Nautilus Nr.18
 
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Nautilus Nr. 18

Rezension von Karl-Georg Müller

 

„Wendemagazin“ bezeichnet sich die 18. Ausgabe der „Nautilus“, Magazin für „Abenteuer & Phantastik.“ Haben wir das mit „Wende“ nicht Ende der 80er Jahre eines vorigen Jahrhunderts abgeschlossen, und klingt das somit nicht ziemlich altvordern (um auf die tolkienschen Termini einzustimmen)? Für mich schon, für andere mag es modern ausschauen. Und es zieht eine scharfe Trennlinie zwischen Tolkien-Teil und dem Rest des phantastischen Genres.

 

Ich beginne mit den 30 Seiten zu Tolkiens Werk. Eingestimmt wird der Leser auf das Dauerthema durch drei Interviews, geführt mit Grimá Schlangenzunge, Haldir und Rosie Hüttinger. Ein netter Artikel macht mit Gollum näher bekannt, der nach dem 2. Filmteil sicherlich an Sympathie in der nicht vom Ringvirus infizierten Filmgemeinde gewonnen hat. Woher stammt Gollum, welche Unterarten an Hobbits lassen sich nachweisen – Fragen, auf die Antworten gegeben werden.

 

Lars Schiele formt die Ringlegende um: die Guten sind böse, die Spielgruppe muss den Ring selbst entsorgen. Ein fragmentartig ausgearbeiteter, aber nicht uninteressanter Abenteuersplitter, den Stoff einmal anders zu erleben. Spielfertiger gestaltet sich das Abenteuer „Nacht über den Hügelgräbern“, das für verschiedene Spielsysteme verwendbar ist, aber vorrangig zum Einstieg in das neue Mittelerde-Rollenspiel dienen soll. Ja, wirklich, wieder „Hügelgräber“ – offenbar die meistbesuchten Örtlichkeiten auf Mittelerde und daher gerne als Vehikel für den Transport einer Abenteueridee ausgegraben. Doch Falk Behr hat sich Mühe gegeben und ein rundes Abenteuer geschrieben, genau so, wie es sich für eine Anfängergruppe gehört.

 

70 Seiten sind für den Rest der Welt reserviert. Schwerpunkt dieser Ausgabe bilden „Mumien.“ Die schlurfen uns in Artikeln wie „Mumien im Film“ und „Die uralten Toten im Rollenspiel“ entgegen. Oder im Film „Anatomie“, minder mumienmäßig, aber doch halbtot. In diesen meist weniger ausführlichen Abhandlungen beweist sich auch die Stärke des Magazins: Anreize bieten durch offenbar gute recherchierte Artikel, um sich später durch weiterführende Literatur in die dargebotene Materie vertiefen zu können.

 

Erfreulich ist, dass die „Nautilus“ außerdem den arg gebeutelten Brettspielebereich mit drei Seiten bedenkt, passend zum Thema Ägypten. Spiele wie „Tal der Könige“ sind immer eine Vorstellung wert. Das ist lobenswert.

 

Drei Beiträge hebe ich noch besonders hervor. Uwe Anton, ausgewiesener „Dick“-Kenner, stellt uns Stephen King auf zwei Seiten vor. King schreibt seit 1965 (wiewohl dieser Roman noch nicht veröffentlicht wurde …); 38 Lebensjahre werden im Eiltempo durchgehechelt – das muss scheitern. Jens Altmann öffnet uns die „Tore zu Fantasy-Welten“ mit dem Untertitel „Wie man die Reiche der Imagination selbst betreten kann.“ Das liest sich sehr angenehm, mindestens interessant. Aber Hugh Walker mit seinen Magira-Romanen, erstmals 1975 in der Reihe „Terra Fantasy“ publiziert, hätte meines Erachtens erwähnt werden müssen (wenn Bernhard Hennen, dann auch Hugh Walker …) Das Beste zum Schluss: Ein Interview mit Tad Williams. Christopher Bünte gelingt es, ein paar aufschlussreiche Antworten zum aktuellen Schaffen des Autors zu erhalten. Kurzum: sehr gut.

 

Erwähnen muss ich den Comic „Kriegfried und Lávendell im Nebelland.“ Er wird als „Gimmick“ angepriesen, stammt von Serpé, ist 28 Seiten lang und erschien ursprünglich in der seligen „ZauberZeit“, dort beginnend in Ausgabe 13. Er wurde neu gelettert und aus diesem Grunde wenigstens besser lesbar. Dafür kommt er weder besonders originell noch innovativ daher. Aber mit „Randalf“, Zauberer. Ach, deshalb …

 

Der übrige Teil ist rasch zusammengefasst: News, Beiträge zu Filmen und Computerspielen (wie immer wenig aktuell - während in der „Nautilus“ noch angekündigt, hat „GameStar“ bereits das neue „Indy-Spiel“ durchgetestet.) Die Bewertungen dazu lesen sich regelmäßig so: unterhaltsam, spannend, fulminant, fesselnd, packend … Auf die Dauer enervierend.

 

Ach, und dann gibt es noch den von mir so bezeichneten „Werbeteil“, der uns jedoch schamlos im redaktionellen Part entgegenblickt: die Verlagsankündigungen. Natürlich immer wertfrei, manchmal hart an der Realität (diesmal mit ein paar weniger Vorhersagen; die MIDGARD-Seite ist nicht vorhanden, Amigo blickt zurück). Es mag sein, dass ich wahrhaft nicht den umfassenden Blick über den Zeitschriftenmarkt habe, aber es ist mir kein Magazin geläufig, das Verlagen ein solch unkommentiertes Podium zum Anpreisen der eigenen Produkte bietet.

 

Womit wir beim abschließenden „Anpreisen“ sind. Kritische Töne sind nicht die Stärke des Magazins, im Gegenteil: Wer den eingeschränkten Blick auf die schönen & guten Seiten des phantastischen Geschäftes als Balsam für die Seele braucht, um das graue Einerlei des Alltags zu ertränken – zugreifen. Die Artikel sind allesamt routiniert geschrieben, wiewohl ich eine stilistische Eigenständigkeit der Autoren nicht herauslesen kann.

 

Den anderen, die sich kritischen Worten nicht weltfremd verschließen, sei die „Nautilus“ mit viel Vorbehalt ans Herz gelegt. Zum einen stellt sie doch ein aufrechtes Fähnlein im Winde dar, das nicht nur ein paar nützliche Dinge für uns Rollenspieler bereithält, sondern eben das phantastische Genre mit all seinen Facetten nach Außen hin vertritt. Zum anderen braucht unsereins vielleicht auch einmal ein solch positiv gestimmtes Heft, damit wir gut gelaunt der ach so bösen Welt Widerstand leisten können.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240413020236d11982bd
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Nautilus Nr. 18

Dezember - Februar 2003

Genre : Abenteuer & Phantastik

Erhältlich bei: NAUTILUS - Abenteuer & Phantastik


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Erstellt: 09.08.2005, zuletzt aktualisiert: 23.01.2021 18:54, 899