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Mercy 1: Die Dame, die Kälte und der Teufel

Rezension von Christel Scheja

 

Die aus Neapel stammende Künstlerin Mirka Andolfo hat sich durch ihre eigene Serie Contronatura und Arbeiten an den US-amerikanischen Serien Wonder Woman und Ms. Marvel einen Namen in der internationalen Szene gemacht. Sie ist Autorin und Zeichnerin und Koloristin zugleich, ein Allround-Talent, das nun ihr Können ein weiteres Mal in einer neuen Serie präsentiert. Die Dame, die Kälte und der Teufel ist der Auftakt zu einer mysteriösen Geschichte aus dem vorletzten Jahrhundert.

 

Die Bewohner der Kleinstadt Woodsburgh horchen auf, als eine geheimnisvolle Fremde in ihre beschauliche Welt einbricht. Die ihnen allen unbekannte Adlige Lady Nolwenn Hellaine ist eine schillernde Persönlichkeit, die gleich alle in ihren Bann schlägt aber nicht wirklich viel über sich verrät, wenn sie einmal in der Öffentlichkeit auftritt. Nur ihr allseits präsenter Butler Albert scheint mehr über sie zu wissen, aber jeder wundert sich, dass sie aus dem quirligen Seattle ausgerechnet hierhin gekommen ist.

Allerdings ist sie nicht die einzige Veränderung in de beschaulichen Städtchen, denn schon bald sucht eine mörderische Kreatur die Gassen heim und hinterlässt so manche Leiche. Allerdings scheint der Killer keine besonderen Vorzüge zu haben.

Und dann ist da noch ein tapferes kleines Mädchen, eine Waise, die sich zwischen Armenhaus und Straßen durchs Leben schlägt und die Hoffnung auf ein besseres Leben noch nicht verloren hat. Schon bald wird auch sie in den Strudel der Ereignisse mit hinein gezogen.

 

Licht und Schatten – hier verkörpert durch die Reichen, die sich ein gutes Leben machen und ihren Spaß haben, während sie die Armen ausbeuten, treffen hier ebenso aufeinander wie gesellschaftliche Bigotterie, die unverwüstliche Hoffnung auf ein besseres Leben und den Mut genau das auch anzugehen.

Natürlich ist es für den Leser recht schnell klar, wer hinter den plötzlich auftretenden Todesfällen und Morden in der Stadt steckt, aber das wirft eigentlich nur noch mehr Fragen auf – auch die ob das Monster hier wirklich das Böse ist.

Die Geschichte springt jedenfalls erst einmal zwischen den verschiedenen Protagonisten hin und her, um sie vorzustellen und erste feine Andeutungen zu machen. Aus diesem Grund passiert zwar eine Menge auf den über 50 Seiten, die am Ende noch durch einen ausführlichen Skizzenteil ergänzt werden, aber die Handlung kommt nicht wirklich voran. Man kann also davon ausgehen, dass die Geschehnisse sich wohl über mehr Bände als nur zwei oder drei erstrecken werden, man muss sich nur überraschen lassen, wie viele.

Bis dahin kann man eine abwechslungsreiche Geschichte mit Ambiente genießen, die mit den Geheimnissen spielt und zunächst nicht viele Fragen beantwortet. Der Stil der Künstlerin vertieft die Stimmung, ist er doch sehr modern und bewegt sich irgendwo zwischen Manga, francobelgischer und amerikanischer Comic-Kunst, ist so eigenwillig, dass er sich nicht in eine Schublade packen lässt, genauso wenig wie die Handlung. Und das macht tatsächlich Lust auf mehr.

 

Fazit:

»Mercy 1: Die Dame, die Kälte und der Teufel« ist der interessante Auftakt zu einer weiteren Serie der italienischen Ausnahmekünstlerin Mirka Andolfo, die Mystery und Horror, Phantastik und Action in eine ungewöhnliche Handlung verpackt und in gekonnt in den Bann zu schlagen weiß. Gerade wenn man bekannte Elemente in einem neuen Kontext erleben will, sollte man ruhig einen Blick riskieren.

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Eure Meinung:

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Comic:

Mercy 1: Die Dame, die Kälte und der Teufel

Original: Mercy – Primo Volume: La Dama, il Gelo e il Diavolo, Italien 2020

Autorin: Mirka Andolfo

Zeichnungen und Farben: Mirka Andolfo

Übersetzung: Michael Bregel

Panini Comics, 03/2020

Hardcover, 68 Seiten

 

ISBN-10: 3741617563

ISBN-13: 978-3741617560

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 10.04.2020, zuletzt aktualisiert: 22.09.2020 20:09