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Mission Hydra von Jeremy Robinson

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Die sagenumwobene Hydra; neunköpfig, unsterblich und unbesiegbar. Schlug man dem schlangenähnlichen Ungetüm einen Kopf ab, wuchsen gleich zwei neue nach. Und schenkt man den Mythen und Legenden Glauben, so war es Göttersohn Herakles, der die gigantische Wasserschlange letztlich zu Fall brachte. Eine hübsche Geschichte und letztlich doch kaum mehr als eine unheimliche Gutenachtgeschichte … oder etwa doch nicht?

Als der Archäologe George Pierce auf die Überreste der „Argo“ – jenes Schiff, mit dem Herakles und fünfzig weitere Helden unter anderem nach dem Goldenen Vlies suchten – samt Besatzungsverzeichnis stößt, werden auch seine bisherigen Weltansichten massiv auf den Kopf gestellt. Besagtes Verzeichnis führt ihn sogar weg von der Alten Welt und weiter nach Peru. Denn dort, inmitten der nicht minder geheimnisvollen Nazca-Geoglyphen, soll Herakles die Überreste der besiegten Hydra unter dem heißen und trockenen Wüstensand vergraben haben.

Anders als Pierce, macht sich Jack Sigler nicht besonders viel aus derlei, vermeintlich sensationellen, Funden. Alles, wonach sich der Anführer der unerschrockenen Delta Airforce-Spezialeinheit sehnt, ist ein wenig Distanz von seinem ohnehin schon aufreibendem Job und ein Wiedersehen mit Pierce, der um ein Haar Siglers Schwager geworden wäre, hätte sich das Schicksal nicht dagegen verschworen gehabt.

Doch die Wiedersehensfreude und vermeintliche Ruhe findet ein jähes und brutales Ende, als schwer bewaffnete Unbekannte Tod und Verderben unter den Wissenschaftlern säen. Lediglich Pierce wird verschont. Doch haben die Männer die Rechnung nicht mit Sigler gemacht, der sich retten kann und prompt die Verfolgung aufnimmt. Der Einsatz dieses waghalsigen Manövers hat sich jedoch verdoppelt. Fortan gilt es, nicht nur Pierce aus den Fängen der Entführer zu befreien, sondern gleichfalls die Überreste der Hydra, welche beim Überfall in Peru entwendet wurden. Zusammen mit seinem Delta Airforce Team stößt Sigler auf die Spur des ebenso brillanten wie größenwahnsinnigen Richard Ridley, seines Zeichens Kopf eines der größten, global operierenden Unternehmen in Sachen Biopharmazeutik und Genetik – und dank seines Vermögens mit praktisch unbegrenzten finanziellen Mitteln ausgestattet. Doch was kann ein Mann vom Stande eines Richard Ridley, gesegnet mit Einfluss, Macht und Reichtum noch mehr wollen? Die Antwort ist einfach: Noch mehr Macht. Ergänzt durch einen Menschheitstraum, dessen Entschlüsselung in der DNS der Hydra-Überresten zu finden ist: Unsterblichkeit. Zumal Ridleys bisherige Forschungen in dieser Richtung alles andere als erfolgreich waren und die zahllosen, unfreiwilligen menschlichen Testobjekte in rasende, mordlüsterne Bestien verwandelt hat. Nicht, dass Ridley keinen Nutzen für jene Monstrositäten hätte; im Gegenteil. Schließlich ist ihm das Delta Airforce Team auf den Fersen …

 

Mission Hydra markiert das deutschsprachige Debüt des aus Massachusetts stammenden Autoren Jeremy Robinson. Allerdings ist es kein Debütroman. Zuvor hatte Robinson bereits vier andere Romane verfasst, welche allerdings in die gleiche Kerbe wie vorliegendes Werk schlugen. Soll heißen: rasante Thriller, voll gepackt mit Action, exotischen Schauplätzen und einem leichten Hang ins Phantastische. Wobei natürlich stets die Gefahr besteht, dank letztgenanntem Punkt böse auf den Allerwertesten zu fallen. Gestandene Kollegen wie das Autorengespann Douglas Preston/Lincoln Child oder Matthew Reilly können nur allzu gut ein Liedchen darüber singen. Und auch bei „Mission Hydra“ hat man stellenweise das ungute Gefühl, dass Robinson letztlich doch an diesen ziemlich hohen Felsen zerschellen wird … es ihm aber trotzdem und irgendwie gelingt, in letzter Sekunde daran vorbeizuschrammen. Zwar beginnt die „Mission Hydra“ relativ verhalten statt mit einem mächtigen Wumms, doch wird die Temposchraube kontinuierlich und in verträglich-übersichtlichen Dosen angezogen; werden die „Guten Jungs“ und der „Bad Guy“ nach und nach auf dem literarischen Schachfeld platziert und dürfen ihre ersten Züge unternehmen. Nichts Neues also, dafür aber altbekannt und gleichzeitig gut bewährt. Dabei führt die Hetzjagd über Südamerika hin auf ein kleines Eiland und gipfelt schließlich in einem Geheimlabor im ländlichen New Hampshire, welches den Schauplatz für das groß angelegte Finale darstellt und Robinson endlich die Möglichkeit gibt, seiner offenkundigen Leidenschaft für XXL-Monster ungehindert nachzukommen. Das Ergebnis sind nahezu filmreif angelegte Szenen inklusive den obligatorischen Cliffhangern, die dem Leser schlussendlich keine andere Wahl lassen, als weiter zu lesen – auch wenn der Unterpunkt Spannung hie und da doch schon sträflichst vernachlässigt wurde.

 

Fazit:

„Mission Hydra“ ist, trotz kleiner Schwächen, ein gelungener Auftakt für Jeremy Robinson und das Delta Airforce Team, das hoffentlich schon bald einen Nachschlag erhalten wird.

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Eure Meinung:

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Buch:

Mission Hydra

Originaltitel: Pulse

Autor: Jeremy Robinson

Übersetzer: Peter Friedrich

Taschenbuch, 480 Seiten

Ullstein, 15. April 2010

 

ISBN-10: 354828177X

ISBN-13: 978-3548281773

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.08.2010, zuletzt aktualisiert: 31.08.2018 17:18