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Neva von Sara Grant

Rezension von Christel Scheja

 

Es ist erstaunlich, dass im Moment ausgerechnet Dystopien hoch im Kurs stehen, gerade im Jugendbuch. Auch wenn die Geschichte oft durch eine zugesetzte Romanze ein wenig abgemildert wird, so bleibt das Thema doch oft brisant genug, sei es nun, dass ein totalitäres Regime mit Gewalt Macht über die Menschen ausübt, oder sie auf viel subtilere Weise gleichzuschalten versucht. Was letztendlich bei allen betont wird ist der Kampf und die Freiheit des eigenen Willens.

Die 1968 in den USA geborene Journalistin Sara Grant, die aber inzwischen mit ihrem Mann in London lebt und dort bei einer Literaturagentur arbeitet, beschäftigt sich ebenfalls mit einer nicht ganz so schönen und heilen Zukunftswelt.

 

Neva und andere Jugendliche sind auf dem Weg zum Erwachsenwerden, aber noch haben sie die Freiheit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. So stellt sich das junge Mädchen zusammen mit ihren Freunden immer wieder die Frage, warum ihre Heimat eigentlich von einer undurchdringlichen Energiekuppel abgeschottet wird, und was dahinter liegt. Diese Frage will oder kann ihnen kein Erwachsener beantworten.

Auch nehmen die jungen Menschen es nicht so leicht hin, dass viele Rohstoffe knapp geworden sind, Gegenstände oft so lange benutzt werden, bis sie völlig abgenutzt sind oder nicht mehr zu reparieren sind. Auch schrumpft die Bevölkerung immer mehr. Obwohl die Frauen dazu angehalten werden, Kinder zu bekommen, ist die Sterblichkeit von Säuglingen und ihre Mutter hoch.

Letztendlich hinterfragen Neva, Sanna und die anderen das System und beginnen zu rebellieren. Doch wer nicht aufpasst, verschwindet spurlos. Das geschieht einigen aus dem Dunstkreis der jungen Frauen – nur sie selbst werden verschont, Neva vor allem deswegen, weil ihr Vater ein hoher Regierungsbeamter ist.

Doch das Mädchen lässt sich nicht unterkriegen, als sie auf Linie getrimmt werden soll, indem sie bei ihrem Vater im Büro arbeitet. Schnell merkt sie, dass auch dort alles nicht so läuft wie es soll und beginnt immer mehr ihrer Großmutter nachzueifern, die auch alles hinterfragte, bis sie eines Tages spurlos verschwand.

 

Sara Grant erfindet sicherlich das Rad nicht neu, wenn sie eine Welt erschafft, in der ein vielleicht in der Anfangszeit gut gemeintes System mittlerweile ins Gegenteil umgeschlagen ist, und diejenigen, die dagegen aufmucken, mundtot gemacht werden, indem man sie in Umerziehungslager oder –kliniken schickt.

Der einzige Aspekt, den sie nicht mit den anderen gemein hat ist, dass bei ihr zudem eine sinkende Bevölkerung dazu kommt und gerade die inhaftierten Frauen dazu herhalten müssen, das ein oder andere Kind zu produzieren.

Ansonsten findet man die üblichen Versatzstücke, angefangen von den Hardlinern, die fest an die Richtigkeit des Systems glauben, aber dennoch selbst hin und wieder straucheln, von dem harten Durchgreifen der Sicherheitskräfte, bis hin zu heimlichen Spitzeln in der Bevölkerung. Denn warum sollte sie nicht auch wie die anderen die realen Vorlagen verwenden, die gerade erst in den letzten zwanzig Jahren zusammengebrochen sind und damit ihre Ineffizienz bewiesen haben?

Die Liebesgeschichte ist diesmal tatsächlich nur Nebensache und verläuft auch nicht so wie gedacht, denn zum einen nimmt Neva ihrer besten Freundin sozusagen den Partner weg, und zum anderen hat auch ihr heißgeliebter Brandon ein Geheimnis.

Der Roman ist flüssig geschrieben, bleibt inhaltlich aber sehr oberflächlich. Das Regime wird nur sehr schwammig beschrieben, es wird eigentlich kaum deutlich, was das Leben unter der Energiekuppel so bedrückend macht, da die Jugendlichen und ihre Eltern ja doch immer noch eine Menge an Lebensqualität haben. Leider tragen auch die Figuren nur wenig dazu bei, das ganze zu vertiefen, auch wenn sie sehr lebendig wirken. Dennoch fehlt ihnen Tiefe und vor allem Entwicklung.

Erst zum Ende hin wartet die Autorin mit ein paar härteren Überraschungen auf, die noch für etwas Spannung sorgen. Der Abschluss bleibt relativ offen, so dass durchaus noch eine Fortsetzung möglich ist.

 

Alles in allem ist „Neva“ eine typische Dystopie, wie sie im Moment zu Dutzenden angeboten werden. Da sich die Autorin nicht tief genug in die Materie wagt, kommt der Roman nicht über ein Mittelmaß hinaus, da die Spannung nur mäßig und wenig im Kopf hängen bleibt, wenn man die Lektüre beendet hat. Als Einstieg in die Materie mag das Buch ganz nett, sein, weil es jüngere Leser nicht mit zu vielen Details und nachdenkenswerten Momenten überfordert – aber das ist auch schon alles.

 

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Neva

Autorin: Sara Grant

gebunden, 349 Seiten

Knaur/Pan, erschienen März 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Kerstin Winter

Titelbildgestaltung von Zero Werbeagentur

ISBN-10: 3426283484

ISBN-13: 978-3426283486

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.05.2011, zuletzt aktualisiert: 11.06.2019 19:38