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Ohne Entschuldigung – Der Aufstand der Schüler von Isamu Fukui

Rezension von Carina Schöning

 

Jeder Schüler hat sich schon einmal von seinen Lehrern ungerecht behandelt gefühlt. Was aber wäre, wenn sie wesentlich mehr Macht über einen hätten? Diese Frage hat sich auch der amerikanische Schüler Isamu Fukui gestellt und im zarten Alter von 15 Jahren seinen Debütroman geschrieben.

 

In einer namenlosen Metropole in einer unbekannten Zukunft herrscht ein Bürgermeister despotisch über seine Bürger. Besonders das ehemals marode Schulsystem wurde reformiert und um einiges härter als früher gestaltet. Die Lehrer wurden generell mit mehr Macht ausgestattet und können jetzt nach Gutdünken ihre Schüler behandeln und auch im Unterricht einfach neue Regeln aufstellen. Die Schüler selbst werden mit einem Nummern- und Strichcode auf dem Unterarm versehen und sind vollkommen der Willkür der ultraautoritären Lehrer ausgeliefert. Nur wer sich fügt bekommt passable Noten. Die widerwilligen Schüler werden mit zusätzlichen Hausaufgaben bestraft oder schlimmer noch: mit einem Schulverweis. In einer Gesellschaft, in der der Schulbesuch eine so hohe Wertigkeit besitzt, heißt der Schulverweis fast schon automatisch, dass die Betreffenden von ihren Familien verstoßen werden und sich fortan als Obdachlose und Bettler durchschlagen müssen.

 

Auch der junge Tack leidet unter den gemeinen Lehrer und seinen desinteressierten Eltern. Er will sich zwar widerwillig dem System anpassen, scheitert dann aber doch immer wieder an ganz banalen Dingen wie einer missverstandenen Aufgaben oder eben zu wenig Zeit während einer Prüfung. Seiner jüngeren Schwester Suzie ergeht es ähnlich. Als Schulanfängerin wird sie erstmal von den Älteren gehänselt und gequält. Mehr aus Zufalls stößt Tack auf einen seltsamen Limonadenstand im ansonsten verlassenen und heruntergekommenen 19. Distrikt der Stadt. Der Verkäufer Umasi nimmt sich dem jungen Schüler an, unterrichtet ihn in Schwertkampf und Messerwerfen und unterstützt ihn auch finanziell. Bals schon kommt Tack regelmäßig zu ihm und macht schnell Fortschritte.

 

Währenddessen plant die geheime Untergrundorganisation „Truancy“ die nächsten Schritte im Kampf gegen den Bürgermeister und seine Unterdrückung. Neben der Rekrutierung von neuen Mitgliedern, stehen Angriffe und Terroraktionen im Vordergrund. Der Anführer Zyid geht ähnlich skrupellos vor wie sein Gegenspieler. Menschliche Opfer, egal ob aus den eigenen Reihen oder unschuldige Zivilisten zählen für ihn nicht. Als bei einem Angriff auf den neuen Disziplinardirektor Tacks Schwester Suzie getötet wird, schwört dieser Rache. Unter einem anderen Namen schleust Tack sich in die Organisation ein und sucht ihren Mörder.

 

„Ohne Entschuldigung – Der Aufstand der Schüler“ ist eine Mischung aus Thriller und dystopischer Zukunftsvision und liest sich wie das überspitzte Schreckensszenario eines jungen Schülers, was der Autor zu dem Zeitpunkt halt auch war. Schon die Widmung macht deutlich, dass Isamu Fukui anscheinend nicht die besten Erfahrungen im Schulwesen gemacht hat. In seinem Debütroman erzählt er nun von ultraautoritären Lehren und der ständigen Überwachung und Schikanierung durch ebendieser. Dabei konzentriert er leider hier nur auf die Schule und die Widerstandsgruppe. Alles andere wie Hintergrund, Entwicklung oder weitere Gesellschaftsschichten werden vernachlässigt. Selbst Tacks Eltern werden nur kurz in einem Nebensatz erwähnt. Für einen vollwertigen Science Fiction Roman ist dies ein bisschen zu wenig und auch als Thriller kann der Roman nicht wirklich überzeugen. Es hapert stark an Logik und Glaubwürdigkeit. Besonders Tack und Zyid handeln nicht immer realistisch und nachvollziehbar und die Unterweisungen von Umasi erinnern zu sehr an „Karate Kid“. Die Handlung dümpelt dabei in der ersten Hälfte munter vor sich, um dann in der zweiten Hälfte deutlich actionlastiger zu werden. Der Schluss setzt leider die logischen Schwächen fort und endet mit einem überlangen und künstlich wirkenden Hollywood-Showdown. Anscheinend ist Isamu Fukui auch ein Fan von asiatischen Action-Filmen.

 

Insgesamt ist „Ohne Entschuldigung – Der Aufstand der Schüler“ ein wenig spannender Mix aus Thriller und Science Fiction. Eine vorhersehbare Handlung und bekannte Charaktere machen den Roman eher für jüngere und unerfahrene Leser interessant.

 

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Ohne Entschuldigung – Der Aufstand der Schüler

Autor: Isamu Fukui

Deutsche Erstausgabe 2008

Amerikanische Originalausgabe 2008 „Truancy. Some Kids were rebellious…“

Übersetzung Andreas Kasprzak

Umschlagillustration Maximilian Meinzold

Blanvalet Verlag

Paperback, 464 Seiten

ISBN 978-3-442-26591-6

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 24.02.2009, zuletzt aktualisiert: 11.04.2016 07:59