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Perfekte Schwestern von Patrick Cave

Rezension von Christel Scheja

 

Patrick Cave ist zwar Engländer, hat aber bereits in vielen anderen Ländern Europas gelebt und dort sein Geld als Sprachlehrer verdient. Inzwischen lebt er mit Frau und Kindern als Autor in Frankreich. Bereits 2005 erschien der erste Band der nun in einem Buch zusammengefassten Duologie unter dem Titel „Das Saint-Netzwerk“ bei cbj. Nun hat der Verlag beide Bücher als dickes Taschenbuch heraus gegeben.

 

Jahrhunderte nach unserer Zeit sind die Auswirkungen der Klimakatastrophe noch immer spürbar. Die Zivilisation ist in einer Eiszeit erstarrt und beginnt sich erst jetzt, wo sich die Gletscher wieder etwas zurückziehen, zu erholen. Die meisten Menschen kämpfen ums Überleben und haben die Vergangenheit schon lange vergessen. Sie wissen nur wenig von dem, was weiter entfernt liegt, denn Reisen ist auch jetzt durch die schwierigen Bedingungen im Norden Europas noch immer nicht richtig möglich.

Die Macht über die verstreuten Enklaven liegt in den Händen weniger Familien, die das Wissen über die früheren Zeiten bewahren und sich selbst nicht mehr unbedingt auf natürliche Weise fortpflanzen, sondern die Gentechnik verfeinert haben. Seit Generationen bestehen sie aus Klonen ihrer Gründer. Die Wissenschaft hat alles so weit perfektioniert, dass nach und nach Übermenschen entstanden sind, die besser denken und handeln können.

Mira wächst in einem kleinen Dorf in den eisigen Einöden Schottlands auf und ahnt noch nicht, was sie erwartet. Ihr Leben ändert sich jedoch abrupt, als vor ihren Augen eine Fremde umgebracht wird. Diese trägt einen Zettel bei sich, auf dem Miras Name steht und der ihres Freundes Gil, der als „Wächter“ bezeichnet wird. Noch bevor das Mädchen heraus finden kann, was das alles bedeutet, wird sie selbst zur Gejagten.

Ihre Flucht führt sie in die ferne Hauptstadt, wo die Medien alles beherrschen und einige wenige Familien die Geschicke lenken, wie sie schon bald feststellen muss. Als sie dort überraschend Clarissa Saint gegenübersteht, ahnt, sie warum man sie verfolgt, denn sie ist ein Spiegelbild der jungen Frau. Nach anfänglichen Entsetzen und Abscheu beschließen sie jedoch zusammen zu arbeiten und alles zu tun, um die Machenschaften der „Neuen Idealen“ aufzudecken. Dabei stellen sie zudem fest, dass sie auch noch eine weitere Schwester haben – Adeline, der es gelungen ist, sich bei „Fit to Survive“ einzuschleichen, einer Überlebensshow im Fernsehen.

 

Es ist ein ambitioniertes Projekt, gesellschaftliche und natürliche Entwicklungen weiter zu spinnen und sich aufgrund heutiger Erkenntnisse eine zukünftige Gesellschaft auszudenken, die unserer eigenen Gegenwart nicht einmal so unähnlich ist. Doch ist Patrick Cave die Umsetzung wirklich gelungen?

Zwar nimmt er sich sehr viel Zeit, die Figuren und ihr Umfeld einzuführen, beschreibt auch eine ganze Menge, aber die wesentlichen Eckdaten legt er nicht fest. Er bleibt generell schwammig, was die Gesellschaftsstruktur angeht und wie weit die Kontrolle der herrschenden Familien über die einfachen Menschen eigentlich geht. Wie totalitär ist das Regime der Klone, und was macht ihr Tun verbrecherisch?

Ein roter Faden fehlt vollständig und so bekommt man mehr oder weniger eine Aneinanderreihung von Episoden präsentiert, die mal zusammen hängen, dann wieder gar nichts miteinander zu tun haben. Figuren werden aufgebaut, aber leider auch genau so schnell wieder vergessen, so dass man nichts über ihr weiteres Schicksal erfährt. Auch die Umgebung bleibt schemenhaft, da man sich nicht wirklich vorstellen kann, wie England im Griff der Eiszeit aussieht.

Letztendlich beschreibt er zwar sehr viel, aber nichts wirklich, und man muss schon eine Engelsgeduld aufbringen, um über die Längen hinweg zu lesen und die wenigen spannenden Kapitel zu entdecken, in denen wirklich Geheimnisse enthüllt werden, die die Geschichte voran bringen. Alles in allem ist „Perfekte Schwestern“ ziemlich enttäuschend, auch wenn sich ältere Jugendliche ab Fünfzehn sicherlich in der ein oder anderen Figur wiedererkennen werden.

 

„Perfekte Schwestern“ hat zwar interessante Ansätze, führt diese allerdings leider nicht so aus, wie man sich es wünschen würde, da die Handlung sehr schwammig bleibt und zudem noch unnötig in die Länge gezogen wird. Hier wäre weniger mehr gewesen.

 

Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

berni
Sonntag, 12. August 2012 08:32 Uhr
Ich finde auch das die beiden teile nicht zueinander passen im ist adelin noch klein und erst drei Jahre alt jetzt ist sie viel älter obwohl es zur gleichen zeit spielt mira stirbt im ersten teil und im zweiten lebts sie wieder ich finde es ist keine richtige duologie

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Buch:

Perfekte Schwestern

Autor: Patrick Cave

Original: „Sharp North“ & „Blown Away“, 2004/05

Taschenbuch, 894 Seiten

cbt, Februar 2009

Übersetzerin von Alexandra Ernst

 

ISBN-10: 3570305457

ISBN-13: 978-3570305454

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 10.07.2009, zuletzt aktualisiert: 20.07.2019 10:39