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Malfuria von Christoph Marzi

Rezension von Christine Schlicht

 

Eine alte Frau muss mit Schrecken feststellen, dass ihre Flucht umsonst war und ihr Weg zuende ist. Sie kann aber verhindern, dass sie und ihre wertvollen Pergamente dem Feind in die Hände fallen, indem sie sich selbst verbrennt.

 

Barcelona, die singende Stadt, später. Catalina Soleado wurde von ihrer Mutter bei einem alten Kartenmacher zurückgelassen und wuchs bei ihm in einer alten Mühle auf, die seine Werkstatt und sein Heim ist. Von ihm lernt sie die Kunst des Kartenzeichnens und kann schon hervorragend Karten kopieren. Catalina ist sich auch sicher, dass sie selbst schon Karten zeichnen kann. Sie lebt sorglos und versteht nicht, warum ihre Mutter immer in Sorge war. Weil sie anders sind. Catalina will das nicht verstehen, aber ein Kind, das mit dem Wind sprechen kann, ist nicht unbedingt etwas alltägliches.

 

Jordi Mari, der Sohn des Leuchtturmwärters hat da etwas alltäglichere Sorgen. Seinem Vater sitzt die Hand sehr locker und das noch sehr viel mehr, wenn er, wie eigentlich immer, betrunken ist. Was auch immer Jordi macht, es ist nicht gut genug und dafür bekommt er Prügel. Eines Tages nähert sich ein seltsames Schiff der Küste: Eine fliegende Galeone. Jordi kann es nicht fassen, auch nicht, dass dieses Schiff seinen Vater kaum zu beeindrucken scheint.

 

Als Jordi eines der Leuchtgläser kaputt macht, ist ihm klar, was ihm dafür blühen wird. Da sein Vater aber noch seinen Rausch ausschläft, macht sich Jordi auf den Weg, ein neues Leuchtglas zu beschaffen. Er kann noch eines ergattern, doch als er zurück zum Leuchtturm will, begegnet ihm eine unheimliche Gestalt. Ein Wesen mit der Maske eines Harlekin, von dem eine unheimliche Kälte und Dunkelheit ausgeht. Die Lampe fällt ihm vor Schreck aus den Händen und zerbricht.

 

Catalina erfährt von dem alten Kartenmacher ein Geheimnis. Ihre Mutter konnte lebendige Karten zeichnen. Tatsächlich verändert sich eine von ihr gemachte Karte unter Catalinas Händen und ein darauf gemaltes, düsteres Schiff bewegt sich auf die Küste zu. Catalina erfährt, dass ihre Mutter dem Kartenmaler auftrug, sie wegzuschicken, wenn sich das Schiff bewegt, weil sie dann in großer Gefahr sei. Tatsächlich klopft es an die Tür und eine Gestalt in Harlekinsmaske steht davor. Der Kartenmacher versucht, ihn aufzuhalten, um Catalina die Flucht zu ermöglichen, doch die will nicht ohne ihn gehen. Erst als der Schatten des Kartenmachers von diesem Besitz ergreift und der alte Mann nicht mehr Herr seiner selbst ist, flieht sie ins Obergeschoss. In der Dunkelheit ihres Zimmers kann sie dem armen Mann noch entlocken, dass sie Makris de los Santos aufsuchen soll. Ihr gelingt die Flucht aus dem Zimmer auf die Windmühlenflügel. Der Wind rettet sie und trägt sie auf einem Stofffetzen davon.

 

Jordi beschließt, nicht mehr auf den Leuchtturm zurück zu kehren. In der Stadt beobachtet er weitere Harlekin, wie sie die Menschen beeinflussen und sie zu willenlosen Spürhunden machen. Er entdeckt die armen Leute, wie sie um eine Mühle lauern und sieht ein seltsames Flugobjekt. Ein Mädchen. Und er zögert nicht lange, mit ihr auf dem Stofffetzen zu fliehen, als die Marionetten der Schatten sie fangen wollen. Sie werden von Schattenwesen, beeinflussten Feldermäusen, verfolgt, die sich einfach nicht abschütteln lassen wollen. Aber El Cuento trägt sie sicher und mit Hilfe wilder Winde und brennender Stofffetzen werden sie ihre Verfolger los.

 

Sie werden im Haus der Nadeln aufgenommen, einer Bibliothek, wo sie auch eine Menge Hinweise bekommen zum Beispiel über den Arxiduc, einer Art Inquisitor des Pontifex. Die Arxiduc der Familie Karfax waren allesamt berühmte Hexenjäger. Karim Karfax befindet sich mit der fliegenden Galeone in Barcelona und schickt seine „Eistreter“ aus. Eigentlich sucht er Catalinas Mutter, doch die Tochter wäre auch eine schöne Beute. Ihre Flucht geht weiter, durch die Katakomben der Stadt bis zur Kirch der Sagrada Familia.

 

Catalina verliert dabei Jordi, ihren treuen Begleiter, und trifft in der Sagrada Familia auf ihre Mutter, die ihr eine schreckliche Geschichte über Catalinas vermeintliche Beschützer erzählt und über ihre Großmutter, die sich angeblich mit den Schatten verbündet hatte.

 

Doch Catalina erkennt die Wahrheit – und ihren wahren Feind.

 

 

Einmal Bekanntes und Unbekanntes in einen großen Topf gehauen, Deckel drauf, gut schütteln und einmal rühren: Voilá – Ein Kessel Buntes. Ein bisschen verwirrend, wie da die Welt, die man zu kennen glaubt – besonders, wenn man schon mal in Barcelona weilte – dargestellt wird, aber warum nicht? Öfter mal was Neues. Also lässt man sich erst mal so richtig auf die Personen ein, die diese Mischung aus realem und Fantastischen bevölkern. Und mit einem Mal ist diese fantastische Welt so richtig Realität. Man nimmt alles gern hin, da es einfach nicht anders sein kann. In der Bibliothek werden Buchstaben eingefangen und an Bücherwürmer verfüttert und nachher wird aus einem Ei ein neues Buch geboren. Bitteschön, warum auch nicht?

 

Die Wunder nehmen anscheinend kein Ende und man wundert sich nur, woher Marzi diese ganzen Einfälle und Ideen noch nimmt. Denn obwohl man den Eindruck hat, das alles doch schon mal irgendwo gelesen zu haben, so sind alle Wunder und Fantastereien in diesem Buch so eigenständig beschrieben, dass es eben doch alles Neu ist. Endlich mal Fantasy ohne ein fremdes Land und fremde Völker, die man schon tausendfach kennt und die immer irgendwie gleich sind (irgendwie hat noch niemand versucht, einen Ork als nettes Lebewesen zu beschreiben, sie sind immer nur das abgrundtief Böse). Marzi macht aus Bekanntem Unbekanntes, aus Bösen Gutes und aus Gutem Böses.

 

Der Leser hetzt mit Catalina atemlos durch diese bekannte, unbekannte Stadt und wird immer wieder mit anderen Betrachtungsweisen scheinbar schon lange abgefrühstückter Tatsachen konfrontiert.

 

Einfach fantastisch und ein grandioser Lesespaß, der flüssig zu lesen ist und den man nur ungern wieder weg legt – hoppla, hat sich da nicht gerade ein neues Buch aus meinem Frühstücksei gepellt?

 

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Buch:

Malfuria

Autor: Christoph Marzi

Gebundene Ausgabe: 323 Seiten

Verlag: Arena (15. Januar 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3401060899

ISBN-13: 978-3401060897

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 11.09.2007, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49