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Madelyn - Ort des Schreckens

Rezension von Christel Scheja

 

Tamara Thorne ist eine in Deutschland noch unbekannte Autorin, die wie so viele andere Kolleginnen erst unter einem männlichen Pseudonym veröffentlichte, ehe akzeptiert wurde, dass auch Frauen harte Thriller schreiben können. Ihr Erstling beweist, dass es nicht auf das Geschlecht ankommt, um dem Leser angenehmes Grauen zu verschaffen.

 

Madelyn ist ein kleines Nest in der kalifornischen Wüste. Die Menschen kennen einander ziemlich gut – meinen sie zu mindest. Denn hinter den Kulissen tun sich so manche Abgründe auf, die keiner erwartet. Nur in einem sind sich die Bewohner des Ortes einig: Die Anhänger und vor allem der Anführer einer Sekte, die in einem abgelegenen Anwesen in der Nähe wohnen, sind allesamt verrückt. Vor allem als sie anfangen zu predigen, dass das Ende der Welt nahe sei und alle sündigen Menschen ihr Ende finden würden. Die vier apokalyptischen Reiter warteten nur darauf, alle zu strafen, die nicht bereit waren, zu bereuen.

Keiner nimmt das Gerede ernst. Doch dann werden Tiere auf brutale Art und Weise getötet. Mit ihrem Blut besudeln die Täter Briefkästen und sogar die nahegelegene Kirche. Die Zahl des Teufels 666 taucht überall auf. Nun bekommt auch der Wahrsager des Ortes, Carlo Pelegrine mehr Zulauf als früher. Die Menschen wissen nicht, dass der freundliche Mann selbst ein düsteres Geheimnis hütet, dass er seit mehr als einem Jahrzehnt zu vergessen und besiegen versucht.

Die Menschen sind verstört. Nur einige wenige wie Thomas Abernathy und seine Freundin Marie Lopez versuchen herauszufinden, was los ist. Sie haben einen Verdacht, aber können sie diesen beweisen? Vor allem haben sie das Gefühl selbst in die Schusslinie geraten zu sein.

Als dann auch noch Frauen spurlos verschwinden ist guter Rat teuer. Sind sie das Opfer eines Serientäters geworden, der nach vielen Jahren wieder aufgetaucht ist, oder hat der „Häuter“ einen Nachahmer gefunden? Und zu allem Übel gibt es auch noch vermehrte Ufo-Sichtungen...

Nun wissen die Bewohner von Madelyn wirklich nicht mehr wo sie dran sind. Lässt sich das alles noch realistisch erklären oder sind hier übernatürliche Kräfte am Werk?

 

Tamara Thorne benutzt ein in amerikanischen Thrillern sehr beliebtes Motiv: Das abgeschiedene Nest in der Einsamkeit, dessen Bewohner vordergründig hinterwäldlerisch, naiv und spießig sind, in deren Mitte aber ein schlimmerer Wahnsinn tobt als in den Städten. Dazu kommt noch eine Sekte mit unlauteren Absichten und einem ziemlich verrückten Anführer... Alles in allem ein ziemlich bekannter Cocktail ... der hier aber noch mit anderen Zutaten garniert wird, die ihn etwas interessanter machen.

Die Stärke des Romans liegt allerdings nicht in der Handlung, die relativ leicht zu durchschauen ist, sondern in der Darstellung der Ereignisse aus der Sicht der verschiedensten Figuren. Darunter sind ganz normale Bewohner des Ortes, wie Tom Abernathy und Maria Lopez, die ohne es zu wollen in den Strudel des Grauens geraten, aber auch der Carlo Peregrine, der Wahrsager oder James Sinclair, der Sektenführer, die beide am Rande des Wahnsinns entlang schrammen, aber anders damit umgehen. Die Figurenzeichnung ist bis zum konsequenten Ende gelungen, erfordert aber auch durch die weitausholende Schilderung ihrer Entwicklung einiges an Durchhaltevermögen. Das heißt also: Wenn man actiongeladene oder komplexere Handlungen schätzt, dann sollte man lieber die Finger von dem Roman lassen.

Eure Meinung:


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Madelyn - Ort des Schreckens

Autorin: Tamara Thorne

broschiert – 1671 Seiten

Knaur, München, erschienen Juli 2006

ISBN: 3-426-63264-0

Titelbild von Getty Images

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.06.2006, zuletzt aktualisiert: 31.08.2018 17:18