Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Nussknacker und Mausekönig von Ernst Th. A. Hoffmann

Rezension von Christoph Mann

 

E.T.A Hoffmann, der Vater der deutschsprachigen Fantastik, starb bereits 1822. Heute – 183 Jahre später - gibt es also eine Neuauflage seiner Weihnachtsgeschichte „Nussknacker und Mausekönig“ – als besonderes Schmankerl: großräumig illustriert von Maurice Sendak, dem „Picasso der Kinderbücher“.

 

Das Buch zielt eher aufs Auge als auf den Geist, nicht der Inhalt, sondern die Aufmachung zählt. Da die zudem Geschichte nicht gerade neu ist, kann sie also auch nicht im Zentrum der Betrachtung dieses Buches liegen. Dennoch: Hoffmanns hypnotische Sprache transportiert den Leser in die Traumwelt der kleinen Marie, in der Puppen und Mäusearmeen einen nächtlichen Krieg führen, in der die einzigartig bunte Phantasie eines kleinen Mädchen zur Wirklichkeit wird und diese verwandelt, so wie dies lange nach E.T.A. Hoffmann aber ebenso lange vor Erscheinen dieses Buches in Alice im Wunderland oder dem Zauberer von Oz geschieht. All diese Geschichten haben ihre eigene zauberhafte Mystik, die gerade bei E.T.A Hoffmann sorgfältig Eingang in die Sprache findet. Diese aber ist, alleine schon aufgrund ihres Alters, weder zeitgemäß noch einfach zu durchdringen. Heutige grammatikalische Standards haben noch keine Gültigkeit, eine merkwürdige Wortwahl führen zu einer gewissen Distanz zu der Geschichte und erschweren den Einstieg, auch wenn sich Hoffmann gerne direkt an den Leser wendet: „so höre nun, geneigter Leser…“.

 

Wer lediglich „Nussknacker und Mausekönig“ lesen möchte, hat die Auswahl zwischen den verschiedensten Ausgaben oder wird auch in E.T.A.-Hoffmann-Anthologien fündig – und das für weit weniger Geld als die hier behandelte Neuerscheinung (19,99 Euro). Warum also gerade dieses Werk?

 

Hier wird diese bizarre Geschichte nun eben umrahmt - durch die großartige Feder von Maurice Sendak. Eine weiche Färbung und Kontrastierung wird mit bizarren Figurenformen und deren karikaturhaften Überzeichnung kombiniert. Dabei entsteht eine phantasievolle Untermalung der Geschichte, die auf ihre verträumte Weise genau das Bild im Kopf trifft, welches E.T.A. Hoffmanns Worte herbeirufen, oder eher: es verstärkt, vertieft, veranschaulicht. Immer wieder, wenn Auge und Geist von der schwierigen Sprache von E.T.A ermüdet sind, schweift der Blick auf die liebevolle Bebilderung und verfängt sich mühelos in den klaren und gleichzeitig verspielten Bildern.

Wäre das Buch nicht als Gesamtwerk so liebevoll und passend konzipiert, man würde dazu neigen, sich einzelne Seiten heraus zu reisen, und sie dann an die Wand zu hängen. So ist dies aber (leider) zu schade und man hätte das Gefühl, eine Gestalt zu zerfetzen, bei der sogar die dicken Seiten zeigen wollen, dass es nicht um die Vermittlung von Worten, sondern um die Schaffung eines Kunstwerkes auch auf den materiellen Ebenen geht. Einziger Wehrmutstropfen: cbj blieb nicht ganz so konsequent, wie es ein solches Projekt wohl verlangt hätte – das cbj-Emblem auf der Vorderseite mit seinem Geruch nach Massenproduktion stört die Optik ein wenig, und man hätte sich gefreut, in klassischer „Edles-Buch“-Tradition ein Stoffbändchen als Lesezeichen zu haben.

Ansonsten: Eine wirklich hübsche und gut abgestimmte Vorführung, wie ein Buch mehr sein kann als nur der Träger niedergeschriebener Worte, die Bilder von Maurice Sendak sind eine optisch äußerst ansprechende Ergänzung zu dem Märchen von E.T.A. Hoffmann – und das schließlich zu einem wirklich akzeptablen Preis.

 

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Buch:

Nussknacker und Mausekönig

Autor: Ernst Th. A. Hoffmann

Gebundene Ausgabe - 99 Seiten - Cbj

Erscheinungsdatum: September 2005

ISBN: 3570130401

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 22.02.2006, zuletzt aktualisiert: 27.02.2019 17:24