Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Lolle und die furchtlosen Zwillinge von Kathrin Schrocke

Rezension von Peter Singewald

 

Lolle und die furchtlosen Zwillinge ist die Geschichte der beiden Zwillingen Anna und Hannes Olle, die mit ihren Eltern im Erbsenzählerweg 99 ein Leben führen, das von einem Plan in der Küche bestimmt wird. Gerade als die Familie beim planmäßigen „Sonntag vier Uhr bis fünf Uhr: Gepflegt Tee trinken, nervös mit dem Löffel klimpern und plaudern“ zusammen sitzen, rast ein Laster in ihren Vorgarten und bringt den Plan vollständig durcheinander. Dieser zeigt fortan, dass die Eltern für zwei Tage verreisen und die Lastfahrerin, die sich als Tante Lolita Olle, auch genannt Olle Lolle, herausstellt, in dieser Zeit auf die Zwillinge aufpasst. Da man sich an Pläne halten muss, sind die Eltern innerhalb kürzester Zeit in einem Taxi verschwunden und überlassen die drei zurückgebliebenen ihrem Schicksal. Olle Lolle, die Kinder nicht ausstehen kann, nimmt daher Anna und Hannes mit auf ihre Lieferfahrt. Sie muss eine Ladung besiegter Albträume nach Jammertal bringen, wo sie in die Wiederaufarbeitungsanlage kommen.

Was nun folgt, ist ein Abenteuer, in dem die Zwillinge und auch Olle Lolle einige Ängste und auch viele Gefahren besiegen, seltsamen Gestalten begegnen und durch das verzauberte Jammertal fahren, in dem sich die launische Autobahn selbst verlegt, nur die Schluchzwelle im Radio zu hören ist, ein Moor seufzt und Monstern die Tränen von ängstlichen Kindern serviert werden.

 

Lolle und die furchtlosen Zwillinge ist das erste Buch von Kathrin Schrocke, die damit Kindern ab sieben Jahren zeigen will, dass man sich vor weniger Fürchten muss, als man gemeinhin tut, und dass auch Erwachsene, egal, wie stark und groß sie scheinen mögen, oft vor Sachen Angst haben, die Kinder einfach nur Lustig finden.

In seinem Verlauf erinnert es ein wenig an Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, welches auf ähnliche Weise voller skurriler Ideen steckt und dessen Hauptakteure nach einem wundersamen Abenteuer wieder nach Hause zurückkehren und sich gegenseitig an das Geschehene erinnern. Es kommt jedoch nicht an dessen Klasse heran, da die Ideen oft nur ihrer selbst aufzutauchen scheinen, nicht weil sie eine Auswirkung auf spätere Ereignisse hätten. Die Ereignisse während der Fahrt durch Jammertal könnte man fast alle in ihrer Reihenfolge vertauschen oder auch weglassen, ohne dass sich an der grundlegenden Geschichte etwas ändern würde. Auch fehlt ein wenig die charakterliche Entwicklung, denn am Ende kehren die Kinder wieder zu ihren Eltern zurück, die zwar braun gebrannt aus ihrem Urlaub zurückkommen, jedoch wieder sklavisch zum Plan rennen. Und Lolles anfängliche Abneigung gegenüber den Kindern ist für den Verlauf der Geschichte relativ bedeutungslos, so dass die Zuneigung, die sie in Gedanken am Ende ihnen gegenüber ausdrückt, keine wirkliche Veränderung markiert.

Hinzukommt, dass Hannes eher als das fünfte Rad am Wagen erscheint. Er hätte vielleicht mit Anna in einer Person verschmolzen werden können, was dieser etwas mehr Tiefe gegeben hätte.

 

So bleibt dem Erwachsenen, der das Buch seiner siebenjährigen Tochter vorgelesen hat, ein etwas schaler Nachgeschmack, was aber, in Anbetracht dessen, dass es der Tochter sehr gut gefallen hat und es sich um ein Buch für Kinder handelt, belanglos ist.

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Buch:

Lolle und die furchtlosen Zwillinge

Autorin: Kathrin Schrocke

Verlag: Loewe Verlag

ISBN 3785551703

gebunden, 160 Seiten; ab 8 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 10.08.2005, zuletzt aktualisiert: 13.08.2019 20:21