von Northumberland, die selbst einen ganz besonderen Kräutergarten ihr eigen nennt.

 

England, gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die 16-jährige Jessamine lebt alleine mit ihrem Vater im letzten noch stehenden Haus am Rande einer Klosterruine. Während die Menschen der Umgebung ihn als verschrobenen aber wissenden Kräuterheiler schätzen und immer wieder um Hilfe bitten, bezeichnet sich Thomas Luxton als Botaniker. Mit einer Leidenschaft, die an Besessenheit grenzt, versucht er die Heilpflanzen und das Wissen der alten Mönche wieder zusammen zu führen.

Aus diesem Grund hat er auch einen ganz besonderen Garten angelegt. Er hält die gefährlichsten Pflanzen aus aller Welt gewissenhaft unter Verschluss, damit sie ihre Samen nicht ausstreuen und vielleicht anderen schaden können, vor allem Jessamine.

Das Mädchen versteht allerdings nicht, warum er ihm auch jetzt immer noch nicht mehr Vertrauen schenkt, auch wenn er ihr als erste Aufgabe die Betreuung von Belladonna-Samen übergibt. Denn sie sucht einen Sinn im Leben und möchte ihm gerne mehr zur Hand gehen als nur zu Hause zu sitzen und Dinge zu tun, die einer Frau anstehen.

Eines Tages bringt ein Mann namens Pratt einen völlig abgemagerten und eingeschüchterten Jungen ins Haus, den er für einen Giftmörder hält, der aber verlorenes Wissen zu besitzen scheint. Thomas Luxton ist nur daran interessiert, während Jessamins großes Herz erwacht und sie beginnt, sich intensiv um ihn zu kümmern. Mit sanfter Beharrlichkeit gewinnt sie sein Vertrauen.

Aber es passiert auch noch mehr zwischen ihnen. Sie entdecken, dass ihre Seelen im Einklang miteinander zu sein scheinen, dass sie zusammen gehören. Liebe schlägt unerbittlich zu ... aber kaum ist das geschehen wird Jessamine schwer krank. Nun ist guter Rat teuer...

 

„Liebe ist unheilbar“ ist ein sehr atmosphärischer und poetischer Roman, wenn auch ein wenig zeitlos, da der Roman nicht unbedingt im Jahr 1800 sondern auch ein wenig später hätte spielen können, da weder Kleidung noch andere kulturelle Eigenheiten die Zeit wirklich fest machen.

Die Geschichte ist durchweg ruhig - sie widmet sich zunächst den Empfindungen und Gefühlen der heranwachsenden Jessamine, die nun endlich wichtige Aufgaben übernehmen und ihrem Vater zur Hand gehen möchte, aber immer wieder merkt, dass er ihr deutliche Grenzen setzt. Die Gründe dafür erfährt man leider über das ganze Buch nicht.

Mit Weed setzt sich auch ihre Reifung in einem schnelleren Tempo fort, auch wenn Jessamine nur kurzfristig an Stärke gewinnt. Kaum ist sie ihre Verantwortung wieder los, überwiegt wieder die hilflose Naivität, die sie vorher ausgezeichnet hat. Weed bleibt dagegen das ganze Buch über blass, die wenigen Andeutungen reichen nicht aus, um sich wirklich ein Bild von ihm zu machen.

Das Zusammenspiel mit Weed ist sehr schön in Szene gesetzt, man verfolgt fasziniert, wie sie und der junge Mann sich näher kommen, in einander verlieben und nachher so viel Vertrauen da ist, dass sie auch sein Geheimnis erfahren darf.

Nach diesem Höhepunkt flacht die Geschichte allerdings ab. Bei dem Versuch dramatisch zu werden und dabei auch eine phantastische Note einzubringen, schießt die Autorin deutlich über das Ziel hinaus. Der Fokus springt ständig zwischen Weed und Jessamine hin und her, was für Verwirrung sorgt, da man hin und wieder nicht auseinanderhalten kann, wer nun eigentlich im Fokus der Ereignisse steht.

Den Giftpflanzen des eingeschlossenen Kräutergartens Seele und Stimme zu geben ist zwar eine interessante Idee, wirkt aber in diesem Fall ziemlich aufgesetzt, ebenso wie die Verdächtigungen, die mehrfach ausgesprochen wurden. Dann gibt es auch noch einen Cliffhanger, so dass eine Entscheidung offen im Raum stehen bleibt.

Alles in allem verliert das Buch zum Ende hin deutlich an Spannung und Atmosphäre, da das kryptische Spiel zwischen Weed und den Pflanzen nicht sonderlich glaubhaft vermittelt wird.

 

Obwohl „Liebe ist unheilbar“ sehr stimmungsvoll anfängt und neugierig macht, ist der erste Band der „Poison Diaries“ doch auch eine Enttäuschung, da die Geschichte am Ende einfach nur noch verwirrend wird und die Ideen unausgegoren zusammengeworfen werden Hier wäre eine Anlehnung an die Schauerromantik wesentlich sinnvoller gewesen als der gewaltsame Versuch, magische Fantasy in die ansonsten eher mit beiden Beinen in der Realität stehende Geschichte einbringen zu wollen.

 

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Liebe ist unheilbar

Reihe: Die Poison-Diaries, Bd. 1

Autorin: Maryrose Wood

gebunden, 266 Seiten

Fischer, erschienen Juni 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Alexandra Ernst

Titelbildgestaltung: Hauptmann & Kompanie

ISBN-10: 3841421245

ISBN-13: 978-3841421241

Erhältlich bei: amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.06.2011, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59